Sucht und Prävention

Was ist Sucht?

Sucht ist eine Krankheit, die viele Ursachen und unterschiedliche Verläufe haben kann. Sie wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. In der Fachwelt hat sich nach psychiatrischen Definitionen statt Sucht der Begriff Abhängigkeitssyndrom durchgesetzt. Während früher mit Sucht nur körperliche Abhängigkeit gemeint war, hat sich die Definition inzwischen auch auf psychische Abhängigkeit und verhaltensbezogene Abhängigkeiten erweitert, wie zum Beispiel pathologisches Glücksspiel, Kaufsucht oder Arbeitssucht. Verhaltenssucht ist eine relativ neue Bezeichnung für exzessive Verhaltensweisen, die Merkmale einer psychischen Abhängigkeit aufweisen und von Betroffenen willentlich nicht mehr vollständig kontrolliert werden können.

Von Sucht wird gesprochen, wenn aus einer Liste verschiedener Symptome mindestens drei gleichzeitig innerhalb des letzten Jahres vorhanden waren. Die schwerwiegendsten dieser Symptome sind:

  • ein starkes Verlangen oder eine Art Zwang, eine Substanz zu konsumieren oder einem Verhalten achzugehen,
  • eine herabgesetzte Kontrolle über das eigene Verhalten oder das Gefühl von Kontrollverlust,
  • Entzugserscheinungen bei Absetzen der Substanz oder Beendigung des Verhaltens,
  • eine Toleranzentwicklung – das bedeutet, dass immer mehr gebraucht wird, um das subjektiv gleiche Ergebnis zu erzielen (Dosissteigerung),
  • die Vernachlässigung von Interessen.

 

Für die Diagnose Sucht sind umfassende Untersuchungen von PsychiaterInnen oder geschulten PsychologInnen notwendig.


Wie entsteht Sucht?

Bei der Entstehung von Sucht spielen drei Faktoren eine wichtige Rolle:

  1. die betroffene Person
  2. das soziale Umfeld und die gesellschaftlichen Verhältnisse
  3. die Substanzen oder Verhaltensweisen

 

Es kommt auf die Person selbst an: ihre Geschichte, ihre biologische Konstitution, ihre Einstellung zur Veränderbarkeit innerer und äußerer Umstände, die aktuelle Situation, in der sie sich gerade befindet – psychisch, körperlich und sozial. Auch das soziale Umfeld spielt eine Rolle: zum Beispiel, ob jemand in ein soziales Netz eingebunden ist, Unterstützung und Wertschätzung erfährt, produktiv tätig sein kann oder im Gegensatz dazu arbeitslos ist oder einen ungeliebten Job hat. Suchtmittel und Verhaltensweisen haben ein unterschiedliches Suchtpotenzial: Beispielsweise hat sich das Spielen an Automaten als „verführerischer“ erwiesen als andere Spiele: Bis zu 70 Prozent der Problematik des pathologischen Glücksspiels betreffen das Automatenspiel.


Welche Konsummotive gibt es?

Das Suchtpotenzial ist abhängig vom Kontext: Situation und Motive der Person sind ausschlaggebend. Menschen konsumieren mitunter exzessiv Substanzen. Oft gehen sie in extremem Ausmaß Verhaltensweisen nach, weil sie subjektiv gute Gründe dafür haben, auch wenn ihnen diese oft selbst nicht klar sind und sie, objektiv betrachtet, keine langfristige Lösung darstellen. Es kann subjektiv sinnvoll sein, sich lieber von einer Substanz oder Verhaltensweise betäuben oder ablenken zu lassen, als sich mit der Herausforderung zu konfrontieren, die bestimmte Lebensaufgaben oder Probleme mit sich bringen.


Welche Konsumformen und Suchtverläufe gibt es?

Sucht ist keine Einbahnstraße. Früher wurde oft das Schreckensbild der zwingenden Kette Cannabiskonsum – Heroinabhängigkeit – Verelendung – Drogentod beschworen. Sucht als dynamischer Prozess kann vielfältige Entwicklungen haben und verläuft nicht linear. Zwischen den beiden Extrempolen Sucht und Abstinenz gibt es verschiedene Ausprägungen, zum Beispiel Probierverhalten, Genuss, Experimentieren, regelmäßiger Konsum, Gewöhnung, Risikokonsum, schädlicher und problematischer Konsum.


Was sind die Aufgaben von Suchtprävention?

Suchtprävention ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Das bedeutet, dass suchtpräventives Handeln von den zentralen Institutionen der Gesellschaft getragen und umgesetzt werden muss. Suchtprävention hat das Ziel, Suchtentwicklungen und negative gesundheitliche und soziale Folgen des Konsums von Drogen, anderen Suchtmitteln und Abhängigkeiten von Verhaltensweisen zu verhindern. Das bedeutet, dass eine Suchtentwicklung im besten Fall verhindert, in jedem Fall aber abgemildert wird. Aber auch Substanzmissbrauch ohne Sucht ist ein Anlass für suchtpräventive Aktivitäten.

Quelle: wienXtra, www.jugendinfowien.at

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