Unsere Liebe dauert ewig

Eigentlich ist die Sache mit der Liebe eine recht einfache Geschichte: Sie haben sich verliebt – (erinnern Sie sich? Strahle-Blitze-Blink auf Wolke sieben) und sich entschieden, mit diesem Menschen zusammenzubleiben. Sie haben miteinander ein Leben aufgebaut, mit allem, was dazugehört: Sie haben alles, was man so braucht und meist noch mehr, haben wunderbare Zeiten erlebt, aber auch schlechte, haben den einen oder anderen Kampf ausgefochten und auch Krisen überstanden. In Summe betrachtet haben Sie miteinander einen Alltag geschaffen, der gut läuft, Sie könnten zufrieden sein und immer wieder einmal miteinander auf der Bank unterm Kirschbaum sitzen und den Sonnenuntergang betrachten.

Eigene Krisen als solche erkennen. Doch das tun Sie nicht, weil Sie ständig etwas anderes tun. Und irgendwann erinnern Sie sich dann doch leicht wehmütig daran, wie anders das früher einmal war. Und sind irritiert, von der Routine, die den Tagesablauf bestimmt. Und irritiert, wie wenig Raum für Liebe, Lust und Leidenschaft über ist. Es scheint, als sei Ihnen das, was man Liebe zu nennen pflegt, abhanden gekommen. Was ist passiert, wo doch die Sache mit der Liebe eine recht einfache Geschichte ist? „Nichts, was nicht normal wäre“, sagt die Wiener Psychologin Irene Zahrl. „Wir alle kommen immer wieder an einen Punkt, an dem wir vieles in Frage stellen. Lebe ich das Leben, das ich leben möchte? Habe ich den Job, der mich erfüllt? Bin ich glücklich und zufrieden in meiner Partnerschaft? Das sind“, so die Expertin weiter, „wichtige Fragen, denen man sich durchaus stellen sollte. Allerdings neigen wir dazu, den anderen verantwortlich zu machen, verantwortlich für das, was fehlt, was nicht gut läuft, was stört.“ Einer der Gründe dafür: „In solchen Phasen ist man mit sich selbst nicht im Reinen. Diese Unzufriedenheit hat meist nichts mit dem Partner oder der Partnerschaft an sich zu tun. Es geht darum“, so Zahrl weiter, „erst einmal bei sich anzufangen und mit sich selbst wieder klarzukommen.“ Denn wie es so schön heißt: „Wer sich selbst nicht liebt, kann auch den anderen nicht lieben.“

Verantwortung für sein Leben übernehmen. Wir alle kennen das aus eigener Erfahrung oder haben es im Freundeskreis erlebt. Sätze wie: „Wenn er liebevoller wäre und genauso unternehmungslustig wie früher, dann wäre das Leben wunderbar.“ Oder: „Wenn sie das Nörgeln ließe und endlich einmal zufrieden wäre, dann hätten wir es so schön wie früher.“ Dazu Expertin Zahrl: „Natürlich hätten wir gerne wieder einen spritzigen Partner oder eine zufriedene Partnerin. Allerdings ist es auch in diesem Fall nicht der andere, der sich ändern müsste, der sich bemühen sollte, sondern man selbst. Denn: Jeder Mensch trägt die Verantwortung für Zufriedenheit und Glück in seinem Leben. In einer Beziehung oder einer Ehe zu leben heißt nicht, die Zuständigkeit dem anderen zu übertragen und sich in Abhängigkeit zu begeben.“

Sich selbst treu bleiben. Eigentlich würden Sie lieber einmal ausspannen und zu Hause bleiben, aber das geht einfach nicht, weil Ihr unternehmungslustiger Partner jedes Wochenende verplant. Sie wollen ihm die Freude nicht vermasseln und machen mit. Weil es doch wichtig ist, dass man Gemeinsamkeiten pflegt, Zeit miteinander verbringt, Freundschaften pflegt, weil das immer schon so war, und so weiter und so fort. Seien Sie gewiss: Ihre angesammelte Unzufriedenheit vergeht nicht einfach so, sondern macht sich bemerkbar, vergiftet die Stimmung und äußert sich in undefinierbarer Wut auf den Partner. Da wird gestichelt, geätzt, gestritten: Der Anlass ist meist nichtig und wird nicht damit in Verbindung gebracht, worum es eigentlich geht. Wie lässt sich dieser Teufelskreis durchbrechen? Expertin Zahrl: „Meist ist es so, dass man seine eigenen Bedürfnisse und Wünsche gar nicht so genau benennen kann. Darum ist es wichtig, dass man, bevor man mit dem Partner darüber spricht, erst einmal eine ehrliche Bestandsaufnahme macht.“ Und das geht so: Was will ich wirklich? Was hat sich bei mir verändert? Worauf kann ich nicht verzichten? Was möchte ich gerne mit meinem Partner erleben? Was möchte ich mit ihm teilen? Was wünsche ich mir von ihm? „Diese Vorbereitung ist notwendig und verhindert ganz automatisch, dass man bei dem Gespräch mit dem Partner in Schuldzuweisungen und Anklagen verfällt“, weiß die Psychologin. Denn: Nur wer weiß, was er wirklich will, kann sich selbst treu bleiben – und wird ohne sich zu verbiegen bereit sein, Kompromisse einzugehen.

Die Eigenständigkeit erhalten. Es ist völlig normal, dass man am Beginn (in der ersten Verliebtheit) der Beziehung alles teilt und jede freie Minute miteinander verbringt. Irgendwann jedoch hat jeder Mensch das Bedürfnis, aus dieser Symbiose herauszutreten, wieder Zeit mit Freunden zu verbringen oder einfach einmal ganz für sich allein zu sein. „Oft werden diese Bedürfnisse völlig zu Unrecht als Kränkung erlebt. Aber“, so Zahrl weiter, „jeder Mensch trägt den Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit mehr oder weniger stark ausgeprägt in sich. Schwierig wird es, wenn der andere dies als Verrat an der Zweisamkeit empfindet und dem anderen keinen Freiraum lässt.“ Dabei muss man sich klar sein: Mit Druck geht gar nichts, da wird die Liebe gefesselt und verschwindet. Man erreicht also damit genau das, was man eigentlich verhindern möchte. Und der Partner entzieht sich. Doch was steckt hinter diesem vereinnahmenden Verhalten? Zahrl: „Im Normalfall sind es Verlustängste, die ihren Ursprung so gut wie immer in der Frühkindheit haben und sehr tief sitzen. Es macht wirklich Sinn, sich das mit therapeutischer Hilfe anzuschauen, denn Ängste lassen sich nicht besänftigen oder wegstecken.“

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