Vom „Care taken“

Vielleicht kennen Sie den einen oder anderen Großvater, der mit leuchtenden Augen von seinen Enkelkindern erzählt. Voller Begeisterung berichtet Hans, wie er mit der dreijährigen Lisa jeden Dienstagnachmittag die große weite Welt entdecken geht. Was für ihn bei seinen eigenen Kindern undenkbar war – bei seiner Enkeltochter gelingt es ihm: Er nimmt sich Zeit für sie und umsorgt sie liebevoll und regelmäßig. Er kümmert sich um ihr leibliches und seelisches Wohl. Im Englischen gibt es einen Begriff, der diese Tätigkeit umfassend beschreibt: „to take care“. Er bezeichnet – leider gibt es im Deutschen kein entsprechendes Wort – die ganze Bandbreite an sorgenden und pflegenden Handlungen, die Menschen brauchen, um sich wohl zu fühlen. Und dieses „care taken“ ist ganz wesentlich für den Aufbau einer guten Beziehung zu einem Kind.

Es sind die scheinbar kleinen Handlungen des Alltags, wie Stillen, Füttern, Wickeln, Baden, durch die Sie die Beziehung zum Kind aufbauen und pflegen. Mutter und Vater können dabei durchaus eigene Wege gehen. Wenn sich die Mutter z.B. auf das Stillen konzentriert, kann sich der Vater zum obersten Baby-wickler der Nation mausern oder richtig gut bei Babymassagen werden. Die Hausarbeit können Sie entweder hintanstellen oder je-manden bitten, Ihnen zu helfen. Aber die Beziehung zu Ihrem Kind können Sie nur selber gestalten. Da sind Sie als Mutter und Vater gefordert, das auf Ihre jeweils eigene Art zu machen. Und geben Sie sich nicht dem weit verbreiteten Irrglauben hin, dass Sie als Vater mit dem Kind erst richtig warm werden können, wenn es anfängt zu sprechen, oder noch später. Der Grundstein für eine gute Beziehung zum Kind wird ganz zu Beginn gelegt.

Durch das Erlebnis der Geburt sind Mütter viel unmittelbarer betroffen als Väter. Siehaben es daher aus dieser sehr beeindruckenden Erfahrung heraus leichter, sich auf die Bedürfnisse des Kindes einzulassen. Für Väter ist das oft schwerer, da ihr Alltag meist unverändert weiterläuft. Väter gehen zur Arbeit und merken nicht viel von den neuen Herausforderungen zu Hause. Doch sehr viele Väter sind heute bei der Geburt des Kindes bereits dabei. Und sie wünschen sich eine erfüllte Beziehung zu ihrem Kind. Es fehlt ihnen vielleicht an Vorbildern, denn die eigenen Väter waren auch nicht immer da. Doch wie man am Beispiel von Großvater Hans gesehen hat, die Sehnsucht nach Beziehung ist bei Alt und Jung vorhanden. Wenn Sie also nicht erst mit Ihren Enkelkindern eine gute Beziehung haben wollen, dann brauchen Sie nur hier und jetzt auf die Bedürfnisse Ihres Babys einzugehen. Ihr Kind wartet nur darauf!

Tipps für die Eltern gemeinsam

  • Genießen Sie die erste Zeit mit Ihrem Baby. Lernen Sie es jeden Tag etwas besser kennen. Und lassen Sie sich Zeit, in Ihre neue Rolle als Mutter bzw. Vater hineinzuwachsen. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.
  • Die Fähigkeit, gute Eltern zu werden, ist bei Frauen und Männern gleichermaßen vorhanden. Abhängig von Ihrer Umgebung, Ihren eigenen Wünschen und Ihrem Willen werden Sie diese Schätze in sich selber besser oder schlechter heben können.
  • Versuchen Sie erst gar nicht perfekte Eltern zu werden. Die gibt es nicht! Sie dürfen beide Fehler machen. Wichtig ist nur, dass Sie aus den Fehlern auch lernen.
  • Mutterschaft und Vaterschaft sind kein Konkurrenzunternehmen. Wenn Vater und Mutter verschiedene Sachen gut können, so ist das ein Gewinn für das Kind. Kinder lernen von Anfang an durch ihre Bezugspersonen. Die fachliche Vielfalt von beiden Eltern ist da von Vorteil für Ihr Kind.
  • Freuen Sie sich an Ihrem Kind und lassen Sie sich von ihm überraschen. Ihr Kind hat von sich aus das Bedürfnis, sich bestmöglich zu entwickeln. Es geht weniger darum, Ihrem Kind etwas beizubringen, sondern eher um eine liebevolle Begleitung. Ihr Kind ist nicht wie Plastilin, das Sie so formen können, wie Sie wollen.
Vorheriger ArtikelAuf den Sport gebracht
Nächster ArtikelSo leben Sie 10 Jahre länger!

Interessantes

- Advertisement -Jentschura

Empfehlungen