Was Teenies wollen

„Es kann Fotos und Videos machen und direkt ins Internet laden, außerdem E-Mails empfangen, und es hat eine echte Tastatur“, beschreibt der 14jährige Felix begeistert das teure Handy, das er sich zum Geburtstag wünscht. „Und was kann dein altes Handy?“, wollen die Eltern wissen. „Ach, fast gar nichts. Meine Freunde haben alle neue Geräte“, antwortet Fabian.

„Brauchst du diese Funktionen wirklich?“, fragt sein Vater, ohne eine Antwort vorweg zu nehmen. „Würdest du wirklich unterwegs deine E-Mails lesen? Ist dieses Handy für Jugendliche gemacht, was denkst du?“ Die drei diskutieren auch darüber, ob es wichtig für Fabian ist, das gleiche Mobiltelefon wie seine Freunde zu besitzen. Es kommt heraus, dass Fabian sich vor allem eine bessere Kamera und mehr Speicherplatz am Handy wünscht. Ein passendes Gerät zu einem moderaten Preis ist in einem Prospekt rasch gefunden.

Fabians Eltern haben ihrem Sohn durch gezielte Fragen gezeigt, wie man mit dem wachsenden Produktangebot und daraus entstehenden Wünschen mündig umgeht. Der 14jährige findet heraus, was er wirklich will – und kann es von dem abgrenzen, was durch Werbung oder Freunde beeinflusst ist. Dabei wird er nicht bevormundet („das brauchst du doch nicht“).

Nicht alle Pubertierenden formulieren ihre Wünsche so freundlich wie Fabian. Viele maulen, dass sie bestimmte Dinge brauchen, die alle anderen haben, die „einfach dazugehören“. Als Mutter oder Vater sollten Sie Ruhe bewahren und nachfragen, worum es wirklich geht. Bei der Diskussion, ob Markenartikel oder nicht, können Sie beispielsweise anbieten, den günstigeren Preis zu bezahlen. Die Differenz zum Markenprodukt kann vom Taschengeld bestritten werden. Bleiben Sie aber kompromissbereit: Der eine oder andere Markenartikel ist tatsächlich sehr wichtig für den Status unter Gleichaltrigen.

Auf Eltern lauern einige Fallen, wenn es um die Wunscherfüllung der Heranwachsenden geht: Wenn Sie in Ihrer eigenen Jugend Mangel erlebt haben, soll es Ihr Kind besser haben. (Dieses Verwöhnen wird seinen wahren Bedürfnissen aber nicht gerecht.) Haben Sie im Alltag wenig Zeit für Ihren Sohn, Ihre Tochter, gleichen Sie das vielleicht durch materielle Zuwendung aus. (Es wundert Sie  nur, dass die Forderungen immer größer werden.) Oder Sie meinen es besonders gut und wollen Ihrem Sprössling alle Möglichkeiten  offen halten. (Sie kaufen schon das vierte Musikinstrument, obwohl das Interesse immer nach zwei Musikstunden verebbt.)

Lebensqualität entsteht nicht durch das Anhäufen von Dingen. Schrittweise müssen Kinder und Jugendliche damit zurecht kommen, dass Wünsche okay sind, dass man aber manchmal warten, Kompromisse eingehen oder ganz verzichten muss. Beim Üben dieser wichtigen „Frustrationstoleranz“ brauchen Kinder verständnisvolle Begleitung, aber keine Nachgiebigkeit.

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