Wir wollen mitreden!

Wir Älteren schimpfen seit jeher über die Jüngeren, ob nun berechtigt oder nicht. Umgekehrt sind die Anforderungen an junge Menschen heute wesentlich vielschichtiger und komplexer als früher. Wir Mitglieder der modernen Leistungsgesellschaft arbeiten angestrengter und länger, haben auch in der Freizeit Stress und selbst, wenn das banal klingt: Wir vernachlässigen oft das Wesentliche – Kinder, Familie und die richtigen Freunde. Damit sind nicht jene in den Social Networks gemeint …

Was die jungen Menschen an erster Stelle von uns Erwachsenen einfordern, ist eigentlich ganz simpel: mehr von unserer Zeit. Dicht gefolgt vom dringlichen Wunsch nach einem verantwortungsvolleren Umgang mit dem Blauen Planeten. So hat etwa die Atomkatastrophe von Japan nachhaltig Spuren bei den Kids hinterlassen. Gesünder Leben recherchierte u.a. auf einem Skaterplatz und konnte den Eindruck gewinnen, dass die Jugend sich beileibe nicht nur für Facebook, Twitter oder für Materielles wie Handys oder Markenkleidung interessiert. Im Gegensatz zu vielen Großen …

Alte Konflikte
An dieser Stelle sollen keine Jugendstudien oder Statistiken herangezogen werden. Wie man weiß, war und ist es für einen Heranwachsenden schwierig, seinen Platz in der Welt im Allgemeinen, im persönlichen, sozialen Umfeld oder in der Gesellschaft zu finden. Gerade in dieser
bedeutenden Phase der Orientierung wird der Grundstein für die spätere Persönlichkeit gelegt, mit allen Konsequenzen: das Aufbegehren gegen Autoritäten sowie das Ausloten von Grenzen gehört irgendwie dazu zum Großwerden. Gerne wird in diesem Zusammenhang der griechische Philosoph Sokrates zitiert, der schon zu seiner Zeit geklagt haben soll: „Die Jugend liebt den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt mehr vor älteren Leuten und diskutiert, wo sie arbeiten soll. Die Jugend steht nicht auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widerspricht den Eltern und tyrannisiert die Lehrer.“ Klingt diese jahrtausendealte Erkenntnis in Ihren Ohren nicht irgendwie vertraut? Die „Jugend von heute“ stellt sich für die jeweilige Generation der Eltern bzw. Großeltern als immer respektloser, fauler, verlotterter dar. Verhält sich das aber tatsächlich so? Und ist es nicht vielmehr so, dass jede heranwachsende Generation nur so gut oder auch so schlecht ist wie das, was ihre Vorbilder ihnen vorleben …

Neue Sichtweisen
Was ist mir wichtig? Was würde ich anders machen? Das sind genau die Kernfragen, die sich jeder auf dem Weg ins Erwachsenenleben stellt. Gesünder Leben hat daher bei Schülern in Niederösterreich nachgefragt, denn wir wollten wissen, ob Erwachsene aus der Sicht der Teenager immer alles richtig machen bzw. was sie zu wichtig nehmen und was sie umgekehrt ernster nehmen sollten – und natürlich auch, was den jungen Menschen etwas bedeutet und was sie interessiert. Erstaunlich und engagiert waren die Antworten, denn die Teens von heute wollen eindeutig eines: mitreden können.

Anna, 12
Am liebsten treffe ich Freunde und bin aber auch jeden Tag auf Face­book. Die Erwachsenen nehmen die Schule viel zu ernst und auch die Noten. Sie sollten, find ich, lieber besser auf die Welt aufpassen!

Gabriel, 15
Ich find die Erwachsenen in meinem Umfeld eigentlich okay. Aber es gibt auch solche, die auf viele Dinge pfeifen, wie die Umwelt, und zum Beispiel nicht den Müll trennen oder überhaupt achtlos alles wegwerfen. Ich würde mir aber grundsätzlich wünschen, mehr mitreden zu können, auch bei familiären Entscheidungen. Und ich würde auf jeden Fall etwas gegen den Atomstrom unternehmen und dafür mehr Windräder aufstellen. Für Politik interessieren meine Freunde und ich uns aber eher nicht.

Alex, 16
Schade finde ich, dass meine Eltern eindeutig zu wenig Zeit haben, um mehr mit mir oder ihren Freunden zu unternehmen. Aber das ist halt schwierig, weil beide einen 40-Stunden-Job haben. Ob jemand Verständnis für die Anliegen der Jugend hat, ist keine Altersfrage, weil sich viele noch erinnern können, wie es war, als sie noch selbst jung waren, wie z.B. meine Groß­eltern. Ich denke, dass auch unter 16-Jährige mehr mitreden sollen können, etwa bei Atomkraft, weil es ja um unsere Zukunft geht. Ich würde jedenfalls sofort alle AKW abschalten.

Peter, 14
Ich glaube, dass viele Leute ihre Zeit verschwenden im Internet oder mit Schminken usw. Ich habe zwar einen Computer, aber ich spiele nicht jeden Tag und Facebook interessiert mich auch nicht, weil ich meine Freunde lieber so treffe. Mit meiner Familie und meinen Eltern bin ich ziemlich zufrieden. Aber viele Erwachsenen sind keine so guten Vorbilder, weil sie Alkoholiker sind, Drogen nehmen oder urviel rauchen. Ich kenne selbst Leute, die sich nicht gut um ihre Kinder kümmern oder sogar schlagen. Angst habe ich vor Atomkraftwerken und vor der Umweltverschmutzung.

Elvin, 12
Ja, ich bin eigentlich ganz zufrieden mit meinem Leben und finde auch, dass die Erwachsenen und die Lehrer schon ein gutes Vorbild sind. Was mich zum Beispiel aber an meiner Mutter stört ist, dass sie oft zwei bis drei Stunden das Badezimmer besetzt. Manche Leute legen zu viel Wert auf teure Markensachen. Warum kann man nicht einfach normale Sachen kaufen, das versteh ich nicht. Politik mag ich eigentlich nicht so ganz, aber man muss den Leuten endlich begreiflich machen, dass sie keine Atomkraftwerke bauen sollen.

Michelle, 13 & Bettina, 12
Die Großen nehmen ihre Arbeit viel zu wichtig und sitzen viel zu viel vor dem Computer. Sie sollten lieber mehr mit ihren Familien unternehmen. Wir surfen natürlich schon auch oft und beschäftigen uns viel mit SMS und MMS, aber trotzdem sind uns die wirklichen Freunde am wichtigsten! Wir machen uns sehr viele Gedanken um die Umwelt und finden, dass die Erwachsenen nicht gut mit unserer Erde, der Natur und z.B. den Bäumen umgehen. Markenkleidung ist schon sehr wichtig, aber die können wir uns nicht immer leisten. Wenn wir einkaufen gehen, dann muss es aber wenigstens in coolen Geschäften sein.

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