Was ist sexuelle Gewalt an Kindern?

Sexueller Missbrauch ist …
… wenn Erwachsene oder ältere Jugendliche sich bewusst und absichtlich am Körper eines Kindes befriedigen oder sich von einem Kind befriedigen lassen.
… immer gewaltsames Eindringen in die Psyche und/oder den Körper eines Kindes, durch Blicke, Bemerkungen, Gegenstände oder Körperteile.
… in erster Linie körperliche und psychische Gewalt und dient als Mittel, um Macht und Überlegenheit zu gewinnen.
… die Befriedigung der Bedürfnisse nach Macht, Anerkennung, Körperkontakt und Sexualität auf Kosten eines oder einer Schwächeren.
… ein Missbrauch des Vertrauens der Kinder: Nur durch das Vertrauen und den Schutz, den Kinder genießen, können sie sich entfalten. So wird sexueller Missbrauch auch zu einer schweren Gefährdung für die Entwicklung des Kindes.

Sexueller Missbrauch beginnt …
… wenn Erwachsene absichtlich Situationen herbeiführen, planen oder ihre Machtposition missbrauchen, um sich sexuell zu erregen.
… mit einer nicht altersgemäßen Aufklärung über Sexualität.
… bei der „fachmännischen Beurteilung“ der körperlichen Entwicklung eines Kindes.
… mit der Beobachtung eines Kindes beim Ausziehen, Baden, Waschen (Voyeurismus).
… mit dem Zeigen der eigenen Genitalien (Exhibitionismus).

Sexueller Missbrauch geht bis …
… zum Zeigen pornographischer Abbildungen oder Videos.
… zu sexualisierten Küssen.
… zum Masturbieren in Anwesenheit eines Kindes.
… zum Berühren oder Manipulieren der Genitalien des Kindes.
… zum Zwingen eines Kindes, die Genitalien des Erwachsenen zu berühren.
… zum Reiben des Penis am Körper eines Kindes.
… zum Eindringen in Scheide/After des Kindes mit Finger(n), Penis oder Fremdkörpern.
… zu Pornographie mit Kindern und Jugendlichen sowie Kinderprostitution.

Sexueller Missbrauch ist strafbar!
„Es beginnt meist mit Kitzelspielen, wo das liebevolle Miteinanderspielen kippt und eine sexuelle Komponente bekommt. Kinder sind verwirrt, kennen sich nicht aus. Mädchen beschreiben das meistens so, dass sie überhaupt nicht wussten, was da passiert. Sie wussten, dass irgendetwas nicht stimmt, aber sie konnten es nicht einordnen. Und im Laufe der Zeit steigert sich die Intensität der Handlungen mit dem Ziel der Penetration …“ (Sabine Rupp)

Das Ausmaß
Die große Bandbreite, was unter sexuellem Missbrauch zu verstehen ist, unterschiedliche Stichproben und Altersgrenzen sowie verschiedene Befragungsinstrumente führen zu divergierenden Ergebnissen.

Häufig wird zitiert, dass jedes 3. bis 4. Mädchen und jeder 7. bis 8. Bub zwischen dem 1. und 16. Lebensjahr Opfer von sexuellen Übergriffen wird, wobei hier nicht die strafrechtliche Definition sexuellen Missbrauchs anzunehmen ist.

Aufgrund von Selbstangaben sind 5% der Österreicher/innen, davon ca. 4/5 weiblich, in ihrer Kindheit und Jugend sexuell missbraucht worden und unter den weiteren 6%, die „nicht-darüber-sprechen-möchten“ können und müssen weitere Betroffene vermutet werden. Das deckt sich mit internationalen Studien, die abhängig von Geschlecht und von der Definition von 5–15% der Bevölkerung ausgehen, die bis zum Alter von 14 oder 16 Jahren durch Gewalt erzwungenen sexuellen Körperkontakt erlebt haben.

Die Dunkelziffer bleibt jedenfalls hoch, denn bekannt und durch das Jugendamt, Kinderschutzzentren und andere spezialisierte Einrichtungen professionell behandelt wird nur ein Bruchteil derjenigen, die sexuellen Missbrauch erleben müssen oder mussten.

Die Anzeigenrate für sexuellen Missbrauch von Unmündigen und ähnliche Straftaten (§ 206, § 207, § 207a, § 214, § 215a) liegt in Österreich seit 2002 bei 600 bis 700 Fällen pro Jahr; bei jedem vierten bis fünften Fall erfolgt eine Verurteilung.

Die meisten Kinder sind bei Beginn des sexuellen Missbrauchs zwischen 6 und 12 Jahre alt. An zweiter Stelle folgt die Altersgruppe der 0- bis 5-jährigen Kinder und an dritter Stelle die der 13- bis 16-jährigen Jugendlichen.

Sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen geschieht zum überwiegenden Teil im engeren Familien- und Bekanntenkreis, das heißt im sozialen Nahraum. Nur 10–15% der von sexuellem Missbrauch Betroffenen werden Opfer von Fremdtäter/innen.

Sexueller Missbrauch beginnt oft mit sexualisierten Gesten, die sich zu sexuellen Handlungen steigern. Sexueller Missbrauch kann sich über Jahre erstrecken. Der sexuelle Missbrauch kann bis ins Erwachsenenalter andauern.

Kinder und Jugendliche setzen Zeichen und brauchen oft viele Anläufe und manchmal einige Jahre bis sie gehört werden und ihnen geglaubt wird.

Die Folgen
Kinder, die sexuellen Missbrauch erleben, sind einer Situation ausgesetzt, die

  • ihre gesunde Wahrnehmung, Emotionalität und Empfindung manipuliert
  • gleichzeitig aber Normalität vortäuscht:

Das ist das „Verrücktmachende“ und Verwirrende an der Situation.

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