Und jetzt ein Baby!

Natascha und Bernd sind Ende Dreißig und ein richtiges Power-Paar. Seit zehn Jahren verheiratet, unterstützen sie einander bei der beruflichen Verwirklichung und halten sich gegenseitig den Rücken frei. Das doppelte Einkommen ermöglicht ihnen immer wieder schöne Urlaube. Bei einer ihrer Reisen ertappen sich Natascha und Bernd dabei, dass sie die Kinder anderer Gäste nicht mehr mit Unverständnis, sondern mit Sehnsucht betrachten.
„Es war eine bewusste, gemeinsame Entscheidung“, sagt Natascha ein Jahr später über ihre neugeborene Tochter. „Und es war der perfekte Zeitpunkt. Das Thema Kind ist zwar schon früher aufgekommen, aber jedes Mal nur flüchtig und bei einem von uns.“

Wenn Sie wie Natascha und Bernd Ihre Familie später gründen, gehen Sie wahrscheinlich bewusst und mit großer Sorgfalt an dieses Lebensprojekt heran. Das macht Sie zu idealen Eltern: ausgeglichen, zufrieden, tolerant und persönlich gefestigt.

Natürlich gibt es auch Herausforderungen zu bewältigen. Diese beschäftigen Kathi, die mit 39 Jahren Alleinerzieherin von zwei Buben in der Pubertät ist. Vor kurzem ist es mit ihrem Freund Werner ernst geworden, die beiden sind zusammengezogen, und er wünscht sich ein Kind mit ihr. Kathi ist zunächst skeptisch. In ihrem Leben gibt es endlich eine gewisse Routine, und beruflich hat sie nach der Kinderphase wieder Fuß gefasst. Plötzlich wieder 24 Stunden am Tag für ein Baby verantwortlich zu sein kann sie sich kaum vorstellen. Trotzdem führt sie lange Gespräche mit Werner. Wie könnten sie sich gegenseitig entlasten? Würde er einen Teil der Karenz übernehmen? Gäbe es genug Platz in der Wohnung? Wie könnten sie den Einkommensausfall ausgleichen? Die vielen offenen Gespräche stärken die Beziehung der beiden und schließlich hören sie auf, zu verhüten.

Kathis und Werners Baby würde in eine Patchworkfamilie hineingeboren werden, eine von vielen heute möglichen Familienformen. Dafür, dass das Alter bei der (zweiten) Familiengründung sehr variabel ist, gibt es eine Vielzahl gesellschaftlicher wie persönlicher Gründe.

Inge etwa entscheidet sich mit 42 Jahren fürs erste Kind, weil sie „vorher einfach nie den richtigen Partner hatte“. Sie macht sich auch Gedanken über die Möglichkeit, dass es nicht mehr klappt. „Medizinische Hilfe kommt für mich nicht in Frage. Falls ich nicht Mutter werde, weiß ich trotzdem, womit ich mein Leben fülle!“ Bei Inge dauert es ein halbes Jahr, bis sie schwanger wird. Die Schwangerschaft verläuft komplikationslos.

Dank dem heutigen Lebensstil und der medizinischen Versorgung stehen Frauen und Männer mit Ende 30 bis Anfang 40 körperlich und seelisch am Höhepunkt ihres Lebens. Für viele ist das auch ein guter Zeitpunkt zum Elternwerden.

Tipps

  • Machen Sie sich bewusst, dass Sie in guter Gesellschaft sind – die Zahl der späten Eltern nimmt stetig zu.
  • Besprechen Sie miteinander Vorteile und eventuelle Nachteile, jetzt Eltern zu werden.
  • Lassen Sie sich ganz bewusst auf Ihr Kind ein – und genießen Sie diese neue Lebensphase.
  • Lassen Sie sich nicht von Vorurteilen anderer beeinflussen.
  • Beobachten Sie in aller Ruhe, wie unterschiedlich Eltern mit ihren Kindern umgehen.
  • Denken Sie daran, dass trotz guter Vorbereitung das Leben mit Kindern ein ständiges Abenteuer ist, das nicht komplett vorausgeplant werden kann.
  • Suchen Sie eine faire Lösung für Ihre finanzielle Situation, mit der Sie beide zufrieden sind.

Sind wir „späte Eltern“?
In Österreich wurden 1997 rund 7.000 Frauen zwischen 35 und 40 Jahren Mutter, 2006 waren es bereits 11.600. In der Altersgruppe 40 bis 45 Jahre ist diese Zahl innerhalb von fünf Jahren von 1.600 auf über 2.300 angewachsen. In der Literatur nennt man Frauen, die nach ihrem 35. Geburtstag ein Baby bekommen, „späte“ Mütter. In Ihrer Umgebung werden Sie beobachten, dass diese Gruppe wächst und sich selbst nicht als „spät“ betrachtet. „Spät“ klingt eher abwertend, weil immer „zu spät“ oder „gerade noch“ mitklingt. Auch die Väter werden immer älter, aber bei ihnen wird meist gar nicht nach Lebensjahren gefragt.

Das Alter, in dem eine Mutter von Ärzten als „spät“ eingestuft wird, hat sich in letzter Zeit verschoben. Lag es früher bei 30 Jahren, ist jetzt der 35. Geburtstag ein Stichtag. Dabei geht es um statistische Risiken, die nichts über den individuellen Gesundheitszustand aussagen.

Eine Altersgrenze lässt sich also schwer definieren. Es geht auch um Ihr Selbstverständnis als Eltern. Die Dinge haben eben eine andere zeitliche Reihenfolge in Ihrem Leben. Wer zuerst Kinder bekommt und dann Karriere macht, wird ja auch nicht als „späte(r) Berufstätige(r)“ bezeichnet.

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