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René ist für jeden Spaß zu haben. Egal ob Wandern, Festivals oder andere Dinge, die junge Leute halt so machen – der 36-jährige Niederösterreicher ist dabei! Da verwundert es fast ein bisschen, dass es bis 2012 dauerte, bis er die Faszination des Klettersports für sich entdeckte. „Ich wollte spezifisch etwas für meinen Oberkörper und Rücken tun.“ Mittlerweile ist René routinierter Kletterer, der auch vor kräftigen und überhängenden Routen nicht zurückschreckt. Zusammen mit seiner Lebenspartnerin Kerstin, 34, ist ein- bis zweimal wöchentlich Klettern beziehungsweise Bouldern angesagt. Im Sommer draußen in der wunderschönen Natur, im Winter ganz praktisch in der Halle.

Trendsport Klettern
Diese Hallen schießen seit geraumer Zeit wie die berühmten Schwammerl aus dem Boden, auch immer mehr Hotels entdecken den Trendsport Klettern für sich. „Klettern ist in“, bestätigt Klettertherapeutin Sarah Wechner aus Wien. Nicht überraschend für die Expertin: „Klettern ist ein sehr vielfältiger Sport. Und er weckt im Menschen den kindlichen Urinstinkt, wo raufklettern zu wollen. Zudem bringt einem das Klettern wie kaum ein anderer Sport an Grenzen, wo man sich stark mit sich selbst auseinandersetzen muss. Zum Beispiel bei Höhenangst oder der Angst, zu scheitern.“ Vor allem aber ist es der gesundheitliche Aspekt, der Klettern so besonders macht: „Beim Klettern wird der gesamte Körper effektiv beansprucht.“ Der Fortschritt ist nicht nur sichtbar, sondern kann buchstäblich schwindelerregend hoch werden: Je geübter und fitter man wird, desto höher geht es hinauf – ein gutes oder, wie René es nennt, „unbeschreibliches Freiheitsgefühl“.

Klettern oder Bouldern?
Wechner erklärt den Unterschied: „Wenn von Sportklettern die Rede ist, meint man Klettern am Seil, bei dem der sportliche Faktor im Vordergrund steht. Es wird versucht, Routen, oft an der Leistungsgrenze, in einem bestimmten Begehungsstil zu bewältigen.“ Unter Bouldern wiederum versteht man das Klettern in Absprunghöhe, ohne Seil. „Dabei werden sowohl in der Halle als auch am Fels Matten verwendet, um sich bei einem Sturz oder Absprung zu sichern. Bouldern ist also alleine möglich. Beim Sport- oder Alpinklettern am Seil benötigt man grundsätzlich einen Sicherungspartner.“ Ob man Klettern oder Bouldern bevorzugt, ist nicht zuletzt eine Frage des Geschmacks, meint die Expertin. „Im Allgemeinen braucht es beim Klettern am Seil eher mehr Ausdauer und beim Bouldern mehr Kraft.“

Ganzkörpertraining
Wechner betont zwar, dass Beweglichkeit beim Klettern „enorm wichtig, aber natürlich auch davon abhängig ist, in welcher Intensität man diesen Sport betreibt“. Sie ist aber davon überzeugt, dass grundsätzlich jeder des Kletterns fähig ist: „Das Schöne ist, dass man bis ins hohe Alter viel Freude an diesem Sport haben kann. Auch viele Menschen mit Behinderung finden im Klettersport ihre Leidenschaft.“ Sowohl die Muskeln als auch die Kraftausdauer werden beim Klettern trainiert, gleichzeitig werden auch unsere Sehnen gedehnt. „Wir klettern mit dem ganzen Körper“, so Wechner. „Insbesondere beansprucht werden die Arme, der Schultergürtel sowie der gesamte Rumpf, also die Bauch- und Rückenmuskulatur.“ Sogar die im Alltag oft vernachlässigte Fingermuskulatur wird gestärkt. Klettern gilt unter vielen Experten gar als effektiver als das Trainieren an Geräten. Diese Meinung teilt auch Wechner: „Aus meiner Sicht ist Klettern als ‚Krabbeln in der Vertikalen’ funktioneller als ein reines Gerätetraining, da es in einem gesamten Bewegungsmuster ganze Muskelketten trainiert.“ Die positive und nachhaltige Auswirkung des Kletterns auf den eigenen Körper bestätigen auch René und Kerstin. „Ich merkte sehr bald eine Verbesserung der Arm- und Fingerkraft sowie der Koordination“, so Kerstin. René ist beim Erzählen besonders stolz: „Als ich zu klettern und bouldern begann, konnte ich keinen einzigen Klimmzug. Nach dem ersten Trainingsjahr – und nach meiner Gewichtsabnahme – waren es bereits 13! Auch mein Gleichgewichtsgefühl sowie meine Feinmotorik haben sich verbessert.“

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