Vorlesen oder Erzählen?

Diese kindliche Neugierde sollten Eltern nutzen und ihren Kindern schon vor dem ersten Geburtstag abwaschbare, robuste Bilderbücher zeigen. Meist zeigen diese Bücher einfache Figuren oder Dinge aus dem Alltag, die Kinder leicht als bekannt wieder erkennen. Nach und nach können Bilderbücher mit kurzen Textpassagen dazu kommen, die man entweder vorlesen oder erzählen kann.

Als Psychologin wird man immer wieder gefragt, was denn besser sei, Vorlesen oder Erzählen. Die Frage ist ganz leicht zu beantworten. Wenn Sie beim Vorlesen Ihr Kind nicht aus den Augen verlieren, sondern bemerken wann es sich langweilt, wann es den Text nicht versteht und eine zusätzliche Erklärung braucht und wann seine Aufmerksamkeit nachlässt, dann ist Vorlesen nicht schlechter als Erzählen. Wichtig ist, dass sich Eltern Zeit nehmen und die Freude am gemeinsamen „Lesen“ vermitteln können.

Beim Erzählen können Sie zusammen mit Ihrem Kind die Figuren aus der Geschichte lebendig werden lassen. Lassen Sie Ihren Kindern die Abenteuer der Helden in der Geschichte ausschmücken und fördern Sie damit die Kreativität, das Gedächtnis und die Sprechfähigkeit Ihres Nachwuchses. Bilderbücher bieten Sachinformation, Märchenhaftes, Tierisches und Fantastisches. Es gibt auch problemorientierte Bilderbücher, die für Kinder belastende Themen wie z.B. ein Arztbesuch, Geschwisterstreit, Angst, Scheidung, usw., zum Inhalt haben und Eltern und Kinder als Gesprächsgrundlage dienen können.

Je früher Kinder eine Beziehung zum Buch herstellen, desto dauerhafter bleibt sie, auch wenn später die Verlockungen von Video, Fernsehen und Computerspielen groß sind. Das Lesen kommt nicht ganz aus der Mode. Kinder müssen lernen, sich in der Vielfalt der Angebote zielgerichtet und aktiv zu bewegen. Medienerziehung soll nicht erst in der Schule erfolgen, sondern ganz bewusst auch schon von den Eltern betrieben werden. Bei Bilderbüchern mit einem Textanteil ist es besonders wichtig, dass das Bild das Verstehen unterstützt und ein über den Text hinausführendes Gespräch möglich macht. Denn genau darin besteht auch der eigentliche Vorzug des Buches gegenüber dem Fernsehen; das Kind kann verweilen, kann Bezüge herstellen und Details in seinem individuellen Tempo entdecken, kann seine Wahrnehmung schulen und kreative, fantasievolle Ideen entwickeln.

Die wichtigste Aufgabe der Erwachsenen besteht darin, den Kindern Lust auf das Lesen zu machen! Wie Sie das tun, hängt von Ihren Fähigkeiten ab! Sind Sie selbst sehr fantasiebegabt, werden Sie gern Geschichten erzählen oder erfinden und Ihren Kindern damit große Freude bereiten. In die selbst erfundenen Geschichten kann man Erlebnisse aus dem Alltag einfließen lassen und gemeinsam mit dem Kind nach einem versöhnlichen Ende suchen.

Manchmal sind Eltern gehemmt, sie trauen sich das Geschichtenerfinden nicht zu, halten die eigenen Geschichten für nicht gut genug und lehnen daher auch das freie Erzählen ab. Sind Sie nicht so streng mit sich! Sie müssen keinen Literaturwettbewerb gewinnen – Ihre Kinder werden Ihre Erzählung ganz sicher schätzen!

Gutes Vorlesen ist dem Erzählen sehr ähnlich. Der Vorleser passt sich dem Alter, dem Verstehen, der Stimmung des Kindes an und bewegt sich beim Lesen eher am Text entlang als ihn wörtlich wiederzugeben. Bilder laden dazu ein, die Geschichte noch einmal zu wiederholen, zu kommentieren und gemeinsam nachzuerzählen.

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