Wenn’s mir nur einfallen tät

Sind Oma und Opa nur vergesslich oder wirklich krank?
Prim. Dr.  Christian Jagsch
Leiter der Abteilung für Alterspsychiatrie u. -psychotherapie, Landesnervenklinik Sigmund Freud, Graz

Die Früherkennung ist eine große Herausforderung! Ein Arzt sollte dann aufgesucht werden, wenn sich die Vergesslichkeit im Alltag bemerkbar macht und die Betroffenen und Angehörigen darunter leiden. Vermeintliche Kleinigkeiten können auffallen, etwa, dass das geparkte Auto nicht gefunden wird oder dass Betroffene neue Namen oder Orte nicht speichern können. Gerade Beeinträchtigungen im Kurzzeitgedächtnis sind ein typisches Warnzeichen für eine beginnende Demenz!
Da ältere Leute erfahrungsgemäß nicht gleich zum „Nervenfacharzt“ gehen wollen, sollte zunächst der Hausarzt angesprochen werden. Dieser kann mit einfachen Untersuchungen, auch im Rahmen einer Gesundenuntersuchung, erste Anzeichen einer beginnenden Demenzerkrankung feststellen und eine fachärztliche Überweisung veranlassen. Denn je früher mit einer Behandlung begonnen wird, desto erfolgreicher ist sie.

Was belastet Angehörige, welche Hilfsangebote gibt es?
Antonia Croy
Psychotherapeutin und Leiterin der Selbsthilfegruppe „Alzheimer Angehörige Austria“

Angehörige leben rund um die Uhr mit einem geliebten Menschen, dessen Persönlichkeit sich verändert. Das belastet! Denn Patienten mit Alzheimer-Erkrankung werden oft aggressiv oder depressiv, sie sind unruhig und haben einen veränderten Tag-Nacht-Rhythmus. Unseren Erfahrungen nach belasten diese Merkmale der Erkrankung die Angehörigen mehr als die zunehmende Vergesslichkeit und andere Symptome.
Wir raten daher allen betreuenden Angehörigen, Hilfe zu suchen. Sie müssen und können nicht alles selbst bewältigen! Es gibt Heimhilfen und Besuchshilfen, die Sie im Alltag entlasten können. Die Unterbringung in einem Tageszentrum ist ebenfalls eine gute Betreuungsmöglichkeit. Selbsthilfegruppen wiederum können Sie psychisch und emotional unterstützen, da Sie dort auf Familien mit ähnlichen Problemen treffen.
Info: www.alzheimer-selbsthilfe.at

 

Welche Therapie gibt es, was bringt Gedächtnistraining?
OA Univ.-Doz. Dr. Michael Rainer
Leiter der Memory Clinic am SMZO-Donauspital Wien

Zunächst einmal: Eine schon bestehende Demenz lässt sich nicht „wegtrainieren“. Aber: Das gesunde Gedächtnis und das Gedächtnis bei beginnenden Hirnleistungsstörungen lässt sich „trainieren“, und in späteren Stadien ist Hirnleistungstraining Teil des Therapieplans. Wichtig sind Übungen zur Schulung von Konzentration, Orientierung, Wahrnehmung und Gedächtnis, die regelmäßig, idealerweise täglich, durchgeführt werden sollen. Zumindest unter der Woche ist das Hirnleistungstraining in der Gruppe zu empfehlen, damit auch die sozialen Fähigkeiten unterstützt werden. Denn mit zunehmenden Gedächtnisproblemen erfolgt auch der soziale Rückzug.
Die Behandlung einer bestehenden Hirnleistungsstörung beruht auf drei Säulen, die immer gemeinsam angeboten werden sollen: Hirnleistungstraining, Angehörigentraining und die Einnahme bestimmter Medikamente.

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