Spielen – ein Baustein des Lebens

Erinnern Sie sich noch an das berühmte Schiffchenspiel aus Ihrer Jugend? Sie haben Dinge aller Art in einen Bach oder Fluss geworfen und zugeschaut, wie sich Ihr „Schiffchen“ weiter bewegt hat. In einigen Fällen wird der Papierdampfer gleich abgesoffen sein. Beim klaren Gebirgsbach auf der Alm haben Sie wahrscheinlich stundenlang Ihrem Holzstück zugeschaut, ihm den Weg freigemacht, Wasser aufgestaut und abgelassen. Und wie einem das Herz stehen bleibt, wenn das Bächlein auf einmal eine kleine Strom-schnelle hat und das Boot unterzugehen droht … Und dann kann man wieder von vorne anfangen mit dem Schiffchen und seiner glorreichen Fahrt. Vielleicht haben Sie auch zu jenen gezählt, die sich weniger auf die Fahrt, sondern vielmehr auf die Produktion von Schiffchen spezialisiert haben. Irgendein Erwachsener hat ja doch ein Taschenmesser mit, und dann wird geschnitten und gebohrt, gestochen und gesägt. Dann setzt man dieses hübsche Schiffchen aufs Wasser und – oh je – was macht es als erstes? Es kentert! Also zurück in die Werft …

Was verzaubert diese Zeiten des Spielens mit Schiffchen, Eisenbahn oder Bausteinen denn so? Dass die Welt im Großen und der Alltag im Kleinen entdeckt wird, alles erlaubt ist, vieles noch einmal ausprobiert werden kann. Und es kommen plötzliche Wendungen daher, das Schiffchen steht unvermutet quer, verliert seine Ladung, strandet, und siehe da, diese Insel wollte man ohnehin schon lange entdecken, und die Expedition beginnt.

Bei ihrer hingebungsvollen Entdeckung der Welt lassen Kinder sich genauso treiben wie Schiffchen. Sie fangen mit dem Naheliegenden an und beobachten, was dann passiert. Kinder haben dabei keinen Plan, und Entdeckungsreisen brauchen ihre Zeit. Kinder sind nämlich gründlich: Sie nehmen die Dinge in den Mund, sie greifen mit ihren Händen, beobachten mit den Augen, nehmen den Geruch auf und hören genau hin. Diese Eindrücke werden gesammelt und verarbeitet. Später, in der Schule, wird dieser Vorgang als Lernen bezeichnet, aber da macht es meist nicht mehr so viel Spaß, denn da kommt der Zwang dazu, gerade jetzt dies oder das zu tun. Übrigens typisch für Erwachsene, die immer alles planen und kontrollieren wollen. Lassen Sie sich doch einmal von Ihrem Kind auf eine zauberhafte Entdeckungsreise durch Ihren Alltag entführen. Spielend werden Sie die Welt mit anderen Augen sehen, wenn Sie sie zusammen mit den Augen Ihres Kindes entdecken.

Tipps für Eltern

  • Machen Sie ihrem Kind „Spielangebote“, die sich an seinen Interessen und Wünschen orientieren. Aber zwingen Sie Ihr Kind nicht zum Spielen. Sie würden das Baby verärgern oder ihm den Spaß am Spiel verderben.
  • In welcher „Spielphase“ Ihr Kind auch immer gerade stecken mag, verlassen Sie sich auf Ihre innere Fähigkeit zu merken, was Ihr Baby gerade interessiert. Lassen Sie sich auf gemeinsame Spiele ein, und genießen Sie diese unbeschwerten Zeiten.
  • Grundsätzlich brauchen Babys nur wenig Spielzeug. Wenn zu viel Spielzeug um es herum ist, fällt den Kleinen das Spielen schwerer. Ihr Kind will vor allem Ihren Alltag entdecken dürfen. Lassen Sie es also eine Lade ausräumen.

S•p•i•e•l•s•t•a•t•i•o•n•e•n

  • Für die ganz Kleinen
    In den ersten Monaten sind Eltern die wichtigsten Spielpartner ihrer Kinder. Wichtig ist dabei aber, dass das Kind selbst bestimmen kann, was, wie lange und mit wem es spielen möchte. Der Säugling ist fasziniert von Gesicht und Stimme der Eltern. Ihr Baby beginnt Laute von sich zu geben, verändert seinen Gesichtsausdruck und zeigt durch Arm- und Beinbewegungen seine Begeisterung. Diese „Plaudern“ mit Mama und Papa ist am Anfang wichtiger als jedes Mobile, Rassel oder Spieluhr. Auch die eigenen Händchen lernt das Baby in den ersten Monaten kennen und spielt mit ihnen.
  • Der Mund – ein Scanner
    Ab dem vierten Monat ist die vorherrschende Spiel- und Erkundungsform in dieser Entwicklungsphase das so genannte Mundeln. Das Kind nimmt fast jeden Gegenstand zum Mund, befühlt ihn mit seinen Lippen und tastet ihn mit seiner Zunge ab. Dieses „Unternehmen“ hat nichts mit Hunger zu tun. Der Mund ist in dieser Zeit das wichtigste Entdeckungsorgan Ihres Kindes und etwa mit einem Scanner vergleichbar. Alles was Ihr Kind in den Mund schiebt, wird dort abgetastet und dann im Hirn dreidimensional abgespeichert. Auch wenn es Ihnen schwer fällt: Lassen Sie Ihrem Kind die Möglichkeit, seine eigenen Finger und ungefährliche bzw. saubere Gegenstände auf diese Art erforschen.
  • Nach 6 Monaten
    In der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres gewinnt das so genannte manuelle Erkunden an Bedeutung. Das Baby beginnt mit allem, was es in die Hand bekommt, zu klopfen, herumzuschieben, zu werfen und zu schlagen. Ihr Kind ist nicht aggressiv oder zerstörerisch veranlagt. Es braucht diese Erfahrungen, um spielerisch die Welt auszuprobieren und kennen zu lernen. Spielzeug oder Gegenstände, die das Baby in dieser Zeit erreichen kann, sollten daher entsprechend robust und ungefährlich sein.
    Im Laufe des ersten Lebensjahres beginnt Ihr Kind zu begreifen, dass es durch sein Tun gezielt etwas bewirken kann. Z.B. merkt es, dass die Glocke deshalb läutet, weil es sie schüttelt. Wird ein Spielzeug mehrmals an einer Schnur über den Tisch gezogen, versucht das Kind selbst das Spielzeug über den Tisch zu ziehen und begreift so spielerisch den Zusammenhang zwischen seinem Tun und den Folgen.
  • Rund um den ersten Geburtstag
    Nach ungefähr einem 3/4 Jahr beginnt Ihr Kind sich immer mehr Dinge für kurze Zeit zu merken. Bis zu diesem Zeitpunkt gilt für Kinder der Spruch „aus den Augen – aus dem Sinn“. Die nun vorhandene Merkfähigkeit erprobt Ihr Kind spielend auf viele Arten. Es wirft Gegenstände hinunter und betrachtet bewusst, wie und wohin sie verschwinden. Es steckt Spielsachen in eine Schachtel und nimmt sie wieder heraus, es deckt seinen Teddy zu und wieder ab. Auch gemeinsam mit den wichtigsten Bezugspersonen wird die nun zunehmende Merkfähigkeit erprobt: Das Kind schaut weg und wieder her und freut sich, wenn die Eltern lachend gugugaga sagen.

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