Vorbildliche Schwangere

„Werden Sie Großmutter? Ich gratuliere!“, ist die erste Reaktion der Hebamme, als Nora sie 25 Jahre nach der Geburt ihrer Tochter um neuerliche Unterstützung bittet. Aber es geht nicht um die Tochter, sondern um Nora selbst. Mit 45 Jahren ist sie überraschend noch einmal schwanger geworden. „Alle sagen, dass in meinem Alter ein Kaiserschnitt nötig ist. Stimmt das?“

Die Hebamme beruhigt: Nach einer problemlosen Schwangerschaft spricht nichts gegen eine natürliche Geburt. Frauen über 35 haben zwar deutlich häufiger einen Kaiserschnitt als jüngere. Der Grund liegt aber nur zum Teil in der medizinischen Notwendigkeit. Vielfach handelt es sich um vorauseilendes Sicherheitsdenken.

Dabei sind späte Mütter heute meist körperlich gut in Form, sie ernähren sich gesund und schützen sich, so gut wie möglich, vor Infektionskrankheiten. Sie nehmen Vorsorgeuntersuchungen besonders gewissenhaft in Anspruch. Damit legen sie den besten Grundstein, um Probleme zu vermeiden.

Herz, Kreislauf, Bewegungsapparat und Stoffwechsel werden durch die Schwangerschaft stärker belastet als bei jüngeren Frauen. Das hat aber auf den Verlauf der Schwangerschaft keinen Einfluss. Typische Schwangerschaftsbeschwerden wie Übelkeit und Rückenschmerzen kommen bei Frauen ab 35 nicht öfter vor.
Mit dem Alter steigt jedoch das Risiko für Gestose und Schwangerschaftsdiabetes. Gestose ist Bluthochdruck, der zu Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe führen kann.

Durchblutungsstörungen der Plazenta und eine Unterversorgung des Babys sind möglich. Wird eine Gestose rechtzeitig diagnostiziert, ist sie gut behandelbar. Schwangerschaftsdiabetes wird durch Harnzuckermessungen festgestellt. Mit einer Umstellung der Ernährung und viel Bewegung bekommt man diese Stoffwechselstörung meist gut in den Griff. Manchmal ist vorübergehend eine Insulinbehandlung erforderlich.

Nora bekommt weder Bluthochdruck noch Diabetes. Sie hängt eine Liste der wichtigsten Nährstoffe an ihren Kühlschrank und achtet auf gesunde Ernährung. Sie trinkt Wasser und Tee, so oft sie kann. Je größer ihr Babybauch wird, desto öfter macht sie im Alltag Erholungspausen. Sie hört auf ihren Körper, der ihr gut signalisiert, was er gerade braucht. Weil die erste Geburt so lange her ist, gehen Nora und ihr Mann wieder in einen Geburtsvorbereitungskurs. Dass sie dort die ältesten sind, macht sie ein bisschen stolz.

Drei Tage vor dem errechneten Geburtstermin bringt Nora auf natürlichem Weg ohne Komplikationen ihren Sohn zur Welt.

Tipps

  • Ein ruhigerer Tagesablauf, Bewegung an der frischen Luft, bequeme Kleidung sowie Ausgleich und Entspannung tun Ihnen und Ihrem Baby gut.
  • Achten Sie auf eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung. Was Ihr Baby fürs Wachstum braucht, kann in verschiedenen Phasen der Schwangerschaft variieren.
  • Alles, was der Mutter gut tut, nützt indirekt auch dem Baby. Liebevolle Zuwendung des Vaters, Massage und Zärtlichkeiten nähren auch die Seele des Ungeborenen. Denn es fühlt, im Großen und Ganzen, was die Mutter fühlt.
  • Wenn möglich, gehen Sie gemeinsam zu den Ultraschalluntersuchungen. Beobachten Sie gemeinsam, wie das Herz Ihres Babys schlägt und das Kleine seine ersten Turnübungen meistert.
  • Machen Sie sich keine Gedanken, wenn Sie sich insgeheim ein Mädchen oder einen Buben wünschen. Egal, welches Geschlecht: Ihr Baby weiß, wie es Ihre Liebe gewinnt.
  • Für Väter: Haben Sie Verständnis für die Gefühlsschwankungen Ihrer Partnerin. Mit ihrem Körper geschieht etwas, das sie nicht steuern kann.
  • Besuchen Sie wenn möglich gemeinsam einen Geburtsvorbereitungskurs.
  • Informieren Sie sich schon in der Schwangerschaft über das Stillen: etwa durch ein Fachbuch, in einem Geburtsvorbereitungskurs oder bei einer Stillgruppe in Ihrer Umgebung.
  • Lassen Sie sich bei der Wahl des Geburtsortes Zeit. Wenn Sie sich für eine Klinikgeburt entscheiden, besuchen Sie Informationsabende, oder bitten Sie um ein persönliches Beratungsgespräch.
  • Erkundigen Sie sich, welche Erfahrungen das gewählte Krankenhaus mit älteren Müttern hat, und fragen Sie nach der Kaiserschnittrate.
  • Wenn Sie eine Hausgeburt in Betracht ziehen, informieren Sie sich bei Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin und bei einer Hebamme.
  • Für Väter: Bald sind es nur noch wenige Wochen, und Ihre Ungeduld wächst. Bitte übertreiben Sie es nicht mit der Aufregung. Besonders wichtig für Ihre Frau ist das Gefühl, Sie jederzeit erreichen zu können. Wenn möglich, legen Sie Ihre beruflichen Termine so, dass Sie nach der Entbindung zwei oder drei Wochen Zeit für Ihre Familie haben.
  • Bleiben Sie offen für den lebendigen Vorgang der Geburt und akzeptieren Sie jeden Verlauf.
  • Bei Problemen (z.B. Stillschwierigkeiten, Dammverletzungen) können Sie vom 6. Tag bis zur 8. Woche nach der Geburt die Leistungen einer Hebamme mit Kassenvertrag bis zu sieben Mal kostenlos in Anspruch nehmen.

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