Von Lokomotivführern und Frühstückseiern

Die kleine Angela ist ganz stolz. Gestern war sie bei den Bauern nebenan und hat dort mitgeholfen.Den ganzen Mistgang im Stall hat sie gekehrt – man hätte nachher vom Boden essen können. Die Bäuerin hat sich bei ihr herzlich bedankt und mit vier Eiern bezahlt. Angela ging zufrieden mit ihren Eiern nach Hause und hat die Eier am nächsten Morgen gemeinsam mit ihrer Familie verspeist. Wie man sich leicht vorstellen kann, waren das die „besten Frühstückseier der Welt“. Angela erzählte noch lange, wie das war, als sie „ihren ersten Lohn bekommen hat“.

Im Kindergartenalter tun Kinder noch gerne etwas: ob das Geschirrspüler ausräumen, Handtücher zusammenlegen oder Klopapierrolle montieren ist. Sie können Ihrem Kind kleine, regelmäßige Aufgaben geben. So lernt es, dass in einer Gemeinschaft alle zusammenhelfen. Bei der gemeinsamen Hausarbeit üben Kinder übrigens viele Dinge, die sie später gut brauchen können: Sie lernen den Unterschied zwischen einem Kilo Mehl und einem Liter Wasser. Sie wissen, was in welcher Reihenfolge in den Palatschinkenteig hineinkommt und üben ihre Konzentrationsfähigkeit, indem sie mit Erwachsenen an einer Sache dranbleiben. Und sie sehen, wer daheim welche Tätigkeiten ausübt. Was tut immer nur der Papi, und was macht nur die Mami? Im Alltag erlebt Ihr Kind, was wirklich gilt: ob von fairer Auf-teilung der Hausarbeit zwischen Mann und Frau nur geredet wird, oder ob beide Eltern anpacken, wo auch immer etwas zu tun ist.

Es spielt für Kinder eine Rolle, wie die Eltern an die Arbeit herangehen. Arbeiten die Erwachsenen gerne oder jammern sie, dass ihnen alles über den Kopf wächst? Sowohl im Beruf als auch im Haushalt gibt es lästige Pflichten, die niemand gerne macht – da muss sich niemand verstellen. Aber Ihr Kind wird in seiner positiven Einstellung zu Arbeit und Leistung unterstützt, wenn es bei den Eltern sieht, dass es auch spannende Tätigkeiten gibt, die zufrieden machen. Erzählen Sie Ihrem Kind, was Sie am Arbeitsplatz gemacht haben und was Sie daran gefreut hat. Und auch daheim können Sie zu den einzelnen Tätigkeiten dazu- sagen, warum Sie was wie machen: „Mir gefällt Fensterputzen, weil ich es gerne habe, wenn ich dann wieder ganz gut hinausschauen kann.“ Oder: „Ich koche gerne, weil es dann so duftet. Aber nachher das Aufräumen, das finde ich nicht so toll. Da wäre ich froh, wenn mir wer anderer hilft.“

Zeigen Sie Ihrem Kind auch die Vielfalt an Tätigkeiten, die es gibt. Es gibt bezahlte und unbezahlte Arbeit, Tätigkeiten, deren Ergebnis man sieht und solche, die man nur sieht, wenn sie nicht gemacht sind. Es gibt Dinge, die überlebensnotwendig sind und andere, die einfach lustig oder Ihnen besonders wichtig sind. Und es gibt auch einfach zu viel Arbeit auf einmal. Wie oft sind Sie in der Zwickmühle, weil Sie am Arbeitsplatz eigentlich noch etwas erledigen sollten, aber Ihr Kind bereits vom Kindergarten abgeholt werden muss? Sie wollen gemütlich einkaufen gehen, aber gleichzeitig hat sich die Schwiegermutter angesagt. Sie wollen in Ruhe die Garage aufräumen und Ihr Sohn möchte auf den Fußballplatz. Sie träumen vom Urlaub am Meer, aber in Wirklichkeit sind Sie seit zwei Jahren beim Hausbauen. Die Liste des Wirrwarrs durch den täglichen Arbeitsdschungel können Sie beliebig fortsetzen. Sie müssen sich jeden Tag den Weg durchbahnen. Das gelingt Ihnen einmal besser und einmal schlechter. Und die Entscheidungen, was wichtig ist und wie es wann gemacht wird, sind auch hilfreiche Informationen für Ihr Kind. Daran lernt es, wie man sich durch den Dschungel von Ansprüchen, Wünschen, Anforderungen und Notwendigkeiten durchschlägt.

Tipps für Eltern

  • Lassen Sie Ihr Kind bei der alltäglichen Haushaltsarbeit mithelfen. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang vom „Erwerb der Alltagskompetenz“.
  • Sagen Sie Ihrem Kind immer wieder, wie Sie es finden, wenn es mithilft. Machen Sie ihm bewusst, was es schon alles kann. So stärken Sie sein Selbstbewusstsein und seine Selbstständigkeit – auch wenn es für Sie manchmal mehr Arbeit bedeutet.
  • In diesem Alter beginnen Kinder sich mit ihren Berufswünschen auseinander zu setzen. Hören Sie aufmerksam zu, wenn Ihr Kind über seine Berufsvorstellungen plaudert. Es wird sich noch hundertmal ändern, aber helfen Sie Ihrem Kind, beim Gedanken an den Job Freude zu empfinden: „Du möchtest Lokführer werden, wenn Du groß bist. Das ist sicher ein interessanter Beruf.“
  • Eltern sind heute einer Dreifachbelastung ausgesetzt: Sie sollen Kinderziehung, Haushalt und Beruf unter einen Hut bringen, und das, obwohl auch ihr Tag nur 24 Stunden hat. Besprechen Sie gemeinsam mit Ihrem Partner/Ihrer Partnerin, was Ihnen wichtig ist, und finden Sie so einen Weg durch das Labyrinth der Anforderungen.
  • Wer versucht Beruf und Familie zu vereinbaren, wird feststellen, dass sich alles zu 100% nicht ausgeht. Setzen Sie sich klare und erreichbare Schwerpunkte – was ist momentan wichtiger: mit Ihrem Kind eine Runde zu spielen oder die Küche tipptopp aufzuräumen? Sie werden wahrscheinlich auch immer wieder in Ihrer Umgebung anecken, denn allen können Sie es nicht recht machen. Wichtig ist, dass Sie und Ihre Familienangehörigen mit der gefundenen Lösung zufrieden sind.
  • Wenn Sie Abstriche machen und keine Schuldgefühle mehr haben, wenn Ihre Küche nicht tipptopp ist, dann verstehen Sie etwas von der hohen Kunst, Schwerpunkte zu finden.
  • Wenn Sie jemanden bitten, eine Arbeit für Sie zu übernehmen – sei das Kinderbetreuung, Hausarbeit oder Gartenjäten –, dann erwarten Sie nicht, dass es die/der andere so wie Sie machen wird. Wenn jemand anderer eine Arbeit für Sie erledigt, dann muss er/sie es auf seine Art und Weise machen dürfen.
  • Machen Sie mit Ihrer Familie nicht nur Dinge die notwendige Pflichten sind, sondern auch solche, die für alle Beteiligten lustig sind.

Autor: Maga. Irene M. Kernthaler-Moser, Journalistin

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