Stress stammt aus Österreich

Wer hätte das vermutet? Der Stress wurde ausgerechnet im angeblich gemütlichen Wien erfunden. Vom 1907 dort geborenen, genialen Wissenschafter Hans Selye, den das Schicksal allerdings später zwang, nach Kanada auszuwandern und dort weltberühmt zu werden (gestorben 1982 in Montreal). Als „Vater der Stressforschung“.

Doch wenigstens ein bisschen der Reihe nach. Was bedeutet Stress eigentlich? Nun, der Begriff stammt vom lateinischen Wort „stringere“, also einengen. Wem in Krisensituationen mitunter die Luft wegbleibt, eine unbekannte Last auf die Brust drückt oder ein nicht vorhandener Knödel im Hals stecken bleibt, der kann sich den Zusammenhang gut vorstellen.
Allerdings ist Stress keineswegs nur böse! Ganz im Gegenteil: Ohne Stressreaktionen wären weder Menschen noch Tiere lebensfähig. Das glauben Sie nicht? Strapazieren Sie bitte Ihre Fantasie und stellen sich ein Leben in der Zeit des allseits bekannten Fred Feuerstein vor:
Um einem hungrigen Säbelzahntiger entkommen zu können, benötigten Fred Feuersteins Zeitgenossen schnelle Reaktion, leistungsfähige Muskeln und viel mehr Ausdauer als beim friedlichen Beisammensein. All das lieferte der Körper unter dem Einfluss der Gefahr. Aber auch die Fähigkeit zu jagen, wenn man selbst hungrig gewesen ist. Ein Mammut oder einen Bären zu erlegen, war riskant und erforderte größte Aufmerksamkeit und bestmögliche physische Fähigkeiten.
Heute brauchen wir das nicht mehr, sind aber noch immer ähnlich wie Steinzeitmenschen programmiert. Das heißt, wir müssen uns nicht mehr gegen Säbelzahntiger wehren oder Mammuts erlegen. Auf uns lauern jedoch andere Gefahren und wir haben andere schwierige Aufgaben zu erledigen. Diese rufen im Prinzip dieselben Stressreaktionen hervor wie einst.

Böser Stress hat guten „Zwillingsbruder“

Was Forscher wie der eingangs genannte Hans Selye allerdings längst entdeckt haben, ist der gute Zwillingsbruder des bösen Stresses. Das spiegelt sich in der Bezeichnung wider: Eustress = gut, Distress = böse. Gut ist, wenn wir uns freuen, wenn wir angenehm erregt sind (Sex!) oder mit Eifer eine Tätigkeit ausüben, die uns Spaß machen (Sport, Hobbys etc.). Böse ist alles, was uns ärgert, ängstigt, enttäuscht, jedoch auch Kälte, Hitze, Schmerzen usw. Am besten versuche ich, den Unterschied an Hand eines Beispieles zu erklären. Wieder brauche ich dafür aber Ihre Fantasie: Stellen Sie sich vor, Sie werden zu einem Vortrag eingeladen. Ihr Eustresspegel steigt mäßig an, weil Sie das Gelaber nicht sehr interessiert. Allerdings hoffen Sie, nette Menschen zu treffen und Sie mögen die Gastgeberin bzw. den Gastgeber. Sie werden freundlich empfangen, bekommen ein Glas Sekt und plaudern. Der Eustresspegel steigt. Dann riechen Sie schon das anschließende Buffet und fühlen sich noch wohler. Der Vortrag soll nun in Kürze beginnen. Da aber tritt die mit Ihnen befreundete Gastgeberin/der Gastgeber (war auch ein Grund, zu kommen) etwas bleich im Gesicht an Sie heran und flüstert: „Es ist mir jetzt unglaublich peinlich, aber unser Vortragender hat gerade abgesagt!“ Wieso peinlich? Das heißt, ab zum Buffet, nur noch entspannt sein dürfen! Ihr Eustresspegel steigt in ungeahnte Höhen. Leider spricht die Freundin/der Freund weiter: „Bitte, bitte! Halte du den Vortrag!“ Jetzt, meine Damen und Herren, kennen Sie den Unterschied zwischen Eustress und Distress. Ich will mich hier auf den bösen Stress beschränken und wie man mit ihm fertig werden kann. Am besten natürlich mit Vorbeugung. Dazu ist es notwendig, die wichtigsten Vorgänge im Körper genauer zu kennen. Auf besagten DDDr. Selye (Arzt, Biochemiker und Hormonforscher) geht das „Allgemeine Anpassungssyndrom“ zurück – ein wissenschaftlich gesichertes, grundsätzliches Reaktionsmuster des Körpers auf länger anhaltende, negative Stressreize. Danach läuft das Geschehen in drei Phasen ab, wie Sie nebenstehender Grafik entnehmen können.

Wahl der Mittel oft gefährlich!

Welche enorme Gefahr dieser Zustand auch rein körperlich bedeutet, weiß Sozialmediziner Prof. Dr. Michael Kunze, der mit seinem Team seit vielen Jahren wissenschaftliche Studien erarbeitet und gesammelt hat: „Allzu viele Menschen versuchen, mit falschen Mitteln gegenzusteuern. Um Stress besser bewältigen zu können, greifen sie zu gefährlich-untauglichen Maßnahmen wie Rauchen, übermäßigem Alkoholkonsum und unkontrollierter Nahrungszufuhr!“ Was neben den seelischen Folgen auch körperliche nach sich zieht. Prof. Kunze: „Zahlreiche schwere Krankheitsbilder hängen zumindest mit Stress zusammen. Wie Herzinfarkt, Bluthochdruck, Diabetes, Magengeschwüre, und sogar Bandscheibenvorfälle (über stressbedingte Muskelverspannungen), um einige Beispiele zu nennen. Selbst bei Krebs wird eine gewisse Stressbeteiligung angenommen. Und zwar über eine Schwächung der Immunabwehr durch psychische Belastung.“ Wie kann man den Einfluss seelischer Belastung auf das Immunsystem erklären? Prof. Kunze: „Das passiert in der Erschöpfungsphase. Bildlich gesagt ist auch die Immunabwehr nicht mehr in der Lage, ausreichend Widerstand zu leisten. Gerade jetzt, während der Pandemie, wäre es daher wichtig, auch Distress in Grenzen zu halten, um das Abwehrsystem zu unterstützen. Stress darf nicht krank machen!“

Als B-Typ lebt man wesentlich gesünder

Das Risiko, Schäden zu erleiden, ist nicht einheitlich groß. Wissenschaftliche Arbeiten haben zur Unterscheidung zwischen einem A-Typ und einem B-Typ geführt. Menschen, die sich immer wieder selbst in Stresssituationen hineinmanövrieren, werden als A-Typen bezeichnet. Sie sind überdurchschnittlich ungeduldig, ständig unter Zeitdruck und ungesund ehrgeizig. Viel zu lange ist ihnen die Belastung gar nicht bewusst. Sie neigen klassisch zum Rauchen und übermäßigem Alkoholkonsum. Für sie kommt es deshalb rascher zur Katastrophe in Form von Herz-Kreislauferkrankungen. Als deutlich weniger gefährdet gilt der B-Typ. Er kann zwar auch unter Zeitdruck stehen, achtet aber darauf, diesen nicht chronisch werden zu lassen. Prof. Kunze präsentiert dazu das Patentrezept des B-Typs, das er aber allen gestressten Menschen dringend empfiehlt: „Sich Ruhepausen vergönnen! Günstige Strategien wie Sport und Zerstreuung durch Hobbys! Aufgaben delegieren, nicht immer alles selbst erledigen müssen! Vom Stress zeitweise gleichsam abkoppeln und auf diese Weise die Kräfte neu aufbauen!“

Interessantes

- Advertisement -Jentschura

Empfehlungen