Von Europa bis nach Australien

So verschieden die Selbsthilfe an sich ist, so unterschiedlich und facettenreich wird sie in den vielen Kulturen der Welt gelebt. „Studien zeigen, dass die Selbsthilfe in Industrie-, aber auch Entwicklungsländern – wo die Mehrheit arm ist und der Zugang zu Gesundheitseinrichtungen beschränkt – wichtig geworden ist“, sagt Dr. Peter Nowak vom Ludwig Boltzmann Institut in Wien.

Selbsthilfe als Alternative. In Industrienationen wurde Selbsthilfe auch durch moderne Technologie gepusht: Sich im Internet zu informieren oder andere Betroffene zu finden – nichts leichter als das. „Selbsthilfe hat sich gegenüber einem starken professio – nellen System – komplementär und sogar emanzipatorisch – entwickelt“, so Dr. Nowak. Sozusagen als Ergänzung zum bestehenden „Angebot“.

Grundversorgung sichern. In Entwicklungsländern hingegen ist Selbsthilfe oft die einzige Möglichkeit, die Grundversorgung zu sichern. „Da geht es um ganz banale Dinge wie Essen, sauberes Wasser, einen Platz zum Schlafen“, sagt Dr. Eberhard Göpel, Professor für Gesundheitsförderung an der Hochschule Magdeburg.

Die Gemeinschaft zählt. „Selbsthilfe ist also gestützt auf den Familien- und Nachbarschaftsverband. Die Gemeinschaft muss funktionieren, man ist aufeinander angewiesen“, sagt Dr. Göpel. Während in diesen Ländern der existenzielle Mangel Selbsthilfe nötig mache, sei es in Industrienationen ein anderer „Hunger“, der den Selbsthilfegruppen Zulauf verspricht. Das „Hungergefühl“ ist laut dem Experten psychosozialer Art. Dabei geht es um mitmenschliche Anteilnahme und soziale Nähe. „Hier könnten wir uns von dem sozialen System in Entwicklungsländern noch einiges abschauen“, so Dr. Göpel.

„In Entwicklungsländern ist Selbsthilfe gestützt auf Gemeinschaftsverbände.“
Dr. Eberhard Göpel, Professor für Gesundheitsförderung

Autor: Isolde Seidl

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