Unter 18 – Wichtige Informationen

Wie schaut es rechtlich aus, wenn du noch nicht volljährig bist und trotzdem von zu Hause ausziehen willst?

Deine Eltern bzw. Erziehungsberechtigten sind einverstanden
Keine Schwierigkeiten sind zu erwarten, wenn deine Eltern dem Auszug zustimmen.

Sie sind für deinen Unterhalt verantwortlich, auch wenn du nicht mehr gemeinsam mit ihnen wohnst. Während sie ihn bisher in Form von Wohnen, Essen, Kleidung usw. geleistet haben, hast du nach deinem Auszug das Recht auf einen finanziellen Betrag. Die Unterhaltspflicht deiner Eltern endet übrigens nicht, wenn du volljährig bist, sondern erst dann, wenn du deine Ausbildung abgeschlossen hast und für dich selbst sorgen kannst. Wenn dir deine Eltern wenig oder kaum/keinen Unterhalt bezahlen, kannst du bei deinem zuständigen Finanzamt den Antrag stellen, dass die Familienbeihilfe auf dein Konto überwiesen wird. Als unter 18-Jährige/r bist du nur „beschränkt geschäftsfähig“. Das heißt, dass du prinzipiell finanzielle Verpflichtungen übernehmen darfst, allerdings dürfen diese nicht deine Existenz gefährden.

Nachdem die Kosten einer Wohnung/eines Zimmers wahrscheinlich einen Großteil deines Einkommens (z.B. Lehrlingsentschädigung) verbrauchen werden, müssen deine Eltern also dem Abschluss des Mietvertrages zustimmen. Eine andere Möglichkeit ist, dass der Mietvertrag auf deine Eltern ausgestellt ist und sie auch unterschreiben.

Deine Eltern bzw. Erziehungsberechtigten sind gegen deinen Auszug
Falls die Situation für dich zu Hause nicht mehr erträglich ist, kannst du auch gegen den Willen deiner Erziehungsberechtigten ausziehen. In diesem Fall sind deine Eltern verpflichtet, für dich Unterhalt zu zahlen, sodass du deine Schule oder Ausbildung weiter machen kannst. Für den Auszug braucht es allerdings einen „wichtigen“ Grund – es reicht nicht, dass dir die Vorschriften und Regeln deiner Eltern nicht passen, dass du ständig mit ihnen streitest und du endlich deine eigenen vier Wände haben willst. Es geht vielmehr um Situationen, in denen deine Entwicklung und deine Gesundheit bedroht sind; z.B. bei körperlicher und psychischer Gewalt oder wenn du vernachlässigt wirst. Lebst du in einer derartigen Situation, ist es wichtig, dass du dir Unterstützung holst.

Willst du von zu Hause ausziehen, weil dir etwas nicht passt und deine Eltern sind dagegen, dann haben sie das Recht, dich zurückzuholen, wenn nötig auch durch die Polizei. Solange man unter 18 ist, können nämlich die Eltern den Wohnort ihres Kindes bestimmen.

Sind deine Eltern gegen deinen Auszug, holen dich aber nicht zurück, sind sie nicht verpflichtet, für dich finanziell Unterhalt zu leisten. Allerdings müssen sie weiterhin in Form von Kleidung, Essen, Schulsachen usw. für dich sorgen.

Einfach abhauen
Einfach weg, keine Schule, keine Verantwortung, einfach so in den Tag hinein leben und das Leben genießen … Die romantische Vorstellung vom Abhauen schaut in der Realität ganz anders aus. Ziemlich bald stellt sich die Frage nach einer Schlafmöglichkeit, das Geld geht aus, der Hunger und oft auch die Sehnsucht nach einer Dusche werden größer. Und die Probleme zu Hause lösen sich in der Abwesenheit auch nicht. Bevor du also deine Sachen packst und einfach abhaust, könntest du dir überlegen, ob es nicht doch noch eine Möglichkeit gibt, die Situation in den Griff zu bekommen. Vielleicht suchst du dir jemanden zum Reden, gemeinsam ist es oft einfacher Lösungen zu finden. Und wenn du niemanden aus deinem Bekanntenkreis von deinen Problemen erzählen möchtest, dann versuch es doch mal mit einer Beratungsstelle. Es gibt auch Stellen, bei denen du dich anonym beraten lassen kannst, das heißt ohne deinen Namen zu nennen.

Vorheriger ArtikelYoga bei Depression
Nächster ArtikelAqua Joggen

Interessantes

- Advertisement -Jentschura

Empfehlungen