Zappelphilipp und Co: Kinder mit Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom

Dies wird an Hand des Beispiels „David“ beschrieben. Bei ihm konnte ein Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom in einer umfassenden Diagnostik festgestellt werden: David ist sieben Jahre alt und besucht die zweite Klasse einer Volksschule. Seiner Lehrerin fällt er dadurch negativ auf, dass er oft große Schwierigkeiten hat, die Aufmerksamkeit über einen längeren Zeitraum bei einer Aufgabe zu halten. Er lässt sich leicht durch Geräusche vom Unterricht ablenken. Auch zappelt der Bub häufig mit Händen und Füßen oder rutscht ungeduldig auf dem Stuhl herum. Manchmal platzt er mit Antworten heraus, bevor die Lehrerin eine Frage zu Ende gestellt hat. An Aufzeigen ist sowieso nicht zu denken. Außerdem scheint er oft nicht zuzuhören, wenn die Lehrerin der Klasse etwas erklärt. Schriftliche Aufgaben erledigt er nur ungern und wenn, dann sehr ungenau. Bei der mündlichen Mitarbeit hingegen ist er kaum zu bremsen. David hat außerdem Probleme, sich in die Klassengemeinschaft zu integrieren. Durch sein impulsives Verhalten stört er beispielsweise die Unterhaltung oder Spiele anderer Kinder oder ist seinen Mitschülern gegenüber aggressiv.

In den vergangenen Jahren konnte ein stetiger Anstieg unruhiger Schüler und Schülerinnen beobachtet werden. Manche Kinder sind von Haus aus lebhaft und stürmisch, das liegt eben auch am Temperament. Nahezu jedes Kind hat seine Eltern durch sein Verhalten schon einmal auf die „Palme“ gebracht. Konzentration und Ausdauer entwickeln sich mit zunehmendem Alter des Kindes, dennoch werden auch bei älteren Kindern immer wieder Phasen der Unkonzentriertheit beobachtet. Das ist ganz normal. Kinder mit ADHS unterscheiden sich jedoch von anderen Kindern im Ausmaß und der Stärke des gezeigten Verhaltens. Die besonders ausgeprägten Auffälligkeiten sind Unaufmerksamkeit (Aufmerksamkeitsstörung), Überaktivität (Hyperaktivität) und Impulsivität.

Aufmerksamkeitsstörung:
Diese zeigt sich durch eine leichte Ablenkbarkeit vor allem bei Aufgaben, bei denen eine geringe Motivation vorhanden ist oder bei Tätigkeiten, die eine längere Aufmerksamkeitsspanne erfordern. Dies kann sich beispielsweise bei den Hausaufgaben bemerkbar machen und deshalb fängt das Kind erst gar nicht damit an. Viele Kinder merken sich die Hausaufgabe nicht. Sie machen das ohne Absicht, ihre Vergesslichkeit ist eine Folge ihrer Aufmerksamkeitsstörung. Hinzu kommt eine hastig überhüpfende – für das Kind selbst schwer kontrollierbare – Wahrnehmung. ADHS – Kindern bereitet es Schwierigkeiten, wichtige Informationen von unwichtigen zu unterscheiden. Es passieren häufig Flüchtigkeitsfehler und Alltagsdinge werden leicht vergessen. Die Kinder wechseln häufig von einer Aktivität zur nächsten und verlieren anscheinend schnell das Interesse an einer einmal begonnenen Tätigkeit. Äußere Reize wie das Tropfen eines Wasserhahns oder der Geruch von Essen lenken sie stark ab. Eine Handlung zu planen und die Organisation der schulischen Angelegenheiten fallen ihnen besonders schwer.

Impulsivität:
Sie haben Schwierigkeiten zu warten, bis sie an der Reihe sind, platzen oft mit Antworten heraus und reden häufig übermäßig viel. Diesen Kindern fällt es also schwer, ein Bedürfnis aufzuschieben. Kaum haben sie etwas gedacht, wird es auch schon getan. Deshalb begeben sie sich auch häufig in gefährliche Situationen. Viele Kinder neigen zu starken Gefühlsausbrüchen wie beispielsweise Wutanfällen.

Überaktivität:
Kinder mit ADHS fallen durch ihre extreme Unruhe und durch ihr ständiges Zappeln auf. Ihren überschießenden Bewegungsdrang können sie kaum steuern. Auch von der Umgebung scheint dieses Verhalten kaum beeinflussbar zu sein. So stehen diese Kinder im Unterricht oder in anderen Situationen häufig auf, in denen jedoch Sitzen bleiben erwartet wird. Diese eben beschriebenen Auffälligkeiten treten meistens in verschiedenen Lebensbereichen auf, zum Beispiel in der Schule, zu Hause, bei Aktivitäten mit Gleichaltrigen oder bei den Großeltern. ADHS gehört zu den häufigsten Störungen im Grundschulalter, wobei die Symptome bereits vor dem siebenten Lebensjahr zu beobachten sind. Buben sind häufiger betroffen als Mädchen. Nicht jedes lebhafte Kind hat ADHS. Es gibt Situationen, in denen Kinder manchmal auch sehr aktiv werden müssen, damit ihnen ihre Umwelt die Aufmerksamkeit gibt, die sie brauchen.

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