„Wenn das Alte so wertvoll gewesen wäre, hätte der Himmel über dem Flohmarkt geleuchtet.“

„Die Jugend von heute denkt nur an Luxus und Äußeres, ist respektlos und aufbrausend, geschwätzig und gierig.“ „Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen.“

Nein, das sind keine Zitate von Zeitgenossen. Das erste ist ein Keilschrifttext aus Ur und rund 4000 Jahre alt. Das zweite stammt von dem griechischen Philosophen Sokrates, der im 4. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung lebte.
Es ist also nichts Neues, dass die jeweils jüngste Generation von den Eltern, Lehrern/ Lehrerinnen und anderen Erwachsenen gern als verantwortungslos und rebellisch, schlecht erzogen und ungepflegt empfunden wird.

Umgekehrt haben Jugendliche die „Alten“ immer schon als konservativ, starrköpfig, langweilig, ängstlich und autoritär betrachtet. Sie haben ihnen altmodische Vorlieben, unsinnige Verbote und allgemeine Verständnislosigkeit vorgeworfen. Manchmal scheint es, als wären gegenseitige Vorurteile die einzige Gemeinsamkeit der Generationen.

Die Ursachen für Generationskonflikte liegen unter anderem in den unterschiedlichen Wertvorstellungen von Kinder- und Elterngeneration. Familien, die in ein anderes Land ausgewandert sind, erleben diese Konflikte besonders stark. Während die Eltern die mitgebrachte kulturelle Identität für die Familie bewahren möchten, wachsen ihre Kinder umgeben von ganz anderen Vorstellungen auf.

Murat erzählt: „Ich habe mit meiner Tochter ständig Streit, weil die Leute reden, wenn sie am Abend alleine unterwegs ist. Sie sagt, ich sperre sie ein, aber ich will doch nur das Beste für sie.“ Die Angst, dass die Kinder sich entfremden, führt zu Druck und Spannungen in der Familie.

Oft verstärken sich diese Spannungen in der Zeit der Pubertät. Denn wenn Kinder erwachsen werden, ändert sich vieles – auch die Konflikte in der Familie. Was die Eltern vorgeben, wird nicht mehr einfach hingenommen. Sondern hinterfragt, diskutiert, angefeindet und boykottiert. Zum Prozess der Ablösung gehören heftige Konflikte dazu.

Ihr Kind will jetzt Reibung. Das heißt, es möchte nicht nur seinen eigenen Standpunkt finden, sondern diesen auch gut vertreten. Streitgespräche mit Ihnen sind dafür gute Übungsmöglichkeiten.

Meistens geht es um folgende Themen:

  • Freiheiten („Wann kommst du nach Hause?“)
  • Einmischung der Eltern (Auswahl der Freunde und Freundinnen, Berufswahl, Bekleidung und Lebensstil)
  • Teilnahme am Familienleben
  • Politisches Engagement
  • Gesundheit und Ernährung
  • Schule

Damit Ihre Kinder in Österreich so erfolgreich sein können, wie Sie sich das wünschen, müssen sie gut informiert sein über Schul- und Bildungssystem, gesellschaftliche Regeln und kulturelle Besonderheiten. Stehen Sie ihnen dabei nicht aus Angst um die mitgebrachte Kultur im Wege.

Als Eltern stehen Sie vor der Aufgabe, Ihre Vorstellungen neu zu bewerten und der Jugend zu ermöglichen, selbst Verantwortung zu übernehmen. Vergessen Sie nicht, dass viele Neuerungen in Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft erst durch die Auflösung des Alten möglich wurden. Immer schon hat Neues auf Gewohntem aufgebaut oder es abgelöst und verbessert. Die junge Generation, die dem Neuen gegenüber vorurteilslos ist, und die Erfahrungen der vorangegangenen Generationen in ihre Ideen integriert, steht für gesellschaftlichen Fortschritt. Voraussetzung ist ein ständiger Dialog zwischen Jung und Alt, Bewährtem und Neuem, damit die Gesellschaft sich insgesamt weiterentwickeln kann.

Tipps für Eltern

  • Geben Sie Ihren Kindern die Möglichkeit, ihre eigenen Standpunkte darzulegen.
  • Versuchen Sie dabei ohne Unterbrechung zuzuhören und zu verstehen, was Ihr Kind Ihnen mitteilt.
  • Vergessen Sie nicht, dass Ihre Kinder von Ihnen lernen, Konflikte auszutragen.
  • Drücken Sie sich klar und deutlich aus, wenn Sie anderer Meinung sind.
  • Kontrollieren Sie Ihre Gefühle und bleiben Sie ruhig.
  • Bleiben Sie offen für Neues (z.B. Internet, …) und lassen Sie sich auch einmal etwas von Ihrem Kind beibringen.


Links

www.familienberatung.gv.at

Autor: Mag.a Katharina Ratheiser

 

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