Starthilfe für zwei Zellen

An der Pinnwand im Vorzimmer von Ina und Klaus sammeln sich in letzter Zeit Geburtsanzeigen. Alle Freunde scheinen plötzlich Familien zu gründen. „Wir basteln auch“, verrät Ina ihrer besten Freundin, die kürzlich Mama geworden ist.

Doch Ina wird nicht schwanger. Zwei Jahre probiert sie es auf natürlichem Weg. Dann, mit 37, gehen sie und ihr Mann in ein Kinderwunsch-Zentrum. Dort wird zunächst festgestellt, ob körperliche Ursachen vorliegen: Bei Klaus wären etwa eine eingeschränkte Samenqualität (durch genetische, anatomische, hormonelle Gründe oder Umweltgifte) oder eine Störung des Spermientransports möglich. Ina wird auf hormonelle Probleme, Schwierigkeiten mit dem Eisprung oder mit der Eireifung sowie auf Veränderungen der Gebärmutter und der Eileiter hin untersucht.

Körperlich ist bei beiden alles in Ordnung. Umso mehr belastet sie die Frage, warum gerade sie nicht Eltern werden. Dass ihr Kinderwunsch-Zentrum in dieser schwierigen Zeit auch psychologische Betreuung anbietet, finden sie sehr hilfreich.

Gleich beim ersten In-vitro-Fertilisationsversuch wird Ina schwanger. Zwei Jahre nach der Geburt von Lena entsteht aus einer eingefrorenen, befruchteten Eizelle sogar noch ein zweites Mädchen. Und an der Pinnwand hängen endlich eigene Babyfotos.

Etwa 10 bis 15 Prozent aller Paare haben Probleme mit der Fruchtbarkeit, und diese Zahl steigt mit dem Alter. So zahlreich die Gründe, so unterschiedlich sind die Möglichkeiten, sich den Wunsch nach einem Kind doch noch zu erfüllen. Die Behandlung wird stets individuell auf das Paar abgestimmt.

Trotzdem kann es länger dauern als bei Ina und Klaus. Sonja etwa wurde erst nach fünf Versuchen innerhalb von drei Jahren schwanger. Obwohl ihr die hohe Hormondosis bei jedem Versuch sehr zu schaffen machte, meint sie im Nachhinein: „Ich hätte immer weiter gemacht. Wir hatten eigentlich auf eine Wohnung gespart, aber irgendwann war mir auch das Geld egal. Nach dem vierten Versuch ist der Zuschuss vom IVF-Fonds weggefallen. Aber da drehte sich alles nur mehr ums Kind. Andere Ziele hatte ich überhaupt nicht mehr.“

Gerade während der Kinderwunschzeit ist Ablenkung wichtig. Abwechslung und Beschäftigungen, die nichts mit dem Thema Kinder zu tun haben, sind hilfreich. Es gibt Fälle, in denen erst dieses Loslassen zum Erfolg führt. Margit und Viktor, beide 41, können das bestätigen. Zwei Jahre haben sie es erfolglos auf natürlichem Weg probiert, und genauso lang mit künstlicher Befruchtung. Dann haben sie sich mit ihrer Kinderlosigkeit abgefunden. Wenige Monate später wurde Margit überraschend doch noch schwanger.

Die Medizin kann vielen Paaren den Wunsch nach einem Kind erfüllen, aber nicht allen. Künstliche Befruchtung ist kein kurzer Eingriff, der mit Sicherheit zum Erfolg führt. Sondern ein Prozess, der Körper, Seele und Partnerschaft fordert. Am Ende des Weges steht – im besten Fall – das heiß ersehnte Baby.

Tipps

  • Versuchen Sie, trotz Kinderwunsch ein möglichst „normales“ Leben zu führen und innere Ruhe und Gelassenheit zu finden.
  • Sorgen Sie für Abwechslung und angenehme Kontakte und Themen, die nichts mit Kindern zu tun haben.
  • Wenn Sie über 35 sind und Ihr Kinderwunsch sich nach ca. einem halben Jahr noch nicht erfüllt, lassen Sie sich beraten, um nicht wertvolle Zeit zu verlieren.
  • Wenn Sie sich für künstliche Befruchtung entscheiden, diskutieren Sie vorher, wie viel Zeit und Geld Sie investieren wollen.
  • Überlegen Sie gemeinsam, wie Sie Ihre Partnerschaft glücklich und zufrieden gestalten können, auch wenn sich der Kinderwunsch nicht erfüllen sollte.
  • Sorgen Sie nicht nur gut für Ihr körperliches Wohl, sondern nehmen Sie eventuell auch psychologische Unterstützung in Anspruch.
  • Besprechen Sie vorher, wie Sie als Paar die Zeit der Behandlung gestalten und Entlastung im Alltag organisieren können.
  • Bei künstlicher Befruchtung ist die Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsgeburt deutlich erhöht. Überlegen Sie, wie Sie die Versorgung von mehr als einem Baby organisieren könnten.
  • Es ist gut, wenn Sie sich als Mann immer wieder in die Situation Ihrer Frau versetzen. So können Sie leichter nachempfinden, was ihr gut tut, was sie braucht und wie Sie sie unterstützen können.

Checkliste
Auswahl des Kinderwunsch-Instituts

  • Besichtigen Sie eventuell zwei oder drei Institute und führen Sie überall Erstgespräche. Reden Sie über alles, was Ihnen am Herzen liegt. Einige Anregungen:
  • Werden in dieser Praxis ausschließlich oder schwerpunktmäßig künstliche Befruchtungen durchgeführt?
  • Wie hoch ist die Baby-take-Home-Rate? D.h. wie viele Befruchtungen führen zu einer Lebendgeburt?
  • Wie ausführlich werden Sie beim Erstgespräch beraten?
  • Wie hoch sind die Kosten?
  • Gehören Psycholog(inn)en oder Psychotherapeut( inn)en zum Behandlungsteam? Sind sie jederzeit erreichbar?
  • Richten sich die Beratungszeiten nach Ihren Bedürfnissen?
  • Wie viel Erfahrung hat das Team?
  • Vertrauen Sie dem Arzt, der Ärztin?
  • Wie ist die Atmosphäre? Fühlen Sie sich wohl?

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