„So aktivieren Sie Ihre Selbst­heilungskräfte!“

An dieser Stelle schreiben wir wahrheitsgemäß oft, dass unsere Interviewpartner gerne und viel lachen, wenn wir mit ihnen ein Gespräch führen. Ulrike Beimpold, langjährige Burgtheater-Schauspielerin und gerade im neuen Karl-Markovics-Film „Superwelt“ zu bewundern, lacht selten, als wir uns mit ihr treffen. Wenn sie aber lacht, dann gezielt, überlegt und aus vollem Herzen. Sie ist ein ruhiger Mensch, einer, der sich Gedanken über sich, aber vor allem um die Welt um sich herum macht. Ein Mensch, der über den Tellerrand hinausblickt. Während unseres Gesprächs trinkt Ulrike Beimpold Kräutertee, den sie mit stillem Wasser verlängert. Es passt zum Bild der gesundheitsbewussten, nachdenklichen Dame, das während unseres Termins entsteht. Wir sprechen über Religion, Selbstheilungskräfte des Körpers und warum der Mensch manchmal doch eine Insel ist – und auch sein sollte. Und am Ende des Gesprächs, da lacht Beimpold doch noch. Herzhaft. Und zwar über sich selbst. Weil Menschen, die mit sich und der Welt im Reinen sind, das können. Und es gerne tun.

GESÜNDER LEBEN: In „Superwelt“ spielen Sie die Supermarktkassiererin Gabi, die plötzlich die Stimme Gottes hört. Da drängt sich natürlich die Gretchen-Frage auf: Wie halten Sie’s mit der Religion?
Ulrike Beimpold: Ich verwende für mich nicht das Wort „Religion“ oder „religiös“, weil in Zeiten wie diesen diese Begriffe doch sehr beladen und mit allerhand, auch negativen Konnotationen behaftet sind. Ich habe für mich selbst einen ganz persönlichen Glauben gefunden und spreche auch nicht von „Gott“, sondern von „göttlicher Energie“ bzw. „Quelle“. Ich bin, auch aus eigener Erfahrung, davon überzeugt, dass wir alle zwar einzelne Individuen sind, aber dass wir durch eine göttliche Art und Weise miteinander verbunden sind und wir alle aus einer gemeinsamen Quelle entstammen. Insofern ist mein Glaube nicht an eine bestimmte Religion gebunden.

GL: Das klingt interessant.
Ich entschließe mich jeden Tag zur Helligkeit. Das ist ein aktiver Entschluss und nichts, was von alleine passiert. Es ist im Leben nicht immer alles lustig und schön. Man muss sich aktiv dazu entschließen, das Schöne zu sehen. Es geht um Horizonterweiterung: Wie kann ich was erleben? Es ist eine aktive Entscheidung, welchen Blickwinkel ich einnehme. Ein Entschluss für das Positive, für das Helle.

GL: Kennen Sie Situationen, in denen Sie das Gefühl hatten, dass eine höhere Macht Sie beschützt oder gar mit Ihnen spricht?
Täglich. Ich höre nicht Stimmen, sondern dieses Gefühl zeigt sich bei mir in Bildern, die ich deutlich sehen kann. Eines der großen Aha-Erlebnisse war sicherlich der Tod meiner Mutter vor zwanzig Jahren. Damals habe ich mich mit dem Tod sehr beschäftigt – ich glaube generell, dass wir Menschen das viel zu wenig tun. Tod ist ein Teil des Lebens: Es gäbe kein Leben ohne den Tod. Der Weg für uns alle ist eine Hinwendung zur Bewusstwerdung – egal in welchem Zeitrahmen das passiert. Das bedeutet, dass ich als ersten Schritt den Blick aus dem eigenen Ego verlasse. Sich bewusst zu werden, dass es nicht immer nur um sich selbst geht und jeder die Welt anders sieht. Das klingt jetzt vielleicht etwas blumig, aber ich glaube, dass dieser Ansatz maßgeblich zur Heilung der ganzen Welt beitragen würde. Einfach die eigene Perspektive verlassen und jene meines Gegenübers einnehmen. Erst wenn ich mich öffne, kann ich in Kommunikation treten und bleibe nicht in meiner Höhle gefangen.

GL: Gelingt Ihnen das tatsächlich?
Ja. Durch intensives und jahrelanges Training und eben durch den aktiven Entschluss, dies zu tun. Wenn es einem schlecht geht, könnte man sich fragen: Was kann ich tun, um die eigene Energie zu erhöhen, ohne andere dafür verantwortlich zu machen? Denn so viele Krisen im Privat- und Arbeitsleben entstehen deshalb, weil man den anderen für etwas verantwortlich macht, was man eigentlich selbst lösen sollte.

GL: Wie kann man sich dieses Training vorstellen?
Ich habe in den letzten Jahrzehnten sehr viele Bücher zu diesen Themen gelesen. Nach dem Tod meiner Mutter habe ich mit Psychologen gesprochen, aber auch viele Alternativ-Mediziner aufgesucht. Das hat mir sehr geholfen, vor allem habe ich gelernt: Nur wenn Körper, Geist und Seele im Einklang sind, kann es dem Menschen gut gehen. Man kann keine gesunde Seele haben, wenn man sich nicht mit seinem Körper beschäftigt. Und umgekehrt. Ich kann behaupten, eine ausgeprägte mentale seelische Stärke zu besitzen.

GL: Haben Sie Erfahrung mit TCM-Medizin oder Ähnlichem?
Ja, sehr viel mit TCM, aber auch zum Beispiel mit der Rolfing-Methode. Bei dieser manuellen Körperarbeit werden Meridiane sowie bestimmte Punkte im Körper aktiviert, um so seelische Verspannungen zu lösen. Natürlich kenne ich auch als Schauspielerin bestimmte Tricks, zum Beispiel Atem- oder Meditationsübungen, um herunterzufahren und die eigene Perspektive erweitern zu können. Ich habe zum Beispiel gelernt, Nervosität in Konzentration umzuwandeln. Nervosität ist nichts anderes als starke Energie, die gebündelt in etwas Positives umgeformt werden kann. Ich habe gelernt, mich inmitten einer Menschenmasse in mich selbst vollends zurückzuziehen, mich auf mich zu konzentrieren und quasi zu einer Insel zu werden. Das kann ich jedem empfehlen.

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