Spieglein, Spieglein an der Wand

Waren früher die von Essstörungen betroffenen Mädchen 13 bis 25 Jahre alt, sind es heute bereits Zehnjährige. „Die Optik ist bereits früh der Maßstab, um dazuzugehören“, so die Wiener Frauengesundheitsbeauftragte Univ.-Prof. Dr.in Beate Wimmer-Puchinger. „Bereits jede zweite 13-Jährige experimentiert mit Diäten.“ Wer nicht mithält, wird schnell zur Außenseiterin. Gesundheitsprob leme – Zahnschäden bis Herzrhythmusstörungen – werden in Kauf genommen. In Wien sind 2.000 Mädchen und 100 Burschen von Magersucht oder Bulimie betroffen. Prävention in Schulen, Eltern-Gespräche, bewussterer Medienkonsum und die Beratung z. B. durch die Essstörungs-Hotline steuern gegen.

Ich bin wer! Der Magerwahn ist aber nur eine der Auswirkungen falscher Schönheitsideale. Wie wichtig das Erscheinungsbild ist, zeigt sich genauso beim Markenbewusstsein – etwa bei Kleidung und Handys. Auch hier geht es ums Dazugehören, um zu zeigen: Ich bin wer. Romeo Bissuti, Männerberatung MEN: „Wer sich das nicht leisten kann, begeht manchmal sogar einen Diebstahl.“ Ein weiterer Trend: „Die Beautyindustrie hat den Absatzmarkt Mann entdeckt.“ Laut „Bravo Trend Monitor“ geben Burschen mehr Geld für Kosmetik aus als Mädchen.

Schönheit muss sporteln. Während Mädchen „nur“ hungern, schwitzen Burschen in der Kraftkammer. Ihr extremes Schönheitsideal spiegelt sich in Muskel-Wahn und Doping-Missbrauch. Die Folgen: Herz-Kreislauf-Schäden. „Vor allem sozial benachteiligte Jugendliche wollen durch diese verkörperte Männlichkeit Teil einer Gesellschaft sein, von der sie sonst – etwa aufgrund mangelnder Bildung oder schlechter Jobaussichten – ausgeschlossen sind“, so Romeo Bissuti.

Hotline für Essstörungen: Tel. 0800/20 11 20,
www.essstoerungshotline.at
MEN: Telefon 01/601 91-5454,
www.men-center.at
Frauengesundheit: Telefon 01/40 00-87163,
www.frauengesundheit-wien.at

„Der perfekte Körper und Statussymbole sind für viele Jugendliche ein Zeichen der Zugehörigkeit. Das junge und mehrsprachige Team bei MEN vermittelt z. B. in Workshops, welche Gefahren lauern und wie junge Männer ihren eigenen Weg finden.“
Mag. Romeo Bissuti, MEN – Männergesundheitszentrum

Autor: Silvia Pistotnig

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