Stets offen für Neues

Er wusste schon als Kind, dass er einmal Arzt werden möchte. Prägend war eine schwere Krankheit seiner Mutter, die über Jahre unter starken Schmerzen litt. Erstes berufliches Vorbild war für den prominenten Mediziner Prof. Dr. Siegfried Meryn daher der Hausarzt der Familie. „Er hatte so einen Willen zu helfen, er war ein richtiger Hausarzt der alten Schule – mit Herz und Seele.“ Traurig macht ihn auch heute noch, wenn sich Kollegen zu wenig Zeit nehmen, ihren Patienten zuzuhören, und auch die ärztliche Fortbildung ist ihm ein besonderes Anliegen. „Medizinisches Wissen hat derzeit eine Halbwertszeit von zirka zwei Jahren – wir müssen uns ständig bemühen, auf dem Laufenden zu bleiben.“ Stets am Puls der Zeit war Meryn auch selbst, die Jahre im Ausland nach dem Studium waren Bausteine für eine ungewöhnliche Karriere. Als einer der ersten hierzulande beschäftigte sich der Mediziner mit dem Thema „Männergesundheit“ und ihm fiel auf, „Gesundheitsthemen sind in der Öffentlichkeit einfach zu wenig präsent.“ Also wandte er sich 1996 von sich aus an den ORF und wurde in der Folge als TV-Arzt ein „Markenzeichen“ für publikumswirksame Gesundheitsinformation. „Mit einer Fernsehsendung erreicht man viele Menschen und man hat schon gewonnen, wenn der Zuseher nur eine Botschaft mitnimmt.“ Nach zehn Jahren „Willkommen Österreich“ ist Meryn in der Folgesendung „Frühlings-, Sommer-, Herbst-, Winterzeit“ nach wie vor am Bildschirm präsent.

Prof. Siegfried Meryn lebt …

… schön. Sind Sie eitel oder halten Sie es mehr mit Tante Jolesch: „Alles, was ein Mann schöner ist als ein Affe, ist Luxus“?
Kein Mensch ist frei von Eitelkeit, aber es geht mir dabei weniger um mein Aussehen, sondern darum, dass ich auf mich achte, etwas für mich tue.

… schlau. Worauf sind Sie stolz? Was wollen Sie noch lernen?
„Evert try, ever fail, no matter. Try again, fail again, fail better“, heißt mein Motto nach S. Becket. Ich denke, dass ich die Fähigkeit zur Selbstreflexion habe, und Freunde attestieren mir immer wieder, dass ich mit Kritik gut umgehen kann. Und ich bin neugierig – auf viele Dinge und immer wieder neue und spannende Menschen. Diese Neugier möchte ich mein ganzes Leben beibehalten. Lernen möchte ich auch noch vieles, besonders mehr über Philosophie.

… gut. Sie leiden nicht gerade an Übergewicht? Kostet Sie das viel Disziplin oder gibt es doch mal kleine Sünden?
Da steckt sehr viel Disziplin dahinter (lacht). Meine Kinder fragen immer, ob ich gerade noch oder schon wieder auf Diät bin. Als Kind war ich dick und ich nasche auch heute noch für mein Leben gern. Aber es geht darum, für sich ein Realgewicht zu finden, mit dem man sich wohlfühlt – und dieses dann auch zu halten. Habe ich gesündigt, kommt eben wieder mehr Bewegung dran.

… gesund. Als bekannter TV-Arzt, was tun Sie selbst für Ihre Gesundheit?
Eine gesunde Work-Life-Balance ist ganz wichtig. Depressionen, Panikattacken, Bluthochdruck werden immer häufiger, weil die Menschen sich keine Zeit mehr nehmen, Stress abzubauen und abzuschalten. Aber keiner kann 364 Tage im Jahr 24 Stunden lang auf Hochtouren laufen. Ich brauche Ruheinseln, Dinge, die Freude machen, um wieder aufzutanken. Ausstellungen, Konzerte, Theater oder ein gutes Buch.

… aktiv. Bei all Ihren beruflichen Verpflichtungen – bleibt da Zeit für genügend Bewegung?
Das muss sein, ich sitze viel zu viel. 40 Minuten täglich trainiere ich am Ergometer. Oft gehe ich in der Früh noch laufen. Das ist für mich fast meditativ, ich kann dabei sehr gut nachdenken. Eine neue Leidenschaft sind für mich Skitouren – ich liebe es, für mich die Natur zu entdecken, Gebiete, wo sonst niemand ist.

… bewusst. Sie wollen dem Leben nicht nur mehr Jahre, sondern den Jahren auch mehr Leben geben? Gelingt Ihnen das auch für Sie persönlich?
Ich denke, wissen, ob das Leben gelungen ist, werde ich erst im letzten Augenblick. Aber bewusst leben heißt für mich, bis zuletzt neugierig und offen für Neues zu bleiben. Ich liebe z.B. Fernreisen, zwei bis drei Wochen in eine völlig andere Kultur einzutauchen, gibt wieder einen neuen Horizont. Zuletzt war ich mit meinem Bruder und auch mit meinen beiden großen Kindern in Ladakh, Kaschmir, Tibet und Alaska. Ich könnte weder beruflich noch privat eine Routine leben. Mich spornt es an, hinaus zu gehen, spannende Leute zu treffe, mich zu vernetzen und mich dabei immer weiter zu entwickeln. Pablo Picasso ist für mich z.B. ein außergewöhnlicher Mensch gewesen. Er hat neben seiner überragenden Kreativität seine ganze Lebenspanne hindurch den Mut zur Veränderungen gehabt. Es gibt im Leben keinen Stillstand.

Meryn, Alaska, KinderFoto: privat
Gipfelstürmer: Meryn mit seinen Kindern in Alaska

BIOGRAFIE
Prof. Dr. Siegfried Meryn, 55, ist Facharzt für Innere Medizin, Leiter der Besonderen Einrichtung für medizinische Aus- und Weiterbildung an der Medizinischen Universität Wien sowie Vorsitzender des ORF-Gesundheitsrats. Er ist Autor von über 200 wissenschaftlichen Publikationen und zahlreicher Gesundheitsbücher davon 5 Nummer-1-Bestseller. Über zehn Jahre war Meryn wöchentlich als TV-Arzt in der ORF-Sendung „Willkommen Österreich“ präsent. Meryn ist Vater von drei Kindern.

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