Sex? Keine Frage des Alters!

Auch mit zunehmendem Alter nimmt bei Frauen die Zufriedenheit mit dem eigenen Sexleben nicht ab – so Wissenschafter der Universität San Diego. Im Rahmen einer Studie haben die Forscher 1.235 Frauen im Alter zwischen 60 und 89 Jahren befragt und herausgefunden, dass 67 Prozent der 60- bis 69-Jährigen mit ihrem Sexleben zufrieden waren. Und selbst bei den über 70- und über 80-Jährigen waren es immer noch über 60 Prozent. Die Wissenschafter stellten allerdings auch fest, dass es den Probandinnen nicht darauf ankam, wie häufig sie Sex hatten. Wichtiger war indes, ob sich die Frauen generell im Alter wohl- fühlten und zufrieden waren. Und jene, bei denen das der Fall war, bewerteten ihr Sexleben ebenfalls als gut. Für Univ.-Prof. Dr. Dr. Josef Christian Aigner von der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck ist das nichts Neues. Vielmehr ist der Leiter des Instituts für Psychosoziale Intervention und Kommunikationsforschung der Meinung, dass man den Begriff „Alterssexualität“ ohnehin abschaffen sollte: „Selbstverständlich spielt der natürliche Alterungsprozess des Körpers auch für die Sexualität eine wichtige Rolle. Und genauso wie man im Alter nicht mehr jede Sportart betreiben kann – zumindest nicht mehr in demselben Ausmaß wie in jungen Jahren –, muss man es auch beim Sex ruhiger angehen.“

Gehen Sie die Sache entspannt an. Die schönste Nebensache der Welt ist somit einerseits sehr wohl eine Altersfrage, andererseits auch wieder nicht. So flacht beispielsweise die Erektionskurve beim Mann im Alter ab. Das heißt: Er braucht länger, bis er kommt. Doch das ist ganz normal und bedeutet nicht, dass man unter Impotenz leidet. „Entscheidend ist, dass man das Ganze entspannt angeht und sich weder durch Selbstzweifel noch äußere Einflüsse, etwa durch die Medien oder den Jugendlichkeitsterror, unter Druck setzen lässt“, betont Aigner. Bei Frauen hinterlässt das Alter ebenfalls seine Spuren. Zum Beispiel ist die Vaginalschleimhaut nicht mehr so gut durchblutet, was mitunter zu Schmerzen führt, vor allem wenn „die Sache“ zu schnell angegangen wird. Hierbei können Gleitcremen helfen. Freilich darf das starke Geschlecht ebenfalls zu „Hilfsmitteln“ greifen. Eine Dauerlösung sollten Potenzmittel wie Viagra jedoch nicht sein. Entscheidend sei, so Aigner, dass „Sexualität nie etwas rein Körperliches ist, sondern dass sie immer auch psychisch durchwirkt ist und eine soziale Komponente hat. Es geht um das Verhältnis zueinander, darum, ob man eine körpernahe und liebevolle Beziehung hat. Das sind die Ingredienzien eines erfüllten Sexlebens – und zwar in jedem Alter.“

Zauber der Sexualität. Das Liebesspiel läuft also langsamer ab, wenn man älter wird. Wobei es individuelle Unterschiede gibt. So ergab etwa eine 2007 publizierte Studie, dass 14 Prozent der über 65-Jährigen jede Sexualität aufgegeben haben, während vier Prozent noch bis zu dreimal in der Woche Sex haben. Das wirklich Erstaunliche war indes, dass mit 82 Prozent die überwiegende Mehrheit ihre Sexualität nach wie vor auslebte. Es scheint allerdings eine Tatsache, dass das Bedürfnis nach Geschlechtsverkehr und die Triebhaftigkeit im Laufe der Lebensjahre zurückgehen. Das bedeute aber nicht, dass man ab einem gewissen Alter sowieso keinen Sex mehr hat. „Im Gegenteil“, so Aigner, „denn im besten Fall hat man sein Leben lang ein erfülltes Sexleben. Allerdings muss man akzeptieren können, dass es sich verändert. Wer das nicht tut, setzt sich unter Druck. Und Stress ist der allerschlimmste Lustkiller – egal in welchem Alter.“ Im Übrigen ist auch bei älteren Menschen das Beziehungsalter entscheidend. Soll heißen: Bei Paaren, die sich im Alter neu binden, herrscht oft mehr sexuelle Aktivität als bei Jüngeren in langjährigen Beziehungen. Geht es nach Aigner, sollte Sex zwar kein Tabuthema sein, aber doch ein Intimbereich, über den nicht dauernd öffentlich verhandelt werden sollte: „Zu viel Öffentlichkeit setzt nämlich nicht nur unter Druck, sondern entzaubert die Sexualität auch.“ Bitte umblättern!

„Sex bleibt bis zum letzten Abtreten aktuell“

Bernhard Ludwig. Der österreichische Kabarettist, ausgebildete Psychologe und  Psychotherapeut beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Sex – unter anderem im Rahmen der „Anleitung zur sexuellen Unzufriedenheit“. Im Gespräch erklärt Ludwig, warum Sex im Alter mitunter skurrile Auswirkungen hat und weshalb Sex nicht nur ein netter, sondern auch ein gesunder Zeitvertreib ist.

Viele sind nach wie vor davon überzeugt, dass man im Alter entweder gar keinen Sex mehr hat oder dass es sich schlichtweg nicht gehört, im Alter Sex zu haben. Warum ist das so?
Ludwig: Weil Eltern mit ihren Kindern meist nur wenig über das eigene Sexualleben sprechen. Daher glauben wir, dass es irgendwann aufhören muss, wenn wir älter werden. Man merkt aber recht schnell, dass Sex bis zum letzten Abtreten aktuell bleibt. Es sei denn, eine Krankheit hilft dabei, dass wir keinen Sex mehr haben, wobei das auch nur bei Männern möglich ist. Bei Frauen funktioniert nicht einmal das.

Warum ist Sex eigentlich gut für die Gesundheit – körperlich wie psychisch?
Ludwig: Weil es einen sehr hohen Wohlfühlfaktor hat. Und der nimmt im Alter sogar zu, immerhin spielt die Fortpflanzung dann keine Rolle mehr. Für die Frau ist das nämlich durchaus ein Stressfaktor, schließlich muss sie in jungen Jahren nach einem Mann Ausschau halten, um mit diesem für Nachkommen zu sorgen. Hat sie diese Reproduktionsphase erst einmal hinter sich, kann sie noch einmal so richtig Gas geben. Und viele tun das auch.

Also doch: „Sex, bis der Tod uns scheidet“?
Ludwig: Ja, wobei das auch recht skurrile Auswirkungen haben kann, schließlich sterben Männer immer noch früher als Frauen und so kommen im Alter auf einen Mann durchschnittlich sieben Frauen. Das heißt: Die Statistik verschiebt sich dramatisch, was wiederum dazu führt, dass nicht mehr die Frau das Objekt der Begierde ist – wie das bei der Jugend bzw. in jungen Jahren meist der Fall ist. Plötzlich sind es die Männer. Sie sind dann richtige Prinzen oder zumindest die Hähne im Korbe, um die die Frauen sich streiten. Da gibt es keine Hemmungen mehr und jede Schamhaftigkeit sinkt.

Klingt nach Spaß.
Ludwig: Ja, Sex ist sicher ein netter Zeitvertreib – ob für Jung, Mittel oder Alt. Zum Glück: Ich lebe ja davon (lacht). Mein Buch „Anleitung zur sexuellen Unzufriedenheit“ gibt es ja schon seit Jahren, wurde allerdings im April neu aufgelegt. Inhaltlich hat sich nicht viel geändert, aber dank Comiczeichner Tim Jost und Comicautor Günther Payr sind die Zeichnungen wesentlich besser geworden. Neu ist unter anderem das Thema Oralsex. Das macht jeder und es graust niemandem, die Frage ist nur: Mache ich es so, dass der Partner eine Gaude dabei hat? Übrigens ist Oralsex auch gesund, denn Spermidin, das vor allem – wie der Name schon sagt – in der männlichen Samenflüssigkeit enthalten ist, ist im Grunde ein natürliches Anti-Aging-Mittel zur Demenzprophylaxe. Was alles im weiblichen Ejakulat steckt, wird derzeit gerade untersucht.
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