Unbeschwert reisen

Diabetes, Atemwegserkrankungen oder hoher Blutdruck: Wer mit einer chronischen Erkrankung verreisen möchte, sollte sich gut darauf vorbereiten. Egal ob Urlaub innerhalb Europas, der meist ohne großen Aufwand möglich ist, oder Fernreise: Eine medizinische Beratung ist in jedem Fall sinnvoll. „Bevor man seinen Urlaub antritt, sollte man wirklich sicher sein, dass man trotz Erkrankung gesundheitlich stabil genug ist, um ihn auch ohne Komplikationen genießen zu können“, erklärt Reisemediziner Prof. DDr. Martin Haditsch.
 
Gut beraten in den Urlaub starten. „Bereits mit der bewussten Auswahl des Reiseziels kann man möglichen Risiken von vornherein minimieren,“ betont Haditsch. Unbedingt abgeklärt werden sollte, ob eine gute medizinische Versorgung am Urlaubsort gewährleistet ist: „Viele Schiffe oder Fähren haben zum Beispiel keinen eigenen Arzt an Bord. Auch Ärzte auf Kreuzfahrtschiffen sind nicht immer Experten für Notfallmedizin. Daher ist für Schiffsreisende eine gewisse Stabilität und Fitness Voraussetzung.“ Wer eine Fernreise buchen möchte, begibt sich am besten rechtzeitig in die Ordination eines Reisemediziners. Er berät ausführlich über notwendige bzw. empfohlene Impfungen und mögliche gesundheitlichen Risiken am Urlaubsort. Rechtzeitig bedeutet übrigens schon für Gesunde mindestens vier bis sechs Wochen vor Reiseantritt. Kurz vor Urlaubsbeginn sollte dann eine gründliche ärztliche Untersuchung erfolgen, um sicherzugehen, dass die Reise- bzw. Flugtauglichkeit gegeben ist. Haditsch: „Für die meisten Länder außerhalb Europas empfiehlt sich zudem eine umfassende Reise- und Rückholversicherung, die chronische Erkrankungen nicht ausschließt. Medizinische Behandlungen können sonst sehr teuer werden.“

Was kommt in die Reiseapotheke? Bei der Zusammenstellung der Reiseapotheke ist darauf zu achten, dass die Medikamente auch für die jeweilige Reise geeignet sind, Stichwort: Hitze- und Kältestabilität. „Wird zum Beispiel Insulin statt im Handgepäck per Koffer im Frachtraum transportiert, kann das Medikament bei der Ankunft bereits unbrauchbar sein“, so Haditsch. Je nach Reisestil und Reisedauer sollte das Doppelte bis Dreifache dessen, was man an Medikamenten benötigt, mitgenommen und auf unterschiedliche Gepäckstücke aufgeteilt werden. Ein Teil davon gehört immer ins Handgepäck bzw. in die Hand- oder Brusttasche, um auch im Flugzeug für den Akutfall gerüstet zu sein.Wichtig ist zudem eine komplette Liste aller Dauermedikamente, die neben dem Markennahmen auch die Wirkstoffe enthält. „Zusätzlich sollte man einen zusammenfassenden Arztbrief mit sich führen – idealerweise in der Landessprache oder zumindest auf Englisch.“ Um Problemen am Flughafen bei der Sicherheitskontrolle vorzubeugen, erkundigt man sich am besten vorab bei der Fluggesellschaft nach den aktuellen Sicherheitsbestimmungen.

Zeitverschiebung einplanen. In einer reisemedizinischen Beratung werden auch Themen wie Medikamenteneinnahme und Zeitverschiebung erläutert: „Bei Flügen nach Westen verlängert sich der Tag, sodass man z. B. mehr Insulin braucht. Bei Flügen nach Osten wird der Tag kürzer und man muss die Medikamenten-Dosis eventuell senken.“ Zu klären gilt auch, wo das Medikament im Bedarfsfall am Urlaubsort erhältlich ist. „Bei Erkrankungen, bei denen eine schubartige Verschlechterung möglich ist, sollte man immer einen Notfallplan erstellen. Er ermöglicht dem Patienten eine erste Selbsthilfe.“ Der Notfallplan und die dafür notwendigen Medikamente müssen ebenfalls ausführlich besprochen werden: „Das betrifft zum Beispiel Personen mit Asthma oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.“

Checkliste für Ihre Flugreise

Wann man besser nicht ins Flugzeug steigen sollte:

• Wenn eine Verschlimmerung der Krankheit während des Fluges anzunehmen ist
• Bei akuten Erkältungskrankheiten
• Bei schweren fiebrigen Erkrankungen
• Bei akuten Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen
• Bei schweren Infektionserkrankungen, insbesondere wenn sie ansteckend sind; bei augenscheinlichen Krankheiten, z. B. Ausschlag, kann die Fluggesellschaft das Boarding verweigern.
• Nach einem kürzlich überstandenen Herzinfarkt oder Schlaganfall
• Bei anderen Herzerkrankungen oder Lungenkrankheiten wie Angina Pectoris
• Bei schwerer Blutarmut (Anämie)
• Nach Bauchoperationen oder nach Operationen am offenen Brustkorb (Thorax) bzw. am Kopf (Nasennebenhöhlen, Mittel-/Innenohr).
• Bei akuten psychischen Erkrankungen
• Bei akuter Beinvenenthrombose
• Bei Ruhigstellung eines Beines (Schiene/Gips) ohne Blutverdünnung

Diese Punkte sollten Sie bei Reiseantritt beachten:
• Die Fluglinie und das Flugpersonal bzw. die Reiseleitung vorab über die Erkrankung informieren, damit es bei einem Notfall (z. B. Unterzuckerung) richtig reagieren kann. Sauerstoff muss bei der Fluglinie vorbestellt werden.
• Eventuell notwendige Transport- und Zolldokumente besorgen (z. B. über das Mitführen von Rollstuhl, Messgeräten, Nadeln und Spritzen etc). Viele Fluggesellschaften fordern bei Diabetikern zusätzlich eine ärztliche Bescheinigung des behandelnden Arztes für die Mitnahme von Insulin-Pen und Messgerät an Bord. Achtung: Patienten mit opiathaltiger Schmerzmedikation wird trotz ärztlicher Bescheinigung die Einreise in manche Länder verweigert.
• Das gehört ins Handgepäck: Medikamente und notwendige Hilfsmittel (z. B. das Blutzuckermessgerät), Diagnose- und Medikamentenlisten für einen möglichen Notfall, Kopie der aktuellsten Laborwerte. Lebenswichtige Akutmedikamente sollten (zusätzlich) am Körper getragen werden.

 

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