Wenn das Arbeiten Spaß macht

Wenn Ihr Kleines jeden Tag in blauer Arbeitsmontur oder im Anzug aus dem Haus ginge, würden Sie sofort respektieren, dass es zur Arbeit geht. Sie würden annehmen, dass es hart arbeitet, müde nach Hause kommt und etwas geleistet hat. Eine komische Vorstellung – ein zweijähriges Kind in Arbeitskluft. Aber dann würden wir auf einen Blick erkennen, dass auch die ganz Kleinen auf ihre Weise schon angestrengt arbeiten, und zwar beim Spielen. Ja, Sie lesen richtig, Spielen ist für Ihr Kind das, was für Sie Arbeit ist. Mit einigen kleinen Unterschieden: Es arbeitet hoffentlich nicht unter Zeitdruck, und es gibt oft kein sichtbares Endergebnis, aber es ist harte Arbeit. Genauso wie Erwachsene jeden Tag während des Arbeitens dazulernen, erweitern Kleinkinder jeden Tag ihre Fähigkeiten. Ihr Kind spielt, um bestimmte Handlungen und Verhaltensweisen zu üben und Erfahrungen im Umgang mit der Welt zu machen: Wie schmeckt dieses runde gelbe Ding namens Zitrone? Wofür ist ein Hammer gut? Was ist in der Lade drinnen?

Unter Erwachsenen wird Spielen oft als reiner Zeitvertreib verstanden. Für das Kleinkind ist es ein ganz wichtiger Bestandteil seines Lebens. Ihr Kind entdeckt jeden Tag neue Zusammenhänge: z.B. dass ein Stift eine Spur auf einem Papier oder einer anderen Oberfläche hinterlassen kann. Daher sind alle Gegenstände interessant, nicht nur die Spielsachen. Jene Dinge, die die Eltern regelmäßig verwenden, sind besonders spannend. Alles, was die Eltern tun, verdient viel Aufmerksamkeit, denn wenn die Großen sich so intensiv damit beschäftigten, wird diese Sache wohl wichtig fürs Leben sein. Und das ist es, was Ihr Kind interessiert: alles zu lernen, damit es gut durchs spätere Leben kommt. Da ist das echte Handy viel interessanter als so ein Plastikding, wo jedes Baby erkennt, das es nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat.

Das süßeste Kleinkind kann einen auf die Palme bringen, wenn es zum achten Mal an einem Tag die Topflade ausräumt und alles fein säuberlich in der Küche ausbreitet. Ihr Kind tut das nicht, um Sie zu ärgern, sondern um diese spannende Küchenwelt einmal ordentlich zu erforschen. Ihr Kleines probiert, zerlegt, räumt aus und um. Schauen Sie Ihrem Kind einmal zu, wie gründlich es sich jeden Topf vornimmt und untersucht, wie tief er ist, wie die Griffe angebracht sind und ob man sich hineinsetzen kann oder ihn doch lieber aufsetzt. Und dann versucht es sich in den Handgriffen, die Sie – als großes Vorbild – auch machen. Um so empörender ist es dann, wenn Sie ihm keinen Kochlöffel geben. Wie soll Ihre kleine Schnecke dann bitte jemals lernen, sich wie ein Großer zu benehmen?

Da Ihr Kleines darauf aus ist, Ihren Alltag zu erforschen, spielt es auch am liebsten in Ihrer Nähe. Versuchen Sie nicht, es in sein eigenes Zimmer zu verbannen, dort wird es nicht bleiben, weil es sich alleine noch nicht sicher genug fühlt. Wenn Sie Ihr Kind in Ihre alltäglichen Arbeiten einbinden, dann machen Sie ihm eine große Freude und werden seinem Lernbedürfnis gerecht. Ihrem Kind ist Spielen ein echtes Anliegen, es braucht dies für seine Weiterentwicklung. Im Spielen setzt es sich mit seiner Umwelt auseinander. Ihr Kind denkt nicht lange nach, sondern es greift hin und probiert aus. Es spielt so lange die gleiche Szene, z.B. Anund Ausziehen der Puppe, durch, bis es diesen Vorgang ganz begriffen hat.

Viele Dinge gelingen Ihrem Kleinen trotz großer Mühe noch nicht gleich, und wütend schleudert es den Zug in die Ecke. Die Aufgabe, die es sich gesucht hat, ist zu schwierig, um sie gleich beim ersten Mal zu lösen. Aber so schnell gibt Ihr kleiner eifriger Schatz nicht auf. Wenn Ihr Kind merkt, dass es nicht weiterkommt, verändert es sein  Spiel und versucht auf einem anderen Weg zu seinem Ziel zu gelangen. Ihr Kind kann sich zwar nur für kurze Zeit – ca. 10 Minuten – auf eine Sache konzentrieren, aber voller Elan entdeckt und erforscht es spielerisch die große weite Welt der Erwachsenen. Von dieser ungehemmten Freude am Arbeiten könnten wir uns auch ein Stückerl abschneiden …

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