Traditionen, Rituale, Familienfeste Langweilige Gewohnheiten oder wertvolle Begleiter?

Kaum ein anderes Thema ruft so viele unterschiedliche Assoziationen hervor wie dieses. Während der eine an christliche Feste wie Taufe oder Hochzeit denkt, erinnert sich der andere daran, wie in seiner Familie die Geburtstage der einzelnen Familienmitglieder gefeiert wurden. Auch das „Warten auf´s Christkind“ und die „Ostereiersuche im Garten“ sind vermutlich häufige und beliebte Erinnerungen. Doch auch das „Einschlafritual“ für die Kleinsten, das „Sonntagsfrühstück“ und der „Spieleabend“ gehören hierher. Die Liste der Assoziationen und Erinnerungen ließe sich beliebig fortführen und zeigt eines ganz deutlich: Traditionen, Rituale und Feste sind offenbar keine verstaubten Relikte früherer Tage, sondern eine bedeutende Angelegenheit, heute so wichtig wie früher.

Warum Traditionen / Rituale gerade für Kinder und Familien besonders wichtig sind.
Allen Traditionen und Ritualen ist gemein, dass ihnen ein tieferer Sinn innewohnt, was vielen jedoch oft gar nicht mehr bewusst ist. Häufig ist beispielsweise die Bedeutung der „Übergangshilfe“. Traditionen / Rituale werden eingesetzt, um den Übergang von einer Entwicklungsstufe zur anderen zu erleichtern (z.B. „Taufe“ oder „Willkommensritual“ beim Eintritt in die Welt und in die Gemeinschaft oder die „Schultüte“ für die Schulanfänger). Das „Einschlafritual“ soll dem Kind dabei helfen, den Übergang vom Wach- zum Schlafzustand leichter zu bewältigen.

Ein weiteres Kennzeichen sämtlicher Traditionen / Rituale ist, dass es sich um eine konstante Abfolge von Handlungen handelt, die bestimmten Regeln oder/und einem gewissen Schema unterliegen. Dadurch, dass sie regelmäßig und gleichförmig stattfinden, strukturieren sie das Leben und den Alltag des Kindes und vermitteln so Sicherheit und Geborgenheit. Ein wichtiger Gegenpol zum unsteten, hektischen Tagesablauf der meisten Kinder (und Erwachsenen)!

Schließlich helfen die unzähligen, einzigartigen „Familienrituale“ sowie die unverwechselbaren Familienfeste dem Kind dabei, das Besondere seiner Familie zu erkennen und mit ihr zusammen zu wachsen. Die Beziehungen der einzelnen Familienmitglieder zueinander werden gestärkt, wodurch Halt und Vertrauen entstehen können.

Zuletzt möchte ich darauf hinweisen, welch unschätzbaren Wert Rituale im Erziehungsalltag haben können. Wie viel einfacher kann beispielsweise das abendliche Zubettgehen gestaltet werden, wenn statt des täglichen Kampfes ein schönes „Abendritual“ (z.B. Gute-Nacht-Geschichte, gemeinsames Spiel, gemütliche Teestunde) an seine Stelle tritt. Auch die ständigen Auseinandersetzungen um „gute“ Tischmanieren können durch humorvolle „Tischrituale“ (z.B. ein Mal pro Woche dürfen alle wie die Schweinchen essen, aber nur an diesem einen Wochentag) entschärft werden. Sinnvoll ist es auch, Kindern mit kleinen „Entspannungsritualen“ zu mehr Ruhe zu verhelfen. Bei deren Erfindung und Gestaltung sind die Kinder selbst oft sehr kreativ. Ein Achtjähriger hat es sich beispielsweise angewöhnt, sich täglich eine Stunde in den „Schwitzkasten“ zu begeben. Dabei legte er sich ins Bett, zog die Decke über den Kopf, um nach einer Stunde mit hochrotem Kopf wieder herauszukommen. Der Bub hat offenbar gut gespürt, wie sehr er eine „Auszeit“ braucht, das langweilige Nachmittagsschläfchen der kleinen Schwester wäre ihm jedoch viel zu „uncool“ vorgekommen.

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