Was es bedeutet, ein „neuer“ Vater zu sein …

Es ist Samstagabend, Peter und Claudia sitzen mit Freunden im Lokal und unterhalten sich angeregt. Zwischen ihnen sitzt im Tragesessel die kleine Anna. Sie ist ein Jahr alt und oft mit ihren Eltern unterwegs. Während ihre Mama plaudert, bekommt sie von Papa das Fläschchen. Weil es in dem Lokal sehr laut ist, fängt Anna zu weinen an. Claudia nimmt sie hoch und wiegt sie liebevoll hin und her, bis Anna sich wieder beruhigt hat und schließlich einschläft. Peter und Claudia sind sehr froh, dass Anna so ein braves Kind ist, das man überall hin mitnehmen kann. Die beiden Eltern sehen sich als modernes Paar, sie lieben ihr Kind über alles und möchten Anna so viel wie möglich bei sich dabei haben.

Daniel, ein Jahr alt, hat gerade von seinem Papa das Flascherl bekommen. Es ist Samstagabend, und Daniel sitzt mit Martin und Maria, seinen Eltern, gemütlich im Wohnzimmer. Nach dem Essen darf er noch ein bisschen mit Mama und Papa spielen. Als er schließlich müde wird, trägt ihn Papa ins Bett. Dort singt ihm Mama noch eine Einschlafmelodie vor, während Papa ihm sanft den Rücken streichelt. Martin und Maria sehen sich als modernes Paar, das ihr Kind über alles liebt. Am liebsten möchten sie die ganze Zeit mit Daniel verbringen.

Claudia und Maria – beide „neue“ Mütter?
Peter und Martin – beide „neue“ Väter

Was es wirklich bedeutet, ein „neuer“ Vater zu sein …

Herr Mag. H. ist Psychologe bei der MAG ELF – und seit eineinhalb Jahren glücklicher Vater. Seit einigen Monaten ist er in Karenz zu Hause bei seinem kleinen Sohn. In einem Interview mit ihm lässt er uns hinter die Kulissen blicken, was es bedeutet, ein „neuer“ Vater zu sein.

Herr Mag. H., warum sind die heutigen Väter eigentlich „neue“ Väter?

Zuerst einmal bin ich mit der Bezeichnung „neu“ nicht wirklich glücklich, da ich überzeugt davon bin, dass auch die „alten“ Väter – also unsere eigenen und jene in den früheren Generationen – ihre Sache gut gemeistert haben, in ihren Augen und den Ansichten der damaligen Gesellschaft entsprechend. In der heutigen Zeit hat sich vieles verändert, was das psychologische Wissen um die Entwicklung und das Wohlbefinden von Kindern angeht. Auch die Gesellschaft hat sich verändert, man hat mit der Tatsache, dass der Vater bei der Geburt seines Kindes dabei sein kann und dem Rooming-in Möglichkeiten geschaffen, die den Vater weit mehr teilhaben lassen als früher. Parallel dazu sind heute viel mehr Mütter berufstätig, was die Wichtigkeit eines bewusst teilhabenden Vaters für das Wohlbefinden des Kindes und schließlich eine befriedigende Partnerbeziehung und Familie noch zusätzlich verstärkt. Ich will damit sagen, dass sich Väter heute, sowohl gefordert von außen als auch von sich selbst aus, viel intensiver mit ihrer Rolle als Vater auseinander setzen.

Mit welchem Zeitpunkt beginnt denn die Rolle des „neuen“ Vaters?

Aus psychologischer Sicht beginnt die Rolle des „neuen“ Vaters eigentlich schon in der Schwangerschaft der Frau, worin sich die heutigen Väter deutlich von den Vätern früherer Generationen unterscheiden. Diese Zeit ist eine sehr sensible Phase, was die Paarbeziehung betrifft. Frauen sind in dieser Zeit sehr verletzbar, da sie ihre weibliche Rolle neu definieren. Als männlicher Partner kann man dabei sehr unterstützend und wertschätzend sein, aber auch das Selbstwertgefühl der Partnerin als Frau und Mutter stark erschüttern. Mit diesem Wissen ist es erklärbar, warum es immer wieder Männer gibt, die sich gerade in dieser Phase zurückziehen oder ihre Partnerin überhaupt verlassen. Mein persönliches Erleben war, dass wenn man sich als Mann und werdender Vater dieser Anforderung stellt, die Paarbeziehung gestärkt wird und sich die Rolle von Mann und Frau bzw. Vater und Mutter von Beginn an für beide Seiten befriedigend und erfüllend gestalten lässt.

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