Unterkühlt im Sommer?

 

Endlich: Die Sonne strahlt vom Himmel, die Schanigärten und Heurigenlokale sind bis spät in die Abende hinein geöffnet. Freibäder, Seen und Meer locken zum ausgiebigen Baden und Wassersporteln. Jetzt wollen wir alle die Sonne genießen und lechzen zugleich immer wieder nach Abkühlung im glitzernden Nass und im Schatten der Nacht. Doch die heiß ersehnte Sommerzeit hat auch ihre Tücken, denn die leichte, oft bauch- und nierenfreie Sommerkleidung, die man bzw. frau jetzt trägt, oder nasse Badesachen, die man nicht ausziehen mag, können eine empfindliche Blase schwächen und zu einem Harnwegsinfekt führen.

Frauen häufiger betroffen. „Frauen sind davon generell häufiger betroffen, da sie eine kürzere Harnröhre haben, und dies erleichtert Keimen den Aufstieg in die Harnblase, wo sie sich dann gut vermehren können“, erklärt die Allgemeinmedizinerin Dr. Michaela Trnka. Außerdem gibt es eine Reihe weiterer Faktoren, die die Schutzfunktion der Scheide herabsetzen. Dazu zählen zum Beispiel auch intensiverer Geschlechtsverkehr und übertriebene Intimhygiene – vor allem mit stark parfümierten Substanzen, durch die die natürliche Bakterienflora im Genitalbereich nachteilig verändert wird. Aber auch falsch durchgeführte Hygiene kann zu Infekten führen: Frauen sollten sich immer von der Scheide in Richtung After reinigen, niemals in Gegenrichtung. Außerdem sollte man das Tragen nasser Badesachen und ähnlicher Dinge, vor denen uns schon Generationen von Müttern und Großmüttern gewarnt haben, tunlichst unterlassen.   
Omas nachhaltige Tipps. Also: Auch wenn’s nicht den größten Sommerspaß bedeutet: Vor allem Empfindliche sollten auch im Sommer auf ausreichend warme und trockene Kleidung achten, speziell Unterleib und Füße immer warm halten, nicht auf kaltem Untergrund sitzen und den nassen Badeanzug am besten sofort nach dem Schwimmen wechseln. Wer sich im Sommer gern beim Motorradfahren den Wind um die Ohren blasen lässt, sollte – neben dem Helm – jedenfalls immer einen Nierengurt tragen. Und – es sei noch einmal gesagt: Leider ist die bauchfreie Mode in dieser Hinsicht tatsächlich ein gewisses Problem, denn immer wieder zeigt sich, dass Trägerinnen dieser Kleidung nicht selten mit Harnwegsinfekten reagieren.  

Die körpereigene Abwehr stärken. Ob man gegebenenfalls tatsächlich eine Blasenentzündung entwickelt, hängt übrigens auch von der individuellen Abwehrsituation des Körpers ab. „Normalerweise kann ein gesunder Organismus Krankheitskeime gut abwehren. Das gilt auch für die Blase. Wer auf seine Gesundheit schaut, sich gut ernährt, ausreichend trinkt etc., ist auch in dieser Hinsicht besser geschützt“, sagt Dr. Trnka. „Ist die körpereigene Abwehr jedoch – durch Stress, einen Schnupfen oder eben eine Unterkühlung – geschwächt, kann der Körper Krankheitserreger nicht mehr abwehren und es kommt rasch zu den typischen Beschwerden wie Harndrang und leichtem Brennen beim Wasserlassen.“

Gute alte Hausmittel helfen oft. Doch gerade gegen den leichten oder beginnenden Harnwegsinfekt kann man, wie die Medizinerin betont, so einiges selbst tun. Viel trinken ist hier einmal eine wichtige Devise. „Je mehr man trinkt, umso mehr Harn scheidet man aus, und das heißt, dass auch Bakterien ,herausgespült‘ werden können“, sagt Trnka. Wasser ist dabei immer gut, doch oft werden zum Beispiel auch Preiselbeer- oder Grapefruitsaft empfohlen, die ein für die Bakterien ungünstiges pH-Milieu schaffen können. Preiselbeeren etwa enthalten Chinin- und Hippursäure, die den pH-Wert des Urins für die Bakterien „unangenehm“ absenken (sauer machen), und die auch enthaltene Gerbsäure Tannin wirkt zusätzlich hemmend auf das Bakterienwachstum. Außerdem gibt es spezielle Blasen- und Nierentees, die Pflanzenextrakte wie Brennnessel, Birke, Schachtelhalm oder Wacholder enthalten und die Niere zur Harnproduktion anregen. Bärentraubenblättertee wirkt desinfizierend und bekämpft die Bakterien. Außerdem wird der Urin durch das Hydrochinon aus Bärentraubenblättern desinfiziert. „Was für wen geeignet ist, ist individuell ganz unterschiedlich“, so Trnka, die dazu empfiehlt, sich etwa in der Apotheke beraten zu lassen.

Wann man zum Arzt muss. Wozu die Allgemeinmedizinerin bei beginnendem Harnwegsinfekt noch dringend rät, sind Wärme und Ruhe, und ganz klar ist auch, wann man bei diesem Problem zum Arzt muss: „Wenn man den Harndrang kaum mehr unterdrücken kann, und wenn es zu starkem Brennen, Schmerzen und Abgang von Blut beim Harnlassen kommt, ist es Zeit für ein Antibiotikum“, sagt Trnka, die auch weiß, dass diese Sache meist weniger gefährlich ist, als sie für den Laien scheinen mag. Der unkomplizierte Harnwegsinfekt wird gewöhnlich kurzfristig mit Antibiotika behandelt, und Studien zeigen übrigens, dass in diesen Fällen schon eine einmalige Dosis ausreichen kann, um die Krankheitserreger zuverlässig abzutöten. Achten Sie dennoch darauf, dass es erst gar nicht dazu kommt, und beachten Sie auch Großmutters viel belächelte Vorsorgetipps, damit Sie den Sommer mitsamt langen Nächten und kühlem Nass so richtig genießen können!

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