Wasser ist ihr Element

Viele junge Mädchen träumen vom großen Erfolg – nur eine Handvoll erreicht schließlich das Podium bei Olympia. Auch Mirna Jukic war „eine ganz normale Volksschülerin“, als sie in ihrer damaligen Heimat Kroatien im rahmen eines „Schnupperschwimmens“ erstmals mit ihrem Element, dem Wasser, in Berührung kam. „Wir waren soeben in eine neue Stadt übersiedelt, und meine Eltern, die beide Spitzensportler waren, haben erkannt, dass uns der Sport beim Einleben in die neue Umgebung unterstützen könnte.“ Zwar war Jukic schon in der Volksschule eine durchaus erfolgreiche Schwimmerin, „so richtig mit dem Leistungssport habe ich aber erst angefangen, als wir nach Wien übersiedelt sind.“ Damals war sie dreizehn Jahre alt.

„Wir gingen jeden Tag in Wien zum Training, da waren wir nicht „die Ausländer“, sondern einfach Schwimmkollegen“, blickt Jukic zurück. „Umgekehrt war es für uns ein Bedürfnis, die Sprache rasch zu lernen und uns für die Kultur unserer neuen Heimat zu interessieren.“ Die Schwimmfreunde trugen zur gelungenen Integration der Familie bei. Jukic erinnert sich: „Habe ich auf Deutsch einen falschen Ausdruck verwendet, hat niemand auf mich gezeigt oder mich ausgelacht, sondern das ganz einfach verbessert!“ Ein „Rezept“, das sie angesichts der aktuellen Integrationsdiskussion nur weiterempfehlen kann.

Ihr weiterer sportlicher Lebensweg ist bekannt und beeindruckend. Viel beeindruckender sind aber die reife und die soziale Intelligenz dieser heute erst 23jährigen jungen Frau.

Mirna Jukic lebt …

… schön. Wie viel Zeit brauchen Sie, bis Sie „ausgehfertig“ sind?
Das hängt schon davon ab, was ich vorhabe … Nein, im Ernst: Natürlich ziehe ich mich gerne schön an und schminke mich. Aber ich gehe genauso gerne lässig gekleidet fort. Gerade Mädchen glauben, sie müssten immer aussehen wie „Supermodels“ – das sind Klischees, die unnötig Druck erzeugen. Aussehen hängt mit Selbstvertrauen zusammen, wenn ich mich wohlfühle, dann ist mir das Urteil der anderen nicht mehr so wichtig. Gerade wir Schwimmerinnen stehen ja unmittelbar nach einem Wettkampf komplett ungeschminkt in der Öffentlichkeit. Das stört mich gar nicht mehr – so sehe ich eben aus.

… schlau. Worauf sind Sie außer auf Ihre sportlichen Spitzenleistungen stolz?
Bildung ist Teil des Lebens, das haben wir schon als Kinder von unseren Eltern gelernt. Für mich war es daher immer selbstverständlich, eine Ausbildung abzuschließen. Ich habe mit Auszeichnung maturiert, darauf bin ich auch stolz. Manche Klassenkollegen haben mich sogar als Streber bezeichnet, dabei lag mein „Geheimnis“ vor allem darin, während des Unterrichts gut aufzupassen. Zugegebenermaßen war die Umstellung von der Schule auf die Uni nicht so einfach, mittlerweile habe ich mich aber gut an den studentischen Alltag gewöhnt. Ich hoffe, mein Publizistik-Studium annähernd in der vorgesehenen Zeit abschließen zu können – wobei das Studieren nicht immer leicht ist neben Training und Wettkämpfen.

… gut. Wie schaffen Sie es, am Wettkampftag richtig gut zu sein?
Es steckt natürlich viel Training und auch Erfahrung dahinter, sich auf den Tag X wirklich optimal vorzubereiten. Eine gesunde Nervosität vor einem Wettkampf braucht aber jeder Spitzensportler, um Topleistungen abrufen zu können. Natürlich hilft es, wenn ich gleich im ersten oder zweiten Bewerb eines großen Wettkampfs meine Ziele erreichen kann – dann fällt viel Druck ab und die kleine „psychische Handbremse“ löst sich leichter.

… gesund. Was tut eine Spitzensportlerin für ihre Gesundheit?
Als Sportlerin muss ich gesund leben. Ich lebe aber auch gerne gesund. Gesunde Ernährung und viel Bewegung sind für mich einfach eine Selbstverständlichkeit!

… aktiv. Sporteln Sie auch privat gerne?
Die meisten Sportler sporteln auch gerne so nebenbei – bei uns scheitern sportliche und andere Aktivitäten zumeist am Zeitmangel. Aber im Urlaub fahre ich gerne mit Inlineskates, spiele Beachvolleyball oder gehe rad fahren. Ich liebe auch das Meer, aber, so unglaublich das klingen mag, da faulenze und plansche ich lieber auf der Luftmatratze als schwimmen zu gehen!

… bewusst. Ihre Lebensphilosphie?
Ich will mein Leben bewusst leben, so wie ich es mir vorstelle. Ich habe nur dieses eine Leben, mit dem ich auch wirklich sehr zufrieden bin. Ich passe bewusst auf mich, auf meine Familie und auf meine Freunde auf. Ich passe auf, was ich tue und sage. Denn ich sehe das Leben positiv und will es genießen und nicht ständig bereuen, was in der Vergangenheit war oder nicht war.

BIOGRAFIE
Mirna Jukic, 23, entstammt einer sportlichen Familie mit kroatischen Wurzeln und studiert Publizistik und Kommunikationswissenschaften in Wien. Mirna ist mehrfache Welt- und Europameisterin und Rekordhalterin in ihrer Paradedisziplin, dem Brustschwimmen. Ein Höhepunkt ihrer langen und erfolgreichen Karriere war die Bronzemedaille über 100 Meter Brust bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking. Ihr Bruder Dinko hat sich als Schwimmer ebenfalls in der Weltklasse etabliert.

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