Sich immer wieder neu verlieben

Wenn zwei sich kennen lernen, dann ist ein guter Zündstoff für das erste Feuer des Verliebtseins das Bedürfnis, den anderen zu entdecken. Bei Wanderungen verirrt man sich, weil man vor lauter miteinander reden vergisst, auf die Wanderkarte zu schauen. Essen verbrennt am Herd, weil die CD so schön war. Und auch wenn der Terminkalender vorher noch so voll war, auf einmal – wie von magischer Hand gelenkt – verschwinden all die ach so wichtigen Termine, und es findet sich noch ein Stündchen für den neuen Schatz. Einer führt den anderen in die Welt der Mountainbiker ein, der andere wiederum erklärt die Welt der Musik. Irgendwann kennt man sich dann, und das ist in den Filmen meist das berühmte „Happy End“, und das Paar heiratet. Aber kennt man dann die Welten des anderen wirklich bereits umfassend?

Überlegen Sie in Ruhe, was sich in Ihrem Leben für Sie in den letzten Wochen und Monaten geändert hat. Was hat sich bei Ihnen beruflich getan? Wie haben Sie die Schwangerschaft erlebt? Was für ein Einschnitt war die Geburt in Ihrem Leben? Was fühlen Sie, wenn Sie Ihr Kind anschauen? Was für Erfahrungen haben Sie in dieser Umbruchsituation mit Ihrem Partner, Ihrer Partnerin gemacht? Können Sie da ehrlich sagen, dass sich in Ihrer Welt nichts geändert hat? Wahrscheinlich haben Sie gerade die letzten Monate sehr intensiv empfunden und sind mit sehr vielen völlig neuen Empfindungen und Situationen konfrontiert. Und da soll es nichts Neues bei Ihnen zu entdecken geben?

Vor der Geburt Ihres ersten Kindes war für Sie beide die Alltagsgestaltung ähnlich. Das ist jetzt anders. Der Tagesablauf und der Inhalt Ihrer Arbeit unterscheidet sich sehr. Einer kümmert sich, zumindest vorübergehend, um Kind und Haushalt, der andere geht einer Erwerbsarbeit nach. Es kommt durch diese Arbeitsteilung meist zu einer Spezialisierung. Und je mehr jeder in seiner Welt lebt, um so weniger vertraut ist einem die Welt des anderen. Diese Situation fördert Missverständnisse, und jeder bekommt das Gefühl, unverstanden, ja einsam zu sein. Und manchmal beneiden sich die Partner gegenseitig um die Vorteile der jeweils anderen Lebenssituation. Auf diesem Nährboden wachsen Ängste, Vorwürfe und Streitigkeiten wie die Schwammerln. Es gibt viele Paare, die sich Jahre später scheiden lassen, weil in diesen ersten Monaten schwer wiegende Verletzungen entstanden sind.

Doch es gibt ein Mittel dagegen: Entdecken Sie den anderen immer wieder neu! So wie damals, als Sie sich ineinander verliebt hatten. Sie mögen heute die Bewegungen, Sprüche und Einstellungen Ihres Gegenüber kennen. Aber Sie wissen nicht, was er oder sie sich heute während des Zähneputzens beim Blick in den Spiegel gedacht hat. Worüber hat sich Ihr Partner gestern am meisten gefreut? Was hat sie bei den Abendnachrichten am meisten interessiert? Wann war er das letzte Mal gerührt? Was hat Ihre Partnerin heute besonders genervt? Erzählen Sie einander, was Sie erlebt haben. Beschreiben Sie, wie es Ihnen damit geht. Sagen Sie, wofür und wie Sie sich jetzt verantwortlich fühlen. Nehmen Sie sich auch genügend Zeit zum Zuhören. Gerade die alltäglichen Kleinigkeiten, die auf den ersten Blick so unwichtig scheinen, brauchen Beachtung. Sicherlich, das Kind nimmt auf einmal viel Raum und Zeit in Ihrem Leben ein. Doch vergessen Sie nicht: Sie werden Ihrem Kind leichter eine gute Mutter und ein liebevoller Vater sein, wenn auch Sie sich miteinander wohl fühlen.

Tipps für Eltern

  • Planen Sie unbedingt regelmäßig Zeit ein, die Ihnen nur als Paar gehört.
  • Das gemeinsame Vergnügen als Paar muss auch Platz haben, damit Sie zu zweit nicht nur die Arbeit, sondern auch angenehme Erfahrungen teilen.
  • Schlucken Sie Unmut und Ärger nicht immer hinunter, sondern teilen Sie Ihre Gefühle Ihrem Partner zu einem passenden Zeitpunkt mit. Suchen Sie dann gemeinsam nach Lösungen.
  • Reden Sie sich nicht mit „Mama“ und „Papa“ an. Oder wollen Sie einander auf diese Rollen einschränken?
  • Alles kann sich immer wieder ändern. Was Sie sich heute bezüglich Arbeitsteilung mit Ihrem Partner ausgemacht haben, kann in kurzer Zeit wieder anders sein. Melden Sie Ihre Schwierigkeiten an, erklären Sie, was sich bei Ihnen ver ändert hat. Überlegen Sie gemeinsam, wie Sie diese neue Herausforderung bewältigen können.
  • Planen Sie gemeinsam, wer wann auch einmal „frei“ von der Familie hat und alleine einem Hobby nachgehen kann oder Freunde bzw. Freundinnen treffen kann, ohne dass der Partner sich gleich benachteiligt fühlt. Vielleicht hat jeder von Ihnen einmal pro Woche freie Zeit für sich?
  • Wenn Sie das Gefühl haben, Sie kommen miteinander in Ihrer Beziehung und/oder Ihrem Sexualleben nicht auf einen grünen Zweig, scheuen Sie nicht davor zurück, auch professionelle Hilfe z.B. in einer Familienberatungsstelle in Anspruch zu nehmen. Ihre nächstgelegene Familienberatungsstelle erfahren Sie beim Familienservice des Bundesministeriums für soziale Sicherheit und Generationen unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 240 262.

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