„So nehmen Sie entspannt ab!“

Ursula Vybiral kennt sich mit Diäten aus – hat sie doch schon selbst zahlreiche der berühmt-berüchtigten Hollywood-Diät (unter anderem Ananas- und Kohlsuppe-Diäten) hinter sich. Als Kind und Jugendliche war sie mal schlank, mal dick. Auch vor mysteriösen Methoden – wie der sogenannten Fettwegspritze – schreckte sie nicht zurück. Irgendwann hat es ihr aber gereicht: Vybiral, die viele Jahre im Bereich Marketing tätig war, beschäftigte sich nach der Geburt ihrer Tochter intensiv mit Ernährungsfragen. Nach zahlreichen Ernährungscoaching-Kursen und -Seminaren entwickelte sie 2006 in Zusammenarbeit mit Ernährungsmedizinern, Gynäkologen, Internisten, Zahnärzten und einer Allergologin das Konzept „easy eating“. Das Credo: Langfristige gesunde Ernährungsumstellung anstatt gefährliche Diäten. Verzichtet wird auf nichts, im Gegenteil: Genuss statt Frust steht hier im Vordergrund! Und schon sind wir mitten im Gespräch mit der erfolgreichen Ernährungsberaterin, die auch beim Privatsender Puls 4 Ernährungstipps gab, Workshops und Seminare in Firmen und Hotels hält und 2013 ihr erstes Buch veröffentlichte …

GESÜNDER LEBEN: Vielen Menschen fällt Abnehmen sehr schwer …
Ursula Vybiral: … weil Essen viel mit Gewohnheit und dem Seelenleben zu tun hat. Und: Abnehmen ist kein Konzept, das man allen Menschen einfach so überstülpen kann. Genau hier setzt auch meine Methode „easy eating“ an: Abnehmen und Ernährung im Allgemeinen ist individuell. Eine dreifache Mutter und Ehefrau hat andere Essensbedürfnisse als beispielsweise ein Single-Mann oder ein Unternehmer – einfach schon deshalb, weil die Lebensumstände ganz andere sind: Wie oft werde ich am Tag mit Essen konfrontiert? Was bedeuten mir die Chips am Abend beim Fernsehen oder die Schoko als Betthupferl? Es geht darum, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen, zu analysieren und diese dann langfristig zu ändern. Wie kann ich konditionierte Impulse wieder auflösen? Und, ganz wichtig: Es geht um eine langfristig ausgelegte Ernährungsumstellung! Denn das ist der einzige Weg, gesund und dauerhaft an Gewicht zu verlieren – oder an Gewicht zuzunehmen, denn auch darum geht es einigen.

GL: Muss man beim Abnehmen auf Süßigkeiten oder andere „kleine Sünden“ verzichten?
Nein! Essen hat mit Lust und Leidenschaft zu tun. Nur wenn man sich täglich kleine Sünden erlaubt, kann man auf der Langstrecke erfolgreich bilanzieren. Man spricht ja auch von „Soulfood“: Essen, das der Seele guttut. Ich hatte einen Klienten, der bekam als Kind immer Grießkoch als Trost, wenn er sich wehgetan hat. Diese Gewohnheit hat er bis zum hohen Erwachsenenalter beibehalten. Wieso sollte ich diesem Mann seinen Grießkoch wegnehmen?! Ich enttabuisiere bestimmte Lebensmittel. Was ich meinen Klienten sehr wohl wegnehme, ist die Leberkässemmel oder das gewaltige Schokoladeeis an der Tankstelle, nur weil sie es so gewohnt sind. Das muss nicht sein.

GL: Das Stichwort ist also „Bewusstsein“ …
Genau, es geht um Selbstbestimmung, Eigenverantwortung und Prioritätensetzung. Ernährung ist eine bewusste Entscheidung: Bin ich abends bei Freunden eingeladen, schränke ich mich untertags beim Essen ein. Ja, den selbst gemachten Marillenfleck bei der Familienfeier esse ich jetzt – und zwar mit Genuss. Nein, zum Teller mit den im Supermarkt gekauften Schokokeksen im Büro greife ich nicht, dafür bewusst zum Obststeller. Bei einem mehrgängigen Menü kann ich auch einen Gang aussetzen. Oder: Wer abends vorm Fernseher etwas knabbern möchte, macht sich besser einen Antipasti-Teller, bestehend aus Parmesan, Oliven, Kapern, Rohkost und Rindersaftschinken. Denn eines muss klar sein: Mit der überbackenen Lasagne abends nehme ich nicht ab, mit Fisch und Gemüse aber schon. Ich muss Kompromisse machen. Was Süßigkeiten betrifft: Ich spreche hier vom „kleinen Nasch“, den ich gemeinsam mit meinen Klienten festlege. Die Nasch-Ration liegt bei circa 200 bis 220 Kalorien täglich. Dieser kleine Nasch ist bei meinen Klienten besonders beliebt.

GL: Und wie sieht es mit Kohlenhydraten und Fetten aus?
Auch hier halte ich nichts von Verboten. Statt „low carb“ spreche ich von „good carb“: Gute Kohlenhydrate sind unter anderem Erdäpfel, Reis, Haferflocken, Couscous, Bulgur, Buchweizen, Vollkornnudeln, Kichererbsen, Gemüse und Obst. Schlechte sind vor allem Weißmehl, raffinierter Zucker, Schokolade, Chips oder auch Laugengebäck. Ich soll also die guten essen – auch etwas reduziert und besser mittags als abends, dann aber mit Genuss!  Man sollte sich generell gegen zu spätes Essen am Abend entscheiden. Was die Fette betrifft: Pflanzliche Fette sind eher okay, tierische Fette nur in kleinen Maßen! Übrigens: Auch frühstücken ist nicht absolut zwingend, wenn man es nicht gerne tut. Man sollte dann aber im Laufe des Vormittags eine Kleinigkeit zu sich nehmen, um nicht nachmittags in die Heißhunger-Falle zu tappen.

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