Weg von zu Hause – „Ich zieh´ aus!“

An den Wochenenden übernachtet sie meistens bei ihm, sodass ihre Eltern sie immer seltener zu Gesicht bekommen. Die Eltern werfen Lisa vor, dass sie sich zuwenig an die festgesetzten Regeln halte und ihre Pflichten und Verantwortungen nicht ausreichend ernst nehme. Sie sorgen sich, ob Lisa ihre Lehre beenden wird und welchen Einfluss der neue Freund und sein Umfeld auf die Tochter ausüben. Zudem spüren sie, dass sie den Kontakt zu ihrem Kind immer mehr verlieren und reagieren mit strengen Ausgehzeiten. Lisa wiederum fühlt sich unverstanden und kränkt sich, weil die Eltern an ihr und dem neuen Freund zweifeln. Als ihr der Druck zuviel wird überrascht sie die Eltern mit der Ankündigung, sie werde von zu Hause ausziehen.“

Der geschilderte Fall wird – in seiner Grundproblematik – vielen Eltern mit heranwachsenden Kindern bekannt vorkommen. Der von Jugendlichen geäußerte Wunsch, auszuziehen, ruft in Eltern in der Regel eine Fülle von unterschiedlichen Gedanken und Gefühlen hervor, die durchaus auch ambivalent sein können. So kann das Ausziehen eines Jugendlichen, mit dem es in letzter Zeit heftige Auseinandersetzungen gab, für die Eltern eine spürbare Erleichterung bedeuten. Dem gegenüber stehen zahlreiche Unsicherheiten und Ängste: „Ist mein Kind schon so weit, dass es für sich selbst sorgen kann? Wird er / sie einen Beruf weiter ausüben, auch wenn ich ihn / sie in der Früh nicht wecke? Kann mein Kind für die Kosten der veränderten Wohnsituation (Miete, Lebensunterhaltskosten etc.) selbst aufkommen oder muss ich das tun?“ Auch die Frage der rechtlichen Bestimmungen („Darf ein Jugendlicher überhaupt ausziehen?“) ist vielen unklar. Manche Eltern werden auch von Selbstzweifel geplagt („Ist es meine Schuld, dass mein Kind es zu Hause nicht mehr aushält?“).

Rechtliche Bestimmungen
Die rechtliche Grundlage ist im Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch (§ 146 b) nachzulesen. Danach haben die Eltern grundsätzlich das Recht, den Aufenthalt des Kindes zu bestimmen. Hält sich das Kind woanders auf, so haben die Behörden und die Polizei auf Ersuchen eines berechtigten Elternteils bei der Ermittlung des Aufenthalts, notfalls auch bei der Zurückholung des Kindes mitzuwirken. Allerdings setzt das Aufenthaltsbestimmungsrecht der Eltern voraus, dass die Pflege- und Erziehungsmaßnahmen noch notwendig und möglich sind. So hat z.B. ein Gericht die zwangsweise Rückführung einer 17-jährigen Tochter zu der von dieser abgelehnten Mutter, vor allem wegen der Unmöglichkeit eines positiven erzieherischen Einwirkens der Mutter, verweigert.“

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