Vital dank Vitaminen!

Nach einem anstrengenden Arbeitstag macht es sich Katja wie so oft vor dem Fernseher gemütlich. Die Chips-Packung ist geöffnet, die Weinflasche auch und der Film geht in die erste Werbepause. Und da dreht sich in der kalten Winterzeit alles um Erkältungen und Vitaminpräparate. Letztere versprechen den gesunden Himmel auf Erden: Multivitamintabletten sollen vor Schnupfen und Co. schützen, Mineralstofftabletten gegen Kalzium- und Eisenmangel helfen und Ballaststoffpräparate sowie probiotische Joghurts der Darmträgheit vorbeugen. Nahrungsergänzungsmittel und Functional Food in Hülle und Fülle. „Toll“, denkt Katja, die ihr Frühstück meist im Stehen einnimmt, in der Mittagspause zum Würstelstand geht, zwischendurch Wurstsemmel, Kaffee und Süßes verdrückt und abends ein Fertiggericht ins Rohr schiebt. Gleich am nächsten Tag will sie sich mit Vitaminen eindecken – in welcher Form auch immer …

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Genug davon? Vitamine und Mineralstoffe sind lebensnotwendig und müssen in unserem Körper in ausreichender Menge vorhanden sein (siehe Tabelle nächste Seite). Freilich hängt der Bedarf von Alter, Geschlecht, physiologischen Bedingungen, wie Schwangerschaft, körperliche Belastung oder Stress, und natürlich auch von der Ernährung ab. Die empfohlenen Tagesmengen gelten jedenfalls für gesunde Erwachsene und sind derart bemessen, dass sie bei über 95 % der Bevölkerung den Bedarf abdecken. Dabei müssen die angegebenen Mengen nicht jeden Tag konsumiert werden, sollten sich jedoch über einen längeren Zeitraum hinweg als Durchschnitt ergeben. Glücklicherweise besitzt unser Körper genügend Speicherkapazitäten für alle Stoffe. Fehlen sollte uns allerdings von keinem Stoff etwas, denn erst die Summe der einzelnen Teile macht es aus. Schließlich besteht zwischen sämtlichen Vitaminen und Mineralstoffen eine ausgeklügelte Mengenbalance und die muss stimmen!

Doch: Nehmen wir über die Nahrung genügend Vitamine und Mineralstoffe auf? Oder sind wir in der heutigen Zeit schlecht damit versorgt? Stimmt es, dass es uns an wichtigen Stoffen mangelt, weil die Böden nährstoffarm sind und Obst sowie Gemüse falsch und vor allem zu lange in den Supermärkten gelagert werden? Und sind Nahrungsergänzungsmittel wirklich so „toll“, wie die Produktwerbung uns glauben machen will?
GESÜNDER LEBEN fragte bei Maria Anna Benedikt, Diätologin aus Salzburg, nach und die sagt klipp und klar: „Durch eine ausgewogene und abwechslungsreiche Kost wird die Versorgung nicht nur von Makronährstoffen – also vor allem Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette – gedeckt, sondern auch die von den Mikronährstoffen, wie Vitamine und Mineralstoffe.“

Alles(fr)esser. Dass sich Katja alles andere als ausgewogen, abwechslungsreich und somit gesund ernährt, liegt auf der Hand. Allein: Wie sieht eine ausgewogene Ernährung aus? „Von allem etwas“, so Benedikt. „Generell ist zu sagen: Achten Sie auf eine vollkorn- bzw. ballaststoffreiche Kost. Fünfmal am Tag Obst und Gemüse zu essen ist ideal. Fleisch sollte nur dreimal in der Woche auf dem Teller landen, hingegen zweimal pro Woche Fisch. Und trinken Sie genügend, mindestens zwei Liter pro Tag sollten es schon sein, vorzugsweise Leitungs- oder Mineralwasser, ungezuckerte Tees oder energiearme Getränke.“ Übrigens gilt auch hier: Nicht jede Mahlzeit muss ausgewogen sein, aber über einen längeren Zeitraum hinweg sollte der Speiseplan aus einer abwechslungsreichen Mischkost bestehen.

Betonung liegt auf Ergänzung. Dass es nicht immer leicht sei, diese Vorschriften einzuhalten, gibt nicht nur die Salzburger ernährungsmedizinische Beraterin zu. Auch im österreichischen Ernährungsbericht ist zu lesen, dass wir zu wenig Ballaststoffe, dafür aber zu viel Fett essen. Bei den Vitaminen mangle es sehr häufig an Vitamin D und Folsäure, bei den Mineralstoffen an Jod und Kalzium. Während junge Frauen mitunter zu wenig Eisen haben, ist es bei älteren Menschen meist das Magnesium und bei Hochbetagten das Vitamin C. In bestimmten Lebenslagen, bei Fehlernährung durch einseitige Kost, bei Krankheiten oder auch im Falle medikamentöser Behandlung, bei der etwa die Darmflora geschädigt wird, sei eine zusätzliche Zufuhr von Vitaminen und Mineralstoffen also durchaus gerechtfertigt, so Benedikt: „Doch Vorsicht ist geboten! Nahrungsergänzungsmittel können, wie der Name schon sagt, die Nahrung ergänzen, aber nie ersetzen.“ Wer trotzdem zu derartigen Mittel greifen möchte, dem sei empfohlen, hochwertige sowie natürliche Produkte zu wählen und sich vor allem zuerst ernährungsmedizinisch beraten zu lassen.

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