Wenn jede Bewegung schmerzt

Wenn ich in die Knie gehen muss oder Treppen steige, knirschen meine Kniegelenke wie verrückt. Der Schmerz geht dann wieder vorbei, aber manchmal fühle ich mich völlig steif in den Knien, und sie kommen mir auch dicker vor.“ So schildert Grete Z., 66, typische Beschwerden des Volksleidens Arthrose, das schon im 50. Lebensjahr fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung betrifft und sich bei den 80-Jährigen auf nahezu 100 Prozent steigert. Meist macht sich das Leiden zuerst in der Wirbelsäule, den Kniegelenken, den Hüften und den kleinen Fingergelenken bemerkbar.

Was ist Arthrose? „Arthrose entsteht aufgrund von Veränderungen des Gelenkknorpels und des darunter liegenden Knochengewebes. Die Ursachen sind Umbauprozesse im Knorpelgewebe und im gelenknahen Knochengewebe. Dabei kommt es zu einer Störung des Gleichgewichts im Knorpelstoffwechsel, wobei der Abbau von Knorpelsubstanz überwiegt“, erklärt die Rheumatologin Andrea Studnicka-Benke von der Universitätsklinik für Innere Medizin III in Salzburg.

Wer ist besonders gefährdet? Einer der stärksten Risikofaktoren für Arthrose ist das Alter. Aber es gibt auch Familien, in denen die Krankheit gehäuft auftritt. Auch Gelenkfehlstellungen und Unfälle können die Gelenke schädigen.
So viel zu den nicht beeinflussbaren Belastungsfaktoren, doch es gibt auch eine Reihe solcher, die man sehr wohl steuern kann: so etwa starkes Übergewicht oder mangelnde Bewegung.

Arthrose oder Arthritis? Doch wie auch immer der individuelle Fall liegt, wichtig ist, die Krankheit vom Facharzt abklären zu lassen – nicht zuletzt deshalb, weil die Diagnose gesichert und festgestellt werden muss, ob Sie wirklich an der nicht entzündlichen Abnützungserkrankung Arthrose leiden oder aber an einem entzündlichen Gelenksleiden (Arthritis), denn danach richtet sich dann die entsprechende Behandlung.

Die Beschwerden lindern. „Arthrose ist nicht heilbar, deshalb geht es bei der Therapie in erster Linie darum, Beschwerden zu lindern und ein Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen“, sagt die Rheumatologin Studnicka-Benke. „Die Belastbarkeit und Beweglichkeit des Gelenks soll noch für möglichst lange Zeit erhalten bleiben, und verschiedene Maßnahmen der Physikalischen Therapie, allen voran die aktive Bewegung, haben dabei einen sehr hohen Stellenwert.“ Sporttherapie, Krankengymnastik, Ergotherapie sowie Elektrotherapie und Behandlung im Wasser können das Fortschreiten der Erkrankung verzögern und sollen den Arthrosepatienten immer begleiten.

Zudem gibt es sehr gut wirksame Medikamente wie Rheumasalben, die vor allem für das Anfangsstadium der Erkrankung gut geeignet sind, weil sie zwar nicht ursächlich wirken, aber den Schmerz reduzieren, und somit wird es möglich, die so wichtige Bewegungstherapie durchzuführen.
Was noch zum Einsatz kommt, sind verschiedene sogenannte nicht steroidale Antirheumatika (NSAR), die im beteiligten Gewebe wirken und die Schmerzlinderung (u. a. bei Schwellungen) sowie eine Entzündungshemmung bewirken. Weiters werden, wenn sich ein entzündlicher Verlauf entwickelt, auch „reine Entzündungshemmer“ wie etwa Kortison verwendet.

Dass Medikamente den Knorpelabbau stoppen oder den Knorpel sogar wieder aufbauen können, ist derzeit durch Untersuchungen nicht sicher nachweisbar, aber einige wie etwa Glukosamin, Chondroitinsulfat oder Diacerein scheinen zumindest gegen die Schmerzen zu helfen.

Neue Beweglichkeit durch Gelenkersatz. Ist all das nicht mehr wirksam, leidet man ständig unter Schmerzen und ist die Funktionalität des Gelenks stark eingeschränkt, so empfehlen Experten – vor allem wenn große oder mittlere Gelenke wie Hüfte, Knie oder Schulter betroffen sind – als erfolgreichste Therapieform den Gelenkersatz. „Die Operation braucht man nicht zu fürchten. Normalerweise kann man schon am nächsten Tag wieder mit Bewegungsübungen und leichter Gymnastik beginnen, und ein künstliches Gelenk kann dem Betroffenen große Erleichterung bringen und vor allem auch die Beweglichkeit wieder herstellen“, so Studnicka-Benke.

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