Was wir von Kindern lernen können

Natürlich, Kinder ahmen ihre Eltern nach. Wir unterstützen sie dabei, den Weg zu gehen, für den sie sich entschieden haben. Das ist auch gut so. Aber: Manchmal würde es uns ganz guttun, auch als Erwachsener in die Welt der „Kleinen“ einzutauchen. Ja, vielleicht sogar die Welt durch die Augen eines Kindes zu sehen. Denn Kinder sind neugieriger, unbeschwerter, leben im Hier und Jetzt, können besser Nein sagen und sind sogar bessere Zuhörer als so mancher Erwachsener. Nicht überraschend also, dass Seminare für Manager angeboten werden, in denen es darum geht, diese „kindlichen Gefühle“ wieder zu erwecken und diese beruflich, aber auch im privaten Bereich einsetzen zu können. Experten haben gar herausgefunden, dass das Wecken des „inneren Kindes“ positive Auswirkungen nicht nur auf die Psyche, sondern auch auf die körperliche Gesundheit hat.

Blockaden. „Leider verlernen wir im Laufe der Zeit viele Fähigkeiten und Gefühle aus unseren Kindheitstagen“, stellt Psychotherapeutin Renate Heill (www.praxisgemeinschaft-wien-mitte.at) klar. „Im Laufe unseres Kindes- und Erwachsenenlebens geschehen Dinge, die uns zurückwerfen.“ Wenn beispielsweise ein Kind aufgrund seines Tuns/Handelns als Person abgewertet wird, verringert sich auf Dauer der Selbstwert. Verfestigt sich dies im Laufe des Lebens, hat der Erwachsene keinen Zugang mehr zu seinen Ressourcen und seinen Kräften. Heill spricht hier von „Blockaden“, bei denen es wichtig ist, dass diese wieder „aufgelöst“ werden. „Wenn man es schafft, seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren, gelingt dies auch“, erklärt die Expertin. „Ansonsten sollte man sich professionelle Hilfe suchen, die bei diesem Prozess begleitet.“
 
Innere-Kind-Arbeit. Eine Möglichkeit, wieder in Berührung mit seinem inneren Kind zu kommen, ist die Innere-Kind-Arbeit, die Heill für eine „sehr effiziente Methode“ hält, um den Weg heraus aus Krisen und Traumata zu finden. Erzählt eine Frau zum Beispiel, sie wäre als Kind von ihrem Vater verlassen worden und könne nun, als Erwachsene, keinem Mann mehr vertrauen, so wird mithilfe eines Gesprächs versucht, die damals erlebten Gefühle nochmals wahrzunehmen. Der Erwachsene lässt sich vollends auf diese (durchaus schmerzhafte) Situation ein und kommt so in den Dialog mit dem kindlichen Anteil seiner selbst. „Es geht hier nicht darum, vorschnell Lösungen zu finden, sondern darum, dass der Erwachsenen- und der Kind-Anteil hin- und herwechselt und die beiden miteinander in Dialog treten“, stellt Heill klar. Der Erwachsenen-Anteil erklärt dem Kind, dass seine damaligen Gefühle oder Verhaltensweisen okay waren, während das Kind beschreibt, was für ihn damals tatsächlich so schmerzhaft war.

Kinder sind ausdauernd. Auch wenn Heill betont, dass „nicht alles, was kindlich ist, auch gut ist“ (zum Beispiel ist kindlicher Mut oft mit Leichtsinn verbunden, bei der Ehrlichkeit fehlt es noch an Taktgefühl, auch Prioritäten können Kinder noch nicht bewusst setzen), so unterstützt auch sie die These, dass Erwachsene sich das eine oder andere von Kindern abschauen könnten. Zum Beispiel, wenn es darum geht, sich von Rückschlägen nicht sofort entmutigen zu lassen. Beobachten Sie einmal: Kinder versuchen so lange, gehen zu lernen, bis sie es wirklich können – trotz tausendmal Stolpern und Hinfallen. Fehler sind für Kinder Informationen, aber keine Niederlagen. „Natürlich schwinden mit dem Alter auch die Kräfte“, wirft Heill ein. Trotzdem rät sie dazu, sich nach Rückschlägen wieder aufzurappeln. Dabei kann es auch helfen, sich nicht ein großes, sondern mehrere kleinere Etappen-Ziele zu setzen. Hier ist es wichtig, betont die Expertin mit Nachdruck, auch einmal innezuhalten: „Wenn Sie ein Ziel erreicht haben,  bleiben Sie erst einmal stehen, atmen Sie durch und loben Sie sich. Gerade in unserer schnelllebigen Zeit ist dies äußerst wichtig für den Seelenfrieden.“

Kinder sind unbeschwert. Experten zufolge lachen Kinder etwa 400-Mal am Tag, Erwachsene jedoch nur 15-Mal – viel zu wenig! „Kinder gehen unbeschwert durchs Leben, sie verstehen es, aus allem ein Spiel zu machen, und können auch harte Arbeit in Spaß  verwandeln“, so Heill. Natürlich, eine gewisse Ernsthaftigkeit gehört zum Erwachsenen-Leben dazu. Aber trotzdem: Versuchen Sie doch, bewusst lächelnd durch die Straße zu gehen, und grüßen Sie Ihre Mitmenschen. Sie werden erstaunt sein, welche positiven Reaktionen Ihnen entgegengebracht werden, was auch wiederum Ihre Laune hebt.

Kinder leben im Hier und Jetzt. Weit voraus sind uns Kinder, wenn es darum geht, vollends in einer Sache aufzugehen. Kinder haben den Vorteil, weniger an die Vergangenheit denken zu können (oder müssen), zudem grübeln sie auch nicht über die Zukunft nach. Dass man als Eltern sehr wohl an die Zukunft denkt und dies auch so sein soll, bestätigt auch Heill. Allerdings, so die Expertin, merke man selbst sehr schnell, wenn die Gedanken nur noch um die Zukunft oder die Vergangenheit kreisen und die Gegenwart nicht mehr wahrgenommen wird. „Wenn man sich nicht mehr konzentrieren kann, sollte man diesem Problem auf den Grund gehen.“ Was die Konzentration betrifft, die besonders bei Kleinkindern stark ausgeprägt ist (ein Baby beschäftigt sich stundenlang mit demselben Spielzeug, ohne sich zu langweilen), so können auch wir Erwachsene diese Konzentrationsebene erreichen. Heill empfiehlt, sich so gut wie möglich von allen möglichen Reizüberflutungen zu befreien. Schenken Sie in Ihrem Tun nur einer einzigen Sache Ihre vollste Aufmerksamkeit!

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