Wenn sich Corona auf die Psyche schlägt …

Immer wenn Gabriele W. in diesen Tagen die Nachrichten liest, beginnt ihr Herz schneller zu schlagen. Das Coronavirus beansprucht alle Schlagzeilen für sich: Infektionszahlen, Todesfälle, Hilferufe von jenen, die direkt an der „Front“ arbeiten, dazwischen Einzelschicksale, die das Gefühl von Angst und Verzweiflung zusätzlich steigern. Im Minutentakt scheinen sämtliche Kanäle weitere Hiobsbotschaften auszuspucken, sie treffen auf Ankündigungen neuer Regelungen und Regierungsmaßnahmen, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. „Wenn ich diese Zahlen lese und höre, dass noch so viele Menschen an Covid-19 erkranken und sterben werden, stürzt mich das regelmäßig in ein tiefes Loch“, schildert die 46-jährige Sachbearbeiterin. „Ich habe mir schon immer große Sorgen um meine Gesundheit gemacht und nun denke ich bereits bei jedem kleinen Husten, es könnte die Krankheit sein.“ Dazu kämen die Sorgen um Familienmitglieder, Freunde und Bekannte, so Gabriele W., die sich selbst als hypochondrisch veranlagt bezeichnet.

Gesteigerte Ängste
Szenarien, die OÄ Priv.-Doz. Dr. Beate Schrank so oder so ähnlich auch von ihren Klienten hört. „Vor allem Personen, die ohnehin schon psychisch geschwächt sind und beispielsweise an Angststörungen oder Depressionen leiden, setzt die Corona-Pandemie nun zusätzlich zu“, erläutert die Fachärztin für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin. „Die bestehenden Ängste, wie Verlustängste, die Angst vor Einsamkeit oder hypochondrische Ängste, nehmen jetzt noch zu. Ich höre auch immer wieder von gesteigerter innerer Unruhe, Schlafstörungen, einem mulmigen Gefühl von Ungewissheit oder Platzangst, die aus der Isolation entsteht“, so Schrank, die auch als Oberärztin am Universitätsklinikum Tulln Patienten in der Abteilung für Erwachsenenpsychiatrie betreut. „Dazu kommt, dass psychisch vorbelastete Personen häufig nicht über stabile und belastbare Coping-Strategien verfügen“, erklärt Schrank. „Von Depressionen Betroffene kämpfen oft mit Antriebslosigkeit und haben generell Probleme, einen strukturierten Tagesablauf zu schaffen. Fällt die gewohnte Routine weg, finden diese Menschen schwerer persönliche Auswege aus der Krise.“ Auch Personen, die ein erhöhtes Risiko tragen, schwer zu erkranken, oder die – unabhängig vom Coronavirus – von einem gut funktionierenden Gesundheitssystem abhängig sind, spüren nun eine erhöhte psychische Belastung. „Aber generell macht die Pandemie uns allen Angst“, so Schrank.

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