Zappelphilipp oder Böser Friederich?

Wodurch fallen „Zappelkinder“ auf ?
In den vergangenen Jahren wurden uns vermehrt Kinder vorgestellt, die scheinbar von einer inneren Unruhe getrieben nicht still sitzen können, alle erreichbaren Gegenstände anfassen und dabei meist kaputt machen, plötzliche Wutanfälle haben und sich an keine Regeln halten wollen. Solche Kinder werden sehr rasch als unerträglich empfunden, als verhaltensgestört bezeichnet und aus dem sozialen Umfeld ausgeschlossen. In der Schule bekommen sie auf Grund ihrer Unruhe und Unkonzentriertheit zudem auch noch große Probleme im Leistungsbereich.

Ist mein Kind hyperaktiv?
Diese bange Frage stellen besorgte, genervte und völlig verzweifelte Eltern, wenn sie mit ihren Kindern in die psychologische Beratungsstelle kommen.

Zunächst einmal: nicht jedes temperamentvolle, laute und gelegentlich ungezogene Kind ist hyperaktiv! Eltern können das Verhalten ihres Kindes zwar manchmal so empfinden, wenn sie abends nach der Berufsarbeit müde nach Hause kommen und einfach keine Ruhe eintritt, aber in den meisten Fällen gibt es dafür ganz einfache Erklärungen, die nichts mit der Diagnose „Hyperaktivität“ zu tun haben. In unserer leider manchmal kinderfeindlichen Gesellschaft wirkt ein normal lebhaftes Kind schon wie ein störender Fremdkörper. Für ein gesundes, vitales Kind ist das oftmals von ihm verlangte Stillsitzen und Ruhegeben völlig unnatürlich. Junge Kinder haben einen großen Bewegungsdrang, den sie gerade im städtischen Bereich nicht immer ausleben können. Das gesunde Gleichgewicht zwischen Austoben und Ruhegeben gerät heutzutage vielfältig aus den Fugen. Gestresste Erwachsene haben immer weniger Geduld mit aufgeweckten Kindern. Wie ein Bumerang wirkt ihre Hektik auf die innere Unruhe der Kinder zurück und verstärkt sie.

Es gibt aber auch Eltern, die ihren Kindern einen so großen Freiraum einräumen, dass diese tun und lassen können was sie wollen. Solchen Kindern fehlt sehr häufig ein sinnvolles Regelbewusstsein und sie haben daher außerhalb der Familie Schwierigkeiten im sozialen Zusammenleben mit Gleichaltrigen und Erwachsenen. Auch wenn sie sich vielleicht „unmöglich“ benehmen, sind diese Kinder nicht als hyperaktiv zu bezeichnen. Man kann immer wieder erleben, wie sich ihr Verhalten schlagartig normalisiert, wenn man ihnen freundlich aber bestimmt sagt, welche Regeln gelten. Sie sind fast erleichtert, als hätten sie darauf gewartet, dass ein Erwachsener sich um sie kümmert und sinnvolle Regeln durchsetzt. Kinder sind manchmal ganz einfach nur deshalb lästig, weil sie durch ihr unangepasstes Verhalten die Aufmerksamkeit des Erwachsenen auf sich ziehen möchten und um Zuwendung betteln.

Das Verhalten von Kindern – ein Spiegelbild der Gesellschaft
Bevor wir also ein Kind als hyperaktiv bezeichnen, sollten wir uns bewusst machen, dass die im Kind ausgelöste Unruhe oft nur ein Abbild unserer Zeit ist. Die Problematik des herrschsüchtigen kleinen Tyrannen geht sehr oft mit der materiellen Verwöhnung durch die Erwachsenen einher, die einfach zu wenig Zeit haben sich mit ihren Kindern zu beschäftigen. Vernachlässigung kann sich auch in Symptomen wie Unruhe, Unzufriedenheit, innere Leere und Suchtverhalten äußern.

Selbst Erwachsenen geht es so, dass sie unruhig werden und Hilfe beanspruchen möchten, wenn sie den Überblick verlieren und ungeordneten Reizen ausgeliefert sind. Wie mag es dann erst dem jungen Kind ergehen? Ohne den ausreichenden Schutz einer vertrauten Bezugsperson, die den Überblick hat und Sicherheit sowie Geborgenheit bieten kann, bleibt das Kind mit seinen Ängsten allein und befindet sich zwangsläufig in einer ständigen innerlichen Unruhe.

Zappelige, unruhige Kinder haben auffallende Schwierigkeiten in ganz bestimmten Bereichen:

  • Die Wahrnehmung Ihre Aufmerksamkeit, das rasche Unterscheiden von wichtigen und unwichtigen Reizen, das konzentrierte Zusammenspiel mit der Motorik usw. sind beeinträchtigt.
  • Das Denken und Erfassen von vielschichtigen, aufeinanderfolgenden Zusammenhängen wird durch die Unruhe erschwert.
  • Das zielgerichtete Handeln sowie das gedankliche Vorplanen von notwendigen Abläufen und damit auch die Selbstüberwindung und der Wille, bis zum Ende durchzuhalten, sind nicht im ausreichenden Maß vorhanden.
  • Die ganze Persönlichkeitsentwicklung ist betroffen.

Diese Kinder fühlen sich oft ungeliebt und leiden sehr darunter, weil sie von Gleichaltrigen abgelehnt werden und keine Freunde haben. Die Unruhe raubt ihnen alle Kräfte, die sie zur Entfaltung einer starken Persönlichkeit benötigen. Deshalb brauchen sie Eltern und Bezugspersonen, die ruhig und gelassen bleiben und in ihrem Erziehungsverhalten sicher wirken. Aber gerade das ist bei unruhigen Kindern nicht immer leicht. Eltern wird sehr oft die Schuld an der Unruhe ihrer Kinder gegeben. Selbstvorwürfe und die Angst Fehler zu machen plagen Eltern im Allgemeinen und Eltern mit verhaltensauffälligen Kindern im Besonderen.

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