Spielen wie die Großen

Moritz sitzt in der Sandkistenecke und spielt selbstvergessen mit seinen Holzautos. Seine Schwester Emma und ihre Freundin Karin bauen gemeinsam Sandkuchen und „kochen Tee” im Plastikgeschirr, um ihre Puppen damit zu bewirten. Viktor ist nicht zu sehen. Er hat sich sofort beim Eintreffen im Park seinen Freunden angeschlossen, gemeinsam erkunden sie die „erlaubte” Zone rund um den Spielplatz. Drei Geschwister, und doch so unterschiedliche Charaktere, könnte man sich denken. Das ist hier aber nicht die Erklärung: Moritz, Emma und Viktor sind unterschiedlich alt und gehen daher dementsprechend verschieden mit anderen Kindern um.

Moritz ist zwei Jahre alt. Er spielt noch gerne allein, allenfalls „neben” einem anderen Kind. Nimmt ihm das sein Spielzeug weg, kratzt und schlägt er es, oder er schreit nach Mama/Papa, je nach Laune. Emma ist fast vier. Sie hat schon FreundInnen, mit denen sie spielt, manchmal auch streitet. Öfter müssen die Eltern noch „mithelfen”, wenn die Kinder uneins sind, was als nächstes gespielt wird. Viktor ist der „Große”, er kommt im Herbst in die Schule. Auch er hat einige besondere „Freunde”. Sie schließen sich im Kindergarten, im Park gerne zu Gruppen zusammen. Er kann sich mit seinen Vorschlägen schon ganz gut durchsetzen, manchmal beugt er sich aber auch dem Willen der anderen.

Zwischen dem dritten und dem fünften Lebensjahr entwickelt Ihr Kind seine Fähigkeit mit mehreren Kindern etwas gemeinsam zu machen. Dies ist die Grundlage für die spätere Teamfähigkeit, die im heutigen Leben immer wichtiger wird. Ihr Kind übt zu erkennen, wie es seinen Spielgefährten geht, was sie vorhaben und wie es darauf reagieren kann. Es lernt auch die eigenen Wünsche einzubringen und die anderen von seiner Spielidee zu überzeugen. Dafür muss das Kind eine Reihe von Entwicklungsschritten „vom Ich zum Du zum Wir” gehen und eine Vorstellung vom Wörtchen „wir“ entwickeln. Es hat immer mehr Interesse an anderen Kinder, kann – im Lauf des vierten Jahres – immer besser mit zwei oder mehreren Freunden spielen. Es lernt mit anderen Kindern umzugehen, Regeln zu erkennen und zu akzeptieren, sich einmal durchzusetzen, das andere Mal seine eigenen Wünsche zurückzustellen, Konflikte auszutragen. In der Gruppe spürt es nach und nach ein Zusammengehörigkeitsgefühl und kann Solidarität – Handeln für die Gemeinschaft – entwickeln.

Das alles kann Ihr Kind natürlich weder allein in seinem Kinderzimmer noch ohne Ihre Unterstützung erwerben. Wie das Laufenlernen, das Sprechen, „erlernt” es auch seine sozialen Fähigkeiten durch Nachahmen, Anleitung und viel Übung. Die Familie, auch wenn es Geschwister gibt, reicht in diesem Alter nicht mehr ganz aus. Mit gleichaltrigen Kindern kann es den Umgang mit Menschen trainieren. Ein guter Rückhalt der Eltern oder einer guten Betreuungsperson ist aber natürlich weiterhin nötig.

Zurückhaltend sollten Eltern bei der Auswahl der Freunde des Kindes sein. Prinzipiell sollten Sie Ihr Kind seine Freunde selbst aussuchen lassen. Freundschaften unter Kindern sind oft kurzfristig. Sie lernen im Kontakt mit anderen Kindern diese einzuschätzen. Franz hat einen Freund namens Otto – gemeinsam spielen sie immer mit den Bauklötzen. Hans wiederum hat gestern noch gesagt, dass er sein Freund ist, und heute spielt er mit ganz anderen Kindern. Gerhard ist super zum Bilderbuch- anschauen, aber beim Kräftemessen ist er sehr empfindlich. So lernt Ihr Kind, was einen „guten Freund” ausmacht. „Wie beim Gehenlernen braucht Ihr Kindergartenkind auch beim Thema Freundschaft Ihre Unterstützung und Ihre Erfahrung.

Tipps für Eltern

  • Kinder lernen einen guten Umgang mit Gefühlen durch Nachahmen. Eine gute Gelegenheit für Sie, sich wieder einmal selbst dabei zu beobachten, wie Sie selbst Freundschaften pflegen und mit anderen umgehen. Sagen Sie, was Sie fühlen? Was Sie sich wünschen? Versuchen Sie Missverständnisse aufzuklären? Wie lösen Sie Streitereien?
  • Sprechen Sie mit ihrem Kind auch über die Gefühle und Stimmungen anderer Menschen: „Schau, der Bub ist traurig, jetzt wird er gleich weinen”. „Die Mama hat sich im Büro geärgert, deswegen spricht sie jetzt nicht mit uns und kann nicht über Deine Faxen lachen.“ So helfen Sie Ihrem Kind Gefühle und Stimmungen anderer richtig einzuschätzen.
  • Nützen Sie den Alltag, um mit Ihrem Kind Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft zu üben: Lassen Sie es im Haushalt mithelfen, besuchen Sie gemeinsam kranke Verwandte oder Freunde.
  • Fördern Sie den Gemeinschaftssinn Ihres Kindes: Helfen Sie ihm, positive Gruppenerfahrungen zu machen – bei Spielen, Partys, gemeinsamen Ausflügen.

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