Zuschauen, entdecken, ausprobieren

Moritz sitzt mitten in einem Haufen aus Bausteinen und baut mit leuchtenden Augen selbstvergessen ein kranartiges Gebilde. Ganz zielsicher setzt er Stein um Stein, so als würde er einem inneren Plan folgen. Die Gebrauchsanweisung liegt unbeachtet am Boden. Stolz zeigt der fast 4-Jährige das fertige Werk seiner Mama: „Das ist ein Dinosaurier-Kran, den brauch ich ganz dringend!“

Im Vorschulalter entdecken Kinder ihre Fähigkeiten Ideen zu entwickeln und diese auch umzusetzen. Sie lernen durch die Beschäftigung mit verschiedenen Materialien und Gegenständen Zusammenhänge kennen und verstehen. Und sie lassen dabei ihrer überreichen Phantasie freien Lauf. Ihr Kind macht die wichtige Erfahrung, wie es selbst aktiv werden und schöpferisch sein kann. Aus Gatsch entstehen Kaufmannsläden, Gräser werden zu Vögeln und ein einfaches Stück Holz zu einem flotten Auto. Lassen Sie Ihr Kind doch auch die scheinbar verrückten oder unmöglichen Dinge ausprobieren. Und entmutigen Sie es nicht: Sagen Sie nicht zu schnell, dass aus einer Idee nichts werden kann. Ihr Kind soll sich bei seinen wilden Taten nicht weh tun und braucht Freiraum zum Experimentieren. Es geht für Ihr Kind darum zu lernen, was möglich ist und was nicht  möglich ist. Und dafür braucht es Zeit, Raum und Ihr weites Herz. Schauen Sie Ihrem Kind zu: Ganz in einer interessanten Tätigkeit „gefangen“ zu sein, in ihr völlig aufzugehen, gehört das nicht zu den glücklichsten Augenblicken des Lebens?
Zur lustvollen Erfahrung, selbst aktiv und gestalterisch zu sein, steht das passive Kon-sumieren, das Kinder vor allem beim Fernsehen als „sich berieseln lassen“ erleben, im krassen Gegensatz. Trotzdem – Kinder sind vom Medium Fernsehen genauso fasziniert wie Erwachsene, und vor der „Glotze“ zu sitzen ist ihnen genauso wichtig wie mit Freunden zusammen zu sein oder zu spielen. Entscheidend ist, dass Ihr Kind Anregungen bekommt, um sich vielfältig zu beschäftigen. Es braucht also Zeit, um mit seinen Freunden zu spielen und kann auch manchmal vorm Fernseher sitzen.
Unterschätzen Sie auch nicht die Wirkung des Fernsehens auf Ihr Kind! Fernsehen hat sicherlich viele gute Seiten, wie z.B. Informationen, Blicke in Geschichten und Welten, die sonst vielleicht nicht zugänglich sind: Aber – vor dem sechsten Lebensjahr unterscheiden Kinder nicht so wie Erwachsene zwischen Fiktion und Wirklichkeit. Für die Kleinen sind die Gestalten am Bildschirm genau so echt wie ihre Spielkameraden. Sie freuen sich mit ihnen mit und leiden, wenn ihrem Helden etwas zustößt. Im Gegensatz zum Spielen, können sie nichts zur Rettung ihres Helden beitragen. Gewaltszenen können sich bei Kindern als Horrorbilder festsetzen, vor allem, wenn sie allein vor dem Fernseher sitzen. Das kann Ihr Kind aggressiv machen und es zu der Erkenntnis verleiten, dass man Probleme gewalttätig lösen kann. Hier kommt Ihnen eine wichtige Aufgabe zu: Lassen Sie Ihr Kind in diesem Alter nicht alleine fernsehen! Und vergessen Sie nicht: Erst mit 7 Jahren können Kinder den Zusammenhang zwischen einzelnen Szenen und der Gesamthandlung herstellen. Erst um das 12. Lebensjahr verfolgen Kinder filmische Handlungen ähnlich wie Erwachsene.

Striktes Fernsehverbot ist keine Lösung für die aufgezeigten Probleme. Es ist wichtig, dass Kinder den richtigen Umgang mit diesem Medium lernen. Dabei hilft es, sich mit dem Kind Regeln auszumachen und diese dann auch einzuhalten: Wenn Kinder auswählen lernen und sich Sendungen, für die sie sich entschieden haben, mit Genuss anschauen und dann selbst den Fernseher abschalten, wird ein guter, eigenverantwortlicher Umgang mit diesem Medium  erlernt. Wählen Sie die Sendungen für Ihr Kind gut aus. Schauen Sie nicht mehrere Sendungen hintereinander an und drehen Sie Sendungen nicht mittendrin ab.

Eine gute Möglichkeit, den Fernseher zu nutzen, sind Videofilme. Diese können bewusst von den Eltern ausgesucht und zu einem Zeitpunkt, der Kind und Eltern passt, gespielt werden. Das macht beide unabhängig vom Terminplan des Fernsehers! Außerdem können Sendungen auch wiederholt angeschaut werden. Es gibt jedoch noch andere Medien, die Kinder lieben und die gegenüber dem Fernsehen eine Reihe von Vorteilen bieten: Radiosendungen und Tonkassetten regen die Phantasie und Kreativität Ihres Kindes an, weil nicht alles fertig geliefert wird. Ihr Kind muss sich die handelnden Personen und ihre Umgebung selbst vorstellen und entwickelt so seine eigenen Bilder.

Bilderbücher können – da das Bild ein Stehbild ist – im Tempo des Kindes immer wieder ganz genau angeschaut werden. So können gemächlich Einzelheiten gesucht und Zusammenhänge erklärt werden.

Sie sollten sich aber in jedem Fall vor Augen halten, dass Sie – wie so oft – das größte Vorbild für Ihr Kind sind. So wie Sie Bücher und Zeitschriften lesen, fernsehen oder Musik hören, beeinflussen Sie Ihr Kind.

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