Wer nicht klaut, gehört nicht dazu …

Zuerst beginnt sie, sich in der Schule wie Carola zu benehmen. Sie wird den Lehrern gegenüber frech, vergisst zunehmend Hausübungen und beginnt zu rauchen. Und tatsächlich: Carola wird auf das Mädchen aufmerksam! Julias Wunsch scheint in Erfüllung zu gehen, als Carola sie zu einem Gruppentreffen einlädt.

Als die Clique eines Tages in einem Supermarkt ist, sieht Julia, dass die Jugendlichen Süßigkeiten und Kosmetikartikel einfach einstecken und ohne zu bezahlen aus dem Geschäft spazieren. Julia tut so als hätte sie dies nicht bemerkt. In den nächsten Tagen wiederholt sich dieselbe Situation und schon bald fordert die Clique, dass Julia auch stehlen soll. Als sie sich weigert, wird sie ausgelacht, als „Streberin“ beschimpft und der Ausschluss aus der Gruppe wird angedroht. Julia ist in einer Zwickmühle. Sie weiß, dass Diebstahl verboten ist, andererseits wird sie jetzt respektiert und bewundert. Sie möchte so gerne weiterhin mit Carola und ihrer Clique befreundet sein. Julia geht in den nächsten Supermarkt, steckt schnell einen Kaugummi ein und wird prompt erwischt!

So wie Julia ergeht es vielen Jugendlichen. Der Gruppendruck und der Wunsch dazuzugehören kann Regelüberschreitungen begünstigen.

„Ich will doch nur dazugehören…“
In der Jugendzeit erfolgt eine Lockerung der Familienbindung und eine gleichzeitige Zuwendung zu Gleichaltrigen. Einem Jugendlichen dient diese „Peergroup“ als Spiegel seiner Selbst. Teenager sind in hohem Ausmaß davon abhängig, wie sie von anderen gesehen werden. Dadurch entsteht der Druck sich Anerkennung und Status in einer Gleichaltrigengruppe zu erkämpfen. Das Selbstbewusstsein stützt sich in dieser Phase somit hauptsächlich auf die Wirkung auf andere. Nicht selten kommt es dabei, wie auch bei Julia, zu einer Kollision von Vorstellungen und Moral, die ein Jugendlicher bereits in der Familie vermittelt bekommen hat. Teenager leiden dadurch häufig unter massiven Rollenkonflikten. Sie wissen zwar, dass sie nicht klauen dürfen und dies eine Straftat darstellt, aber andererseits wollen sie vor ihren FreundInnen nicht als „Looser“, „Versager“ oder „Warmduscher“ verspottet werden.

Anerkennung in einer Peergroup ist sehr wichtig für die weitere Entwicklung eines Jugendlichen. Teenager, die keiner Gruppe angehören neigen zu Rigidität, Rückzug, depressiven Verstimmungen, übersteigertem Leistungsverhalten und Problemen im Sozialbereich.

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