Wut im Bauch, Eine kleine Geschichte über Aggression

Sandkuchen
Der dreijährige Manuel bewundert in sich versunken seinen Sandkuchen. Der gleichaltrige Philip nimmt seine Schaufel und schlägt auf das eben entstandene Werk ein. Manuel entreißt ihm die Schaufel und schlägt damit Philip auf den Kopf.

Blöde Kuh
3. Volksschule, Zehnuhrpause. Martin sitzt, ein Jausenbrot essend, auf seinem Platz und liest ein Comic. Er fühlt sich heute besonders schick, er trägt den selbst gestrickten Pullover von Oma. Sara und Maria schleichen kichernd um ihn herum, zeigen mit dem Finger auf ihn. Sie flüstern hinter vorgehaltener Hand einzelne Worte – „Mädchen“, „Martin“ , „Baby“ – aber in einer für andere hörbaren Lautstärke. Plötzlich springt Martin auf und brüllt: „Ihr blöden Kühe glotzt mich nicht so an!“

Schlusspfiff
Nach einem Fußballländermatch macht sich eine Gruppe Jugendlicher auf den Heimweg. Das verlorene Spiel ihrer Mannschaft wird heiß diskutiert. Eine Parkbank wird umgeworfen, Passanten angepöbelt, einem Hund ein Stein nachgeworfen. Ein junger Mann mit dunkler Hautfarbe wird aus einer Telefonzelle gezerrt, mit einem Tritt in die Flucht geschlagen, die Telefonzelle beschädigt.

Aggression, Wut, Aggressivität – so einfach ist es nicht
Viele, oft sehr unterschiedliche Phänomene werden mit ein und demselben Begriff umschrieben – Aggression. Dies führt zu Missverständnissen, Unsicherheit und Ungerechtigkeiten. Das Wort Aggression stammt vom lateinischen „aggredi“, was herantreten, auf etwas Zugehen, in Angriff nehmen bedeutet. Im ursprünglichen Sinn beschreibt es demnach eine Handlung, eine aktive Auseinandersetzung mit der Umwelt.

Oftmals liegt aggressivem Handeln Wut zu Grunde, in unterschiedlicher Intensität – vom kleinen Ärger bis zum flammenden Zorn. Wut ist eines von vielen menschlichen Gefühlen, das auch mit starken motorischen und vegetativen Reaktionen einhergeht, also körperlich deutlich spürbar ist. Sie wird zu den instinkt- oder triebhaften Kampf und Abwehrmechanismen gezählt. Das bedeutet, dass Wut als Gefühl nicht durch Denkprozesse steuerbar ist. Zwischen einem Gefühl und einer daraus folgenden Handlung liegt aber die Möglichkeit der Entscheidung, die Empfindung nach außen zu zeigen oder auch nicht.

Aggressivität ist die Bezeichnung für ein gehäuft auftretendes feindselig ablehnendes Verhalten. Dies kann sich in verbalen oder tätlichen Angriffen, wie körperlicher Verletzung anderer Personen oder absichtliches Zerstören von Gegenständen, äußern. Die dahinterliegende Empfindung kann Wut und/oder Angst und/oder Schmerz jeweils in den verschiedensten Ausprägungen sein.

Aggressionen – in die Wiege gelegt oder erlerntes Verhalten?
Die Möglichkeit zu aggressivem Verhalten ist in uns allen vorhanden, da wir mit den körperlichen Voraussetzungen bestimmte Gehirnzentren – ausgestattet sind. Warum ist dann einer mehr und der andere weniger aggressiv? Menschen unterscheiden sich durch vielerlei Dinge voneinander, die einerseits aus ihrer Veranlagung, andererseits aus ihren Erfahrungen mit anderen Menschen resultieren.

Sozusagen in die Wiege gelegt ist die Art und Weise, wie Informationen der Außenwelt aufgenommen und im Gehirn verarbeitet werden. Manche benötigen mehr, andere weniger Reize in ihren Sinnesorganen, damit das Nervensystem und somit auch der Aggressionsmechanismus im Gehirn einsetzt. Unterschiede ergeben sich auch durch hormonelle Voraussetzungen und Persönlichkeitsfaktoren. Extravertierte Menschen sind zum Unterschied von introvertierten Persönlichkeiten mehr an der Außenwelt orientiert, das heißt, sie werden stark von ihrer Umwelt beeinflusst, auch von Geschehnissen, die Ärger auslösen. Sie können sich öfters aggressiv verhalten als verschlossene Menschen, weil Aggression ein nach außen gerichtetes, in Kontakt tretendes Handeln ist. Wütend können beide „Typen“ werden, aber in der Umsetzung und Außenwirkung bestehen Unterschiede.

Bekanntlich übt der Erziehungsstil der Eltern bzw. Bezugspersonen auf Kinder und Jugendliche einen prägenden Einfluss aus. Dieser kann aggressives Verhalten eines jungen Menschen in verschiedener Intensität fördern. Zum Beispiel, wenn ein Kind über lange Zeiträume hinweg häufig Frustrationen ausgesetzt wird. Oder wenn die als Vorbild dienenden Erwachsenen seiner unmittelbaren Umgebung selbst immer wieder aggressive Handlungen zeigen. Oder wenn ein Erziehungsstil es dem Kind schwer macht soziale Fertigkeiten zu erlernen.

Vorheriger ArtikelEntspannung trainieren
Nächster ArtikelEine Viertelstunde Sport

Interessantes

- Advertisement -Jentschura

Empfehlungen