Wenn Essen zum Problem wird …

Gerade in der Schule ist das Ansehen, das man bei den MitschülerInnen genießt, für das eigene Selbstwertgefühl von großer Bedeutung. Das geht so weit, dass man für Alltäglichkeiten, zum Beispiel Kleidung, nur bestimmte Markenartikel verwendet, die trendig oder „in“, aber meist auch ziemlich teuer sind. Hinzu kommt noch der Schulstress, möglicherweise ausgelöst durch „Pubertätsprobleme“ oder durch die erste Liebe, aber vielleicht auch durch unklare Berufsaussichten und die Gefahr von Jugendarbeitslosigkeit.

In unserer Gesellschaft ist das Ideal größtmöglicher Schlankheit vorherrschend, das selbst attraktive junge Menschen mit der eigenen Figur unzufrieden sein lässt. Laut einer Erhebung der Österreichischen Kinderfreunde (ÖOF, April 2003) beginnt der „Schlankheitswahn“ bereits bei 6- bis 7-Jährigen: Demnach finden sich mehr als 7 % der Kinder dieser Altersstufe zu dick, im Jugendalter ist jedes zweite Mädchen mit seiner Figur unglücklich und meint, abnehmen zu müssen. Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper ist zwar häufiger bei Mädchen festzustellen, deren Körperformen sich im Zuge der Adoleszenz sichtbar verändern – sie weisen auch eine wesentlich größere Unsicherheit bezüglich ihres Selbstbildes auf als Burschen. Doch auch letztere kommen zunehmend unter Druck. Wäre jedes dritte Mädchen gerne hübscher, ist es bei den Burschen jeder Achte. Neben der Magersucht ist häufig eine Ess-Brech-Sucht, vorzufinden.

In Österreich wird vor allem von SchulärztInnen mit Besorgnis registriert, dass unter den SchülerInnen immer häufiger extreme Gewichtszustände vorzufinden sind. So bereitet im Gegensatz zum Dünnseinwollen auch die zunehmende Fettleibigkeit mancher Kinder Sorgen, die einerseits durch schlechte Ernährungsgewohnheiten (zu viel Fett und Süßigkeiten) und andererseits durch Bewegungsmangel verursacht wird. Über sämtliche Medien werden Sehnsüchte nach Akzeptanz und Bewunderung geweckt. Attraktivität, Ausstrahlung und Freiheit werden in der Werbung als wichtigste Qualitäten moderner Leute gehandelt. Bereits in den sechziger Jahren entwickelte sich ein bis heute andauernder Jugendkult. Dieser provozierte gleichzeitig auch einen Körperkult, verbunden mit einem Fitness- und Wellnessboom, der mit Schlankheit, Gesundheit und betonter Körper-pflege gekoppelt ist. Die Normierung des Körpergewichts und die damit verbundene Nichtbeachtung des individuellen Wohlfühlgewichts werden als wesentliche Mitverursacher von Essstörungen angesehen.

Wie und wann treten Essstörungen auf?
Essstörungen sollten nicht bagatellisiert werden, denn sie bringen die Gesundheit aus dem Gleichgewicht und können gefährliche Folgeschäden verursachen, wenn sie zu spät behandelt werden.

Sie treten in drei Grundformen auf: Magersucht (Anorexia nervosa), Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa) und Fettsucht (Adipositas). Voraussetzung für die Entstehung von Essstörungen ist unter anderem unser Überangebot an Nahrung. In Entwicklungsländern kennt man diese Erkrankung kaum. Vor allem die Ess-Brech-Sucht kommt in unseren Breiten wesentlich häufiger vor als die Magersucht. Bei Männern sind es besonders Sportler (Skispringer, Langstreckenläufer, Jockeys, Tauchlehrer), Models oder Tänzer, die aus beruflichen Gründen besonders auf ihr Gewicht achten müssen und daher vielfach spezielle Diäten einhalten, was natürlich genauso für Frauen zutrifft. Diätverhalten, das zur Lebensform hochstilisiert wird, ist zwar nicht grundsätzlich als Ursache für Essstörungen anzusehen, wenn aber bereits eine psychische Grundproblematik, wie zum Beispiel eine starke Selbstunsicherheit gegeben ist, wird sie dadurch wesentlich verstärkt. Die Magersucht ist eine psychische Störung, die mit einem starken Gewichtsverlust einhergeht. Jedes Jahr kommen bei Mädchen und jungen Frauen rund 600 Neuerkrankungen von Magersucht und 900 Neuerkrankungen von Ess-Brech-Sucht hinzu. In Österreich ist unter den 20- bis 30-Jährigen mit mindestens 6.500 an Ess-Brech-Sucht erkrankten Frauen zu rechnen. Besonders betroffen sind jedoch Mädchen im Alter von 15 bis 20 Jahren. Hier leiden mindestens 2.500 an Magersucht und mindestens 5.000 an Vorstufen „echter“ Essstörungen. Letztere sind nicht näher bezeichnete und im Ablauf unklare Verhaltensauffälligkeiten im Essverhalten, die von kürzerer Dauer als die Magersucht sind und vielfach eine Zwischenstation auf dem Weg zur Heilung von der Krankheit oder zum Hineinrutschen in dieselbe darstellen. Magersüchtige weigern sich energisch, ein gesundes Gewicht zu erreichen, geschweige denn zu halten. Sie fühlen sich, selbst bei Gewichtsabnahme, immer zu dick und nehmen zusätzlich zum Fasten Appetitzügler, Abführmittel oder sie führen mit dem Ziel der Gewichtsminimierung Erbrechen selbst herbei und „rutschen“ in eine Bulimie. Das gibt ihnen ein Gefühl der freien Entscheidung über ihren Körper.

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