Wonnemonat Mai

Nun sind sie wirklich spürbar länger, die Tage. Auch die Sonne wärmt immer mehr, manchmal ist es fast schon (früh-)sommerlich heiß. Wir öffnen die Fenster, verbringen Zeit auf Balkon, Terrasse oder im Garten, treffen uns mit Freunden im Park, schlecken Eis und genießen ihn so richtig, den Wonnemonat Mai – er trägt diesen schönen Namen ja nicht umsonst. Mit dem Wechsel der Jahreszeiten und vor allem durch das herrliche Frühlingslicht, passieren auch zahlreiche Dinge in unserem Körper: Während er die Produktion von Melatonin zurückfährt – das Schlafhormon gilt übrigens als Hauptregulator des Schlaf-Wach-Rhythmus –, steigen der Serotonin-, Dopamin- und Thyroxinspiegel an. Bei Letzterem handelt es sich um ein Schilddrüsenhormon. Und da unser unterhalb des Kehlkopfs gelegenes Schmetterlingsorgan auf Lichtreize reagiert, wird Thyroxin im Winter quasi auf Sparflamme produziert und erst im Frühling wieder vermehrt ausgeschüttet. Die anderen beiden sind sogenannte Neurotransmitter, also Botenstoffe, und gemeinhin als Glückshormone bekannt. Serotonin ist, wie Melatonin, für die Regulation des Schlafes verantwortlich, aber auch für den Appetit und unsere Stimmung. Angestachelt durch den Lenz kommt es zu Frühlingsgefühlen, Schmetterlingen im Bauch und all den anderen wunderbaren Gemütszuständen.


Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Knospen sprangen,
Da ist in meinem Herzen
  Die Liebe aufgegangen.
Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Vögel sangen,
Da hab ich ihr gestanden
Mein Sehnen und Verlangen.
                                                                                                                                                                                

HEINRICH HEINE

Der Charme des Frühlings. Allerdings gibt es mittlerweile auch zahlreiche Wissenschaftler, die dieses Phänomen, in Fachkreisen auch „Spring Fever“ genannt, anzweifeln. Anscheinend schlagen nämlich künstliche Lichtquellen und steigende Temperaturen während den Wintermonaten dem Frühling ein Schnippchen. Soll heißen: Weil es in unseren Breiten keine richtige Kälte mehr gibt (naja, diese Feststellung trifft wohl auf den vergangenen Winter weniger zu) und weil wir Licht an- und ausschalten können, wie es uns beliebt, habe das Sonnenlicht keine Auswirkungen auf unser Liebesleben mehr. Davon ist zumindest Martin Reincke, Direktor der Medizinischen Klinik in München und Spezialist für Hormonerkrankungen, überzeugt. Aber ganz so abgebrüht sind wir dann doch nicht. Denn für den Wiener Hormonexperten, Ernährungs- und Vitalstoffmediziner Christian Matthai steht fest: „Frühlingsgefühle sind sicher nicht nur Einbildung. Botenstoffe wie das Serotonin werden im Körper in Abhängigkeit von Tageslicht produziert. Durch Bewegung im Freien nimmt die körpereigene Serotonin- und Dopaminproduktion zu und damit steigen auch Stimmung und Zufriedenheit an.“

Müde bin ich … Dass der Wechsel der Jahreszeiten sehr wohl Auswirkungen auf unseren Hormonhaushalt hat, zeigt auch ein anderes Phänomen: die Frühjahrsmüdigkeit. Wiederum können oder wollen viele nicht glauben, dass es sie wirklich gibt. Es mag selbstverständlich verwundern, dass wir trotz stetig steigender Temperaturen und mehr Sonne nicht das blühende Leben schlechthin sind. Ganz im Gegenteil sind gerade jetzt viele von uns erschöpft und zuweilen lustlos, leiden unter Stimmungsschwankungen und haben gelegentlich mit Kreislaufproblemen zu kämpfen. Die sogenannte Frühjahrsmüdigkeit werde von vielen Faktoren beeinflusst, erklärt Matthai: „Botenstoffe, Hormone und der Blutdruck scheinen dabei federführend zu sein. In vielen Fällen ist ein Ungleichgewicht zwischen Serotonin und Melatonin der Grund für Müdigkeit und Antriebslosigkeit.“ Gefährlich sei sie nicht, diese Müdigkeit, dennoch könne man etwas dagegen unternehmen, denn durch die Art und Weise wie wir leben, werden Kreislauf und Hormone aktiviert, weiß Matthai: „Im Frühjahr heißt es also wieder: ‚Raus an die Sonne, frische Luft tanken und viel bewegen!’ Dann regulieren sich die Hormone von alleine.“ In Sachen Frühjahrsmüdigkeit spielt überdies die Ernährung eine wichtige Rolle: Einerseits bemerkt man vielleicht erst jetzt den Winterspeck und wird sich zudem der Tatsache bewusst, dass man während der kalten Monate vitamin- und mineralstoffarm, dafür viel zu reichhaltig gegessen hat. Daher sollte der Körper nun mit Vitaminen versorgt werden, allen voran mit Vitamin D, aber auch mit den Vitaminen C und E sowie den B-Vitaminen. Ferner können Spurenelemente und Mineralstoffe wie Magnesium dafür sorgen, dass wir den Frühling so richtig genießen können.

Tipps gegen Frühjahrsmüdigkeit:

  • Soviel Tageslicht wie möglich tanken.
  • Täglich Bewegung an der frischen Luft.
  • Kalt-warme Wechselduschen am Morgen (Wichtig: Zum Schluss immer kalt!) statt heißer Bäder. Sie regen den Kreislauf an und wirken außerdem gegen Cellulite.
  • Viel trinken. Damit bringt man den Organismus wieder in Schwung.
  • Frische, vitaminreiche Kost für das reibungslose Funktionieren des Stoffwechsels. Obst und Gemüse sind ideale Nahrungsmittel und richtige Fitmacher.

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