„Singen ist wie Hochleistungssport“

Elina Garanca war schon immer eine schöne Frau. Doch die Lettin hatte etwas Strenges, fast Hartes in ihren Zügen. Das ist nun komplett verschwunden. Aus ihrem herzlichen, warmen Lachen strahlt uns das Mutterglück entgegen, als die Opern-Diva zum Comeback-Interview in ein Wiener 4-Sterne-Hotel bittet.
Im Jänner brachte die gefeierte Mezzo-sopranistin in London ihre Tochter Cristina Sophie auf die Welt. Es ist bereits ihr zweites Kind mit ihrem Ehemann und Lieblingsdirigenten Karel Mark Chichon, Töchterchen Catherine ist schon zwei Jahre alt. Ihrer Familie zuliebe gönnte sich die viel beschäftigte Sängerin eine Pause, wenn auch nur eine kurze. „Alles eine Sache der Organisation“, ist sie überzeugt, wenn es um Kinder und Karriere geht – und so kehrte sie bereits für einige Konzerte auf die Bühne zurück. Doch davor haben wir uns mit der sympathischen und organisierten Mama über Gesundheit und Fitness unterhalten – die beiden Grundpfeiler für ihren anstrengenden Job. Und über lästige Babypfunde, die Garanca gar nicht so stören  …

GESÜNDER LEBEN: Willkommen zurück aus der Babypause. Jetzt hat sie ja doch ein wenig länger gedauert als geplant – ursprünglich wollten Sie doch schon im Frühjahr an der Wiener Staatsoper singen?

Elina Garanca: Ich habe mir gewünscht, mit dem „Rosenkavalier“ zurückzukehren, so war es auch nach meiner ersten Tochter. Aber als ich mir das vorgenommen hatte, war ich wohl übermütig. Mir war klar, dass ich noch nicht fit genug für eine ganze Oper bin – da braucht man mehr Schlaf in der Nacht.

GL: Fällt Ihnen der Schritt zurück ins anstrengende Berufsleben diesmal leichter als nach der Geburt Ihrer ersten Tochter?
Doch, durchaus. Wir sind schon viel eingespielter – und wussten ja auch, was uns erwartet. Beim ersten Kind ist noch alles neu, man ist viel vorsichtiger. Und ich wollte mir damals auch mehr Zeit lassen, um an meiner Gesangstechnik zu arbeiten, bevor ich auf die Bühne zurückkehre.  Diesmal habe ich das Singen sogar mehr vermisst als beim letzten Mal.

GL: Ihr Job als Opernsängerin verlangt viel Disziplin. War es in Ihrer Pause nun einmal angenehm, nicht ganz so streng mit sich sein zu müssen?
An sich schon, aber diesmal ist die Pause so wahnsinnig schnell vergangen. Im Oktober hatte ich mein letztes Konzert. Plötzlich war schon Weihnachten – und das Kind war da. Dann war es mit der Ruhe auch schon wieder vorbei. Und wenn man bereits eine Tochter zu Hause hat, bleibt ohnehin keine Zeit mehr. Jetzt ist alles eine unglaubliche Koordinationssache: In aller Frühe muss ich stillen, dann wacht die Größere auf, Frühstück und Kindergarten, ich hüpfe schnell unter die Dusche, mache Sport, und dann kommt Cathie auch schon wieder heim und will spielen. Wieder stillen, Essen vorbereiten, Kinder ins Bett bringen. So um 23 Uhr falle ich dann todmüde ins Bett – und um zwei Uhr Früh geht alles von vorne los … (lacht)

GL: Wie machen Sie es denn jetzt, wenn Sie auf Reisen sind?
Diesmal ist die Kleinere bei mir, die Größere zuhause beim Papa. Und dann wird auch die Oma eingespannt. Im Jänner, Februar und März war ich durchgehend daheim, nun ist der Papa mehr gefordert. Wir versuchen da, eine Balance zu finden. Und wir haben ein ganz tolles Team an Nannys. Eine reist immer mit uns mit. Wenn wir mit beiden Mädchen für längere Zeit unterwegs sind, nehmen wir sogar zwei mit. Mein Mann und ich sind es gewohnt, für einen Monat von zu Hause weg zu sein. Aber für die Kindermädchen kann das schon einsam werden, wenn sie immer in einem Hotelzimmer mit dem Baby eingesperrt sind, sie brauchen ein bisschen Gesellschaft.

Interessantes

- Advertisement -Jentschura

Empfehlungen