So gefährlich ist Schnarchen

Schnarchen ist gefährlich. Für den Betroffenen – zumindest wenn der durch laute Geräusche gestörte Partner irgendwann zur Selbsthilfe greift. Schnarchen kann aber auch ein Zeichen einer ernsthaften Erkrankung sein. Jedenfalls ist es ein Problem, das rund ein Drittel aller Männer und ein Viertel aller Frauen betrifft. Auch Kinder schnarchen. Univ.-Prof. Dr. Andreas Temmel, Facharzt für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde sowie Kopf- und Halschirurgie im KH der Barmherzigen Schwestern in Wien: „Vor allem im Alter zwischen drei und sechs Jahren neigen Kinder zu Mandelentzündungen, häufig entstehen Polypen – diese Umstände begünstigen das Schnarchen.“ Die Tendenz, zum Schnarcher zu werden, erhöht sich mit zunehmendem Alter. Doch Schnarchen ist nicht immer nur ein harmloser akustischer Störfaktor: Mediziner unterscheiden das sogenannte habituelle Schnarchen, ein gelegentliches Schnarchen, das fast jeder kennt. Aber rund 30 Prozent der Schnarcher sind chronische Schnarcher, und fünf bis zehn Prozent leiden sogar an einem Schlafapnoe-Syndrom, also nächtlichen Atemaussetzern.

Schnarchen hat viele Ursachen. Schnarchen entsteht, wenn die Muskulatur im Nasen- oder Rachenraum im Schlaf zu stark erschlafft. Das kann durch verschiedene Faktoren begünstigt werden: etwa durch ein paar Gläschen Alkohol vor dem Schlafengehen, üppiges Essen oder die Einnahme von Schlaftabletten. Wer darüber hinaus an Übergewicht leidet, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit schnarchen. Aber auch anatomische Besonderheiten, wie ein schlaffes Gaumensegel, ein übergroßes Gaumenzäpfchen oder vergrößerte Mandeln sind mögliche Schnarch-Ursachen. Andere mechanische Atemhindernisse können eine verkrümmte Nasenscheidewand, eine chronische Nebenhöhlenentzündung oder Nasenpolypen sein. Auch Fehlstellungen der Kiefer, wie etwa ein Rückbiss oder ein zu weicher Kehlkopfdeckel, können das Schnarchen verursachen.

Wann wird Schnarchen gefährlich? Der Übergang zwischen harmlosem Schnarchen und einem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom ist fließend und vom Schnarcher selbst kaum feststellbar. Handelt es sich um ein gefährliches Schlafapnoe-Syndrom, kommt es zu deutlich hörbaren Atemaussetzern im Schlaf. Mehr als fünf Atemaussetzer pro Stunde bezeichnen Mediziner bereits als kritisch, denn diese führen zu einer verringerten Sauerstoffsättigung des Bluts. Temmel: „Ein nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgtes Gewebe altert rascher, es wird brüchig. Steigt in der Folge auch der Adrenalinspiegel, kommt es zu erhöhtem Blutdruck. Diese Kombination erhöht das Herzinfarktrisiko. Eine Schlafapnoe muss unbedingt behandelt werden, unbehandelt sterben 50 Prozent der Betroffenen innerhalb der nächsten acht Jahre!“ Das Typische am obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom ist, dass die Atemaussetzer in Einzelfällen bis zu 60 Sekunden oder länger andauern. Betroffene merken von ihrem Geschnarche selbst meist nichts. Sie klagen jedoch untertags häufig über Müdigkeit. Und: Das Kurz- und Langzeitgedächtnis wird negativ beeinflusst, häufig leiden Apnoe-Betroffene vermehrt an Depressionen.

So schaffen Sie Klarheit. Eine Diagnose kann mithilfe einer ambulanten Untersuchung oder durch eine Klärung im Schlaflabor erstellt werden. Bei mechanischen Atemhindernissen können unterschiedliche Therapien Abhilfe schaffen – zumeist Operationen. Basis jeder Therapie ist in jedem Fall die Einhaltung einer guten Schlafhygiene. Wer also auf das üppige Mahl, auf Alkohol, Zigaretten oder Schlafmittel verzichtet, hat gute Aussichten, dass sich der Schlaf wieder normalisiert. Auch das Einhalten eines fixen Schlafrhythmus ist ein guter therapeutischer Teil-Ansatz.

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