Wie gesund ist Eifersucht?

Mit einer neuen Hose hat es angefangen. Dunkelgrün. Und nicht sein Stil. Die Hose hat sie noch ungetragen in dem Einkaufssackerl zerschnitten, mit Müll vermischt und in die Tonne versenkt. Die Frau, die andere Frau, die hinter der Hose steckt, hat sich in ihr eingenistet. Sie bestimmt ihr Dasein. Sie weiß alles über die Rivalin, alles, außer Namen, Adresse und Telefonnummer. Seit Monaten seziert sie sein Leben, jede Bewegung, jedes Wort, jeder Blick wird registriert, analysiert, katalogisiert. Sie überwacht ihren Mann, beauftragt einen Detektiv, beschuldigt ihn täglich der Untreue, mehr oder weniger lautstark. Sie sucht und sucht – und findet nichts. Weil es das blonde Biest mit den unschuldigen braunen Augen, dem straffen Busen, den langen Beinen in hochhackigen Schuhen, das sie sich in ihrer Fantasie zurechtgezimmert hatte, gar nicht gibt.

Übel aus der Kindheit. Von Eifersucht getriebene Menschen jagen nicht selten einem Phantom hinterher, zerstören sich selbst und ihre Partner und stehen schlussendlich vor den Scherben ihres Lebens. „Krankhafte Eifersucht ist oft auf keine Situation bezogen, die real ist“, sagt die Wiener Psychologin Mag. Irene Zahrl. „Der pathologisch Eifersüchtige jedoch ist felsenfest davon überzeugt, dass er betrogen wird. Und selbst dann“, so die Expertin weiter, „wenn es sich herausstellt, dass an der Sache nichts dran ist, bleibt das quälende Misstrauen bestehen.“ Einen der Gründe dafür orten Wissenschaftler und Psychologen in der frühen Kindheit. So tendieren Menschen, die keine bedingungslose Liebe erfahren haben und aufgrund dessen an ihrem Wert als Mensch zweifeln, dazu, krankhaft eifersüchtig zu sein.

Eifersucht ist nicht gleich Eifersucht. Der kleine Stich, der zieht, wenn der Partner fremdflirtet, der schnelle Blick auf sein Handy, die etwas zu neugierige Frage: Das alles liegt im Bereich der Normalität und kann vorkommen. „Eifersucht“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Harald Oberbauer, Psychiater an der Universitätsklinik Innsbruck und Leiter der dortigen Eifersuchtsambulanz, „ist quasi ein Teil der normalen biologischen Grundausstattung des Menschen. Unter bestimmten Bedingungen kann die normale, oft liebes- und beziehungsfördernde Eifersucht aber in eine pathologische Form umschlagen. Die extremste Form stellt der Eifersuchtswahn dar. Wir“, so der Experte weiter, „sehen pathologische Eifersucht meist in Verbindung mit anderen Störungen.“ Die häufigsten sind: hirnorganische Erkrankungen (Schädel-Hirn-Trauma, beginnende Demenz, andere Hirnerkrankungen), Stimmungsschwankungen (Depression und Manie), Angststörungen, Alkoholkrankheit, gemindertes Selbstwertgefühl, generell gestörtes Kommunikationsmuster in der Beziehung, körperliche Schäden, Impotenz des Mannes.

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