Sicher in der Fremde

Von den vielen, teilweise widersprüchlichen Botschaften, die Eltern bei der Erziehung ihres Kindes erhalten, ist die Frage nach der richtigen Kinderbetreuung oft die meistdiskutierte.Sagen die einen, das Kind braucht die Mutter, sagen die anderen, das Kind braucht beide Eltern. Alle Eltern müssen aber auch für den Lebensunterhalt sorgen, und niemand möchte versäumen zu erleben, wie sein Kind heranwächst. Da werden die Interessen der Frauen gegen die Bedürfnisse der Kinder ausgespielt, und Unvereinbarkeit von Familie und Beruf wird in den Raum gestellt. Lassen Sie sich nicht verunsichern! Suchen Sie eine Lösung, die für alle Familienmitglieder passt, und vergessen Sie nicht, dass kleine Kinder sich bei größeren Veränderungen ganz anders verhalten als Erwachsene. Dies gilt auch für den Start in einer Kinderbetreuungseinrichtung.

Ihr Kind braucht Ihre Nähe und Ihren Schutz, um sich an die neuen Menschen, Erwachsene wie Kinder, an eine neue Umgebung und an den neuen zeitlichen Ablauf zu gewöhnen. Wenn sich die Form der Betreuung für Ihr Kind verändert, ist das eine große Herausforderung,  die es nur mit Ihrer Hilfe bewältigenkann. In den Elternbriefen für das erste Lebensjahr wurde die Bindung des Kindes an die Eltern als Leo fürs Leben bezeichnet. Aus der Sicherheit der Beziehung zu den Eltern kann das Kind seine Neugier und seinen Entdeckungstrieb ausleben. Ihr Kind ist sich sicher: solange Mami und Papi bei mir sind, kann mir nichts passieren. Wenn Sie Ihrem Kind also ermöglichen, in seinem eigenen Tempo die Tagesmutter, die Kindergruppe, die Krippe oder den Kindergarten (um nur einige Beispiele aufzuzählen) mit Ihnen gemeinsam zu entdecken, dann wird mit allergrößter Wahrscheinlichkeit die vorerst noch fremde Kinderbetreuung von Ihrem Kind gut angenommen werden.

Was also sind die Voraussetzungen für einen guten Übergang? Sie brauchen viel Zeit und eine gute Beobachtungsgabe. Sie sollten in dieser Übergangsphase Ihr Kind nicht unter Druck setzen müssen, so nach dem System: „Dir muss es aber dort gefallen”. Und Sie sind besonders gefordert, die Reaktionen und die Entwicklung Ihres Kindes in Ruhe zu beobachten.

Im Idealfall – der allerdings oft nicht umsetzbar ist – beginnen Sie 5–6 Monate bevor Sie wieder mit der Erwerbsarbeit beginnen wollen mit der Suche nach einem Betreuungsplatz, der der ganzen Familie sympathisch ist und Ihren Vorstellungen entspricht. Begleiten Sie Ihr Kind an seine zukünftige Betreuungsstätte und bleiben Sie mit ihm bzw. mit ihr dort.Wenn Sie sich in Ruhe hinsetzen und Ihr Kind beobachten, werden Sie feststellen, dass es seine neue Umgebung, die Menschen und die Spielsachen erkundet und erforscht. Dazwischen wird Ihr Kind sich immer wieder vergewissern, dass Sie, seine Stütze und sein Leo, noch immer da sind. Am Anfang wird es sich immer wieder in Ihre Arme flüchten, später wird immer öfter auch nur ein Blickkontakt genügen. Eine deutsche Untersuchung hat gezeigt, dass dieser Eingewöhnungsprozess meist zwischen 6 und 14 Tage andauert. In manchen Fällen braucht es sogar drei Wochen. In dieser Zeit sollten Sie immer gemeinsam mit Ihrem Kind in die Betreuungseinrichtung gehen. Wenn Sie merken, dass IhrKind Sie nicht mehr zum Spielen braucht und sich leicht von der Tagesmutter oder ErzieherIn  trösten lässt, auch wenn Sie weggehen,dann wissen Sie, dass Ihr Kind sich gut an die neue Betreuung gewöhnt hat. Ihr Kind hat bereits zu der neuen Betreuungsperson so viel Vertrauen aufgebaut, dass es sich wohl fühlt.Durch Ihre Begleitung haben Sie ihm die notwendige Unterstützung und Sicherheit gegeben, zu diesem Ergebnis zu kommen. Wenn diese lange Vorbereitungszeit nicht möglich ist, dann geben Sie Ihrem Kind während der Umstellung so viel Zuwendung, Aufmerksamkeit und Nähe wie möglich.

Übrigens, die Fremdbetreuung ist für Ihr Kleines zunächst doch ganz schön anstrengend. Deshalb sollte es am Anfang, wenn irgend möglich, nur halbtags außer Haus betreut werden. Ein halber Tag Aufregung reicht einfach.

Wenn Sie also eine Ganztagsbetreuung anstreben, dann planen Sie vorher mindestens 12–15 Wochen ein, in denen Ihr Kind nur halbtags betreut wird. So hat Ihr Kind ausreichend Eingewöhnungszeit, und damit steigt Ihre Sicherheit, dass Ihr Kind auch mit dieser Lösung zufrieden ist. Sie sehen also, von Beginn der Auswahl der richtigen Einrichtung, zur persönlichen Begleitung des Kindes für drei Wochen bis hin zu noch einmal ca 3 Monaten Halbtagsbetreuung – alles in allem sind 5–6 Monate Vorbereitungszeit nicht zu hoch gegriffen.

Es ist nicht in allen Betreuungseinrichtungen leicht möglich, das eigene Kind so lange zu begleiten. Eine gute Eingewöhnungsphase ist aber sicherlich auch den BetreuerInnen sehr wichtig. Versuchen Sie sich diesen langsamen Übergang auszuhandeln. Sie tun allen Beteiligten etwas Gutes damit. Und das ist ja letzten Endes Ihr Ziel; arbeiten zu gehen, mit der Sicherheit, dass es Ihnen und Ihrem Kind gut geht.

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