Von wilden Feen und braven Cowboys

Ihr Kind hat in den ersten 6 Jahren seines Leben innerhalb der Familie geübt, seine Wünsche anzumelden und dann gemeinsam Kompromisse auszuhandeln, manchmal auch zu streiten. Jetzt übt es sein Können mit seinen Freunden, und da gibt es einiges auszuprobieren, z.B.: „Was für ein Typ bin ich eigentlich? Bin ich mehr der Rädelsführer, der Mitspieler, oder stehe ich lieber etwas am Rande und beobachte, was die anderen so machen?“ Ihr Kind beginnt seine Rolle in der Gruppe zu suchen, und die Auswahl ist groß: Es kann ein Klassenkasperl oder ein Mauerblümchen sein, es ist vielleicht sehr sensibel und schreckhaft, oder es wird so ein richtiger Draufgänger, vielleicht sogar ein Raufbold. Letztere haben in den letzten Jahren zugenommen und Expert(inn)en haben zwei Erklärungen dafür. Einerseits stehen Kinder heute bereits in der Volksschule oft unter einem großen Leistungsdruck und dadurch unter Stress und andererseits haben manche Kinder nicht gelernt, mit Frust, Ärger oder Wut umzugehen. Sie können nicht sagen, dass sie zornig sind, sondern beißen oder kratzen.

Denken Sie auch daran, dass Ihr Kind für das Zurechtfinden in der Klassengemeinschaft mindestens genau so viel Energie braucht wie für das Aneignen von neuem Wissen: Es trifft auf neue Bezugspersonen, muss sich in eine Gruppe einordnen und Freunde finden. Das Zusammensein mit Kindern mit unterschiedlicher Muttersprache oder mit Kindern mit Behinderung bietet für Ihr Kind zusätzliche soziale Lernmöglichkeiten. Ihr Kind bekommt „nebenbei“ mit, wie es Rücksicht auf Menschen mit besonderen Bedürfnissen nehmen kann, und hat die Gelegenheit, fremde Kulturen spielerisch kennen zu lernen. Sorgen, dass Ihr Kind weniger lernen könnte, sind bei einer guten pädagogischen Begleitung immer unbegründet.

Tipps für Eltern

  • Es ist nicht beunruhigend, wenn Ihr Kind manchmal den Clown für alle spielt oder ein Eigenbrötler ist. Ihr Kind sollte nur nicht immer in einer Rolle verharren, sondern einmal dies und dann wieder das ausprobieren können.
  • Wenn Ihr Kind zum Rückzug neigt, dann laden Sie doch immer wieder besonders fröhliche und hilfsbereite Kinder zum Spielen ein. Je öfter Ihr Kind die Möglichkeit hat, im Kontakt mit anderen Kindern gute Erfahrungen zu machen, umso mehr Sicherheit kann es aufbauen.
  • Vergessen Sie nicht: Gerade beim Umgang mit Freunden sind Sie wieder einmal ein leuchtendes Vorbild für Ihr Kind. Sie tun viel für Ihr Kind, wenn Sie selbst sicher und entspannt auftreten.
  • Auch beim richtigen Umgang mit Freunden ist noch selten ein Meister vom Himmel gefallen. Reden Sie mit Ihrem Kind auch über Ihre Freunde und wie Sie gelernt haben, falsche von guten Freunden zu unterscheiden.

Soziale Kompetenzen – kostbare Fähigkeiten für den Beruf
Die eigenen Gefühle spüren und benennen können, die Gefühle von anderen wahrnehmen und verstehen können, miteinander darüber reden können, sich selbst und andere motivieren können, in einem Streit die eigenen Position verständlich darstellen können – das sind lauter Eigenschaften, die im Berufsleben der kommenden Jahrzehnte dringend gebraucht werden. Schlagen Sie in den Stelleninseraten nach: da wird Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Selbstbewusstsein gefordert. Das hat Ihr Kind bisher in der Familie gelernt. Und jetzt verfeinert es sein Können mit seinen Freunden, die immer wichtiger werden.

Wussten Sie, was …
… die „sozialen Kompetenzen“, von denen so viel gesprochen wird, eigentlich sind? Gemeint sind damit alle Fähigkeiten, die man braucht, um in Beziehung und Gemein-schaft gut leben zu können. Also:

  • eigene Gefühle spüren und benennen
  • eigene Bedürfnisse und Gefühle mitteilen
  • Gefühle, Befindlichkeiten, Körpersprache anderer wahrnehmen und richtig deuten
  • eigene Bedürfnisse mit denen anderer abstimmen
  • sich selbst und andere motivieren
  • bei Differenzen verhandeln und Konflikte regeln

Schulkinder haben, vor allem wenn sie mit Geschwistern aufgewachsen sind oder im Kindergarten waren, schon viel davon geübt. Sie müssen dies in den nächsten Jahren aber immer weiter verfeinern und festigen. Dafür brauchen sie auch Gleichaltrige außerhalb der Familie. Deshalb sind Freunde für sie besonders wichtig.

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