Stress, lass nach!

Karin klagt in letzter Zeit immer wieder über Bauchschmerzen, hat oft zu gar nichts Lust, will meistens nichts essen – nicht einmal Marillenknödel, ihre Lieblingsspeise – und kann fast jeden zweiten Abend nicht richtig einschlafen. Krank ist sie nicht, das hat der Arzt schon festgestellt. Was hat sie dann?

„Die kleine Karin leidet unter Stresssymptomen“, ist die Antwort. Nicht nur Erwachsene, auch Schulkinder leiden schon unter Stress. Und sie haben es noch viel schwerer damit, weil sie nicht recht wissen, wie sie damit umgehen können. Sie brauchen die Hilfe ihrer Eltern.

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind gestresst ist, überlegen Sie zunächst, was der Grund sein könnte: Fühlt sich Ihr Kind in der Schule überfordert, glaubt es, die Erwartungen der Eltern oder Lehrkräfte nicht zu erfüllen? Gibt es Probleme mit anderen Schülern, oder wird es oft gehänselt? Hat es das Gefühl, unterdrückt zu werden, sich ständig unterordnen zu müssen? Gibt es Spannungen oder Konflikte in der Familie? Hat es Probleme mit Geschwistern? Hat es gar Angst, die Eltern hätten es nicht mehr lieb? Ist sein Freizeitplan zu voll, hat es zu viele Musikoder Sport-Stunden?

Wenn zu wenig Zeit zum Austoben und Entspannen bleibt, muss der „Stundenplan“ entrümpelt werden. Volksschulkinder brauchen pro Tag mindestens eine Stunde, in der sie tun können, was sie wollen. Ausnahme von dieser Regel sind Fernsehen und Computerspielen, denn die sind zur Erholung nicht geeignet. Herumtoben an der frischen Luft ist nicht nur gesund, sondern hilft auch Stress abzubauen. Unterstützen Sie ihr Kind, sich die Zeit besser einzuteilen – und bewusst „Entspannungspausen“ einzulegen, in denen alle Probleme beiseite geschoben werden dürfen.

Sind Probleme in und mit der Schule, mit Freunden oder in der Familie der Grund fürden Stress, helfen oft schon Gespräche und viel Zuwendung. Geben Sie Ihrem Kind die sichere Gewissheit, immer geliebt und akzeptiert zu werden – auch wenn es in der Schule einmal nicht ganz so gut ist. Zeigen Sie ein Mitgefühl, wenn Ihr Kind vor einer Schularbeit über Bauchweh klagt. Erzählen Sie ihm, wie es Ihnen vor Schularbeiten ging und was Ihnen geholfen hat. Machen Sie Ihrem Kind klar, dass auch bei Misserfolgen die Welt nicht zusammenbricht. Ist Ihr Kind sehr ehrgeizig, vermitteln Sie ihm Gelassenheit. Überlegen Sie mit ihrem Kind, wie es mit den Klassenkamerad(inn)en besser zurechtkommen kann. Stärken Sie ihm den Rücken, helfen Sie ihm, Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit zu entwickeln.

Da chronischer Stress bei Kindern schlimme Folgen haben kann – eine Schwächung des Immunsystems oder sogar ein langsameres Wachstum –, sollte Ihr Kind lernen, wie man Stress abbauen kann. Wie insgesamt in der Erziehung hilft auch hier das Vorbild der Eltern. „Das war heute wirklich ein anstrengender Tag. Jetzt setze ich mich einmal hier aufs Sofa, denke an gar nichts und entspanne mich“, können Sie Ihrem Kind erklären. Oder: „Wenn ich glaube, ich schaffe die Arbeit gar nicht mehr, gehe ich kurz aus dem Büro raus, stell mich hin, atme tief durch und denke an etwas Schönes.“

Tipps für Eltern

  • Essen Sie 3 Portionen Gemüse bzw. Obst am Tag. So bekommen Sie und Ihr Kind die lebenswichtigen Vitamine und Mineralstoffe.
  • Für Ihr Kind reichen zwei Fleischportionen pro Woche als Eisen- und Eiweißquelle aus. Einmal pro Woche ist Fisch empfehlenswert.
  • Überprüfen Sie regelmäßig den Tagesablauf des Kindes und lassen Sie ihm viel Freiraum zur Entspannung (Toben, Ruhen, Träumen usw.), zum freien Spiel und zur körperlichen bzw. sportlichen Betätigung.
  • Nehmen Sie die Sorgen Ihres Kindes ernst, auch wenn diese für Sie ganz klein aussehen. Besprechen Sie mit Ihrem Kind, was es tun kann, um das Problem zu lösen.
  • Sind die Probleme zu groß, scheuen Sie nicht davor zurück, sich z.B. an die Lehrer zu wenden oder auch die professionelle Hilfe von Kinderpsycholog( inn)en oder Beratungsstellen in Anspruch zu nehmen.

Jedes Kind hat seine „Stresssprache“
Kinder sprechen durch ihr Verhalten, ihre Gefühle und in ihrer Körpersprache. Sie sprechen mit dem Ausdruck ihrer Augen, ihrem Gesichtsausdruck, ihrer Körperhaltung, dem Klang ihrer Stimme und mit den konkreten Worten. Der größte Teil der Mitteilungen erfolgt also nonverbal. Jedes Kind hat in belastenden Situationen einen bestimmten Gesichtsausdruck, eine charakteristische Körperhaltung und zeigt ein bestimmtes Verhalten. Wenn Eltern diese Kombination einmal erkannt haben, so könnten sie diese Verhaltenskombination übersetzen. Sie werden erkennen, wie lange das Verhalten des Kindes eine noch positive Anpassungsreaktion signalisiert oder bereits Disstress (negativer Stress, der zu einer Überforderung führt) ausdrückt.

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