Wir haben viele Möglichkeiten

Sind wir denn die einzigen in dieser Gegend mit einem Kind mit Behinderung? Wo erhalten wir brauchbare Informationen über Therapieund Fördermöglichkeiten in der näheren Umgebung? Gibt es hier besondere Angebote für Familien mit Kindern mit Behinderung?“ fragen Gerhard und Eva, Eltern von Andrea, einem Kind mit geistiger Behinderung. Die Familie ist berufsbedingt in ein anderes Bundesland übersiedelt und ist auf der Suche nach Kontakten und Informationen. „In Wien gingen wir regelmäßig in eine Selbsthilfegruppe. Dort schlossen wir Freundschaft mit Eltern in ähnlichen Situationen,“ sagt Eva.

Eingebettet sein in ein soziales Netz ist für Eltern mit Kindern mit Behinderung besonders wertvoll. Der Alltag führt sie manchmal an ihre Grenzen. Umso wichtiger ist es dann, ein Netzwerk an Unterstützungsmöglichkeiten bei der Hand zu haben. Familie, Freundeskreis und Nachbarschaft gehören genauso dazu, wie Kindergärtner/innen, Lehrer/innen, Sozialarbeiter/ innen und Fachkräfte aus dem Helfersystem, (Beratung, Therapie, Frühförderung, Medizin), aber auch Auskunftsstellen und Ämter.

Informationen zu professioneller Hilfe, finanzieller Unterstützung in den einzelnen Bundesländern, speziellen medizinischen Zentren, Therapie- und Fördermöglichkeiten, Selbsthilfegruppen und Eltern-Kind-Zentren lassen sich im Internet finden.

„Kürzlich bin ich beim Surfen im Internet in einem Eltern-Forum gelandet. Dort erzählte die Mutter eines Kindes mit derselben Behinderung, die mein Sohn hat, was sie alles an Therapien in Anspruch nehmen. Sie leben in einer großen Stadt mit vielen Therapieangeboten. Mir ging es daraufhin sehr schlecht. Würde mein Kind sich ohne diese Vielfalt an Therapien auch gut entwickeln?

Wir haben in unserer Gegend Gott sei Dank eine Frühförderin, die wöchentlich ins Haus kommt, zur Ergotherapie müssen wir aber 35 km fahren. Erst mein Mann, dem ich meine Sorgen mitteilte, konnte mich wieder auf den Boden der Realität bringen. Er meinte, unserem Kind geht es doch gut hier. Es ist hier gut integriert und glücklich, und wir doch auch. Sollten wir das alles aufgeben, um in der Stadt zu leben? Ist es nicht sehr wichtig in unserem Leben, dass es uns als Familie gut geht?“

So viele Möglichkeiten das Internet bietet, so groß ist auch die Gefahr dabei, ein gesundes Maß aus den Augen zu verlieren. Sie als Eltern kennen das Maß, und Ihr Bauchgefühl ist der verlässlichste Anzeiger für das Wohlbefinden Ihrer Familie.

Mittlerweile gibt es in allen Bundesländern Selbsthilfegruppen z.B. für Familien mit Kindern mit Down-Syndrom. Auch zu verschiedenen anderen spezifischen Behinderungen tun sich Betroffene zusammen. In manchen Selbsthilfegruppen treffen sich Familien mit Kindern mit unterschiedlicher Behinderung.

„Jeden ersten Freitag im Monat gibt es ein Treffen unserer Down-Syndrom-Selbsthilfegruppe. Wir, d.h. mein Mann, unsere 3-jährige Tochter Ida, unser 4-jähriger Sohn Max (er hat Down-Syndrom) und ich gehen nun bereits 3 Jahre regelmäßig zu den Treffen. Es tut uns gut, mit Menschen zusammen zu sein, die ähnliche Erfahrungen machen wie wir. Wir tauschen uns aus und jammern manchmal gemeinsam, was auch gut tut. Wir lachen aber auch wirklich viel miteinander. Derzeit besuchen wir Eltern gemeinsam einen Workshop über „Gebärdenunterstützte Kommunikation“ (GUK) und wie sich das zu Hause anwenden lässt. Das macht uns richtig Spaß. Ich fühle mich dort gut aufgehoben,“ erzählt Anita begeistert.

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